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Ostholstein Verhexte Pilze? Warum Champignons in Heiligenhafen im Kreis wachsen
Lokales Ostholstein Verhexte Pilze? Warum Champignons in Heiligenhafen im Kreis wachsen
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19:40 04.10.2019
Brigitte Wintzen hat diesen Hexenring in Heiligenhafen an der Stadtkirche entdeckt. Quelle: Luisa Jacobsen
Heiligenhafen

Brigitte Wintzen und ihr Hund „Matti“ haben kein Problem damit, den fast kreisrunden Ring aus Pilzen auf dem Gelände der Stadtkirche Heiligenhafen zu betreten. Denn abergläubisch ist Brigitte Wintzen nicht – nur fasziniert von diesem großen Pilzkreis, den sie bei einem Spaziergang entdeckt hat.

„Ich wusste erst gar nicht, was das ist und wie das entsteht“, erzählt die 71-Jährige. Die fast kreisrunde und geschlossene Formation der Pilze sei ihr aber sofort aufgefallen. Eine Bekannte habe ihr dann erklärt, dass es sich um einen sogenannten Hexenring handelt.

Keine Magie, sondern ein natürliches Phänomen

Einst galt das Betreten eines Hexenrings als gefährlich. Denn im Mittelalter glaubten die Menschen, dass das Innere der Ringe Versammlungsorte von Hexen, Feen oder anderen geisterhaften Wesen waren, von denen man sich lieber fernhielt. Tatsächlich handelt es sich um ein natürliches Phänomen, das Pilzfreunden allzu bekannt ist.

Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass in den Ringen Hexen ihre Versammlungen abhielten. Quelle: Luisa Jacobsen

Manche Pilzarten breiten sich kreisförmig unter der Erde aus

Zum Beispiel Sönke Lettau. Der 53-Jährige ist Mitglied in der Mykologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein und kennt sich im Reich der Pilze gut aus: „Die sogenannten Hexenringe entstehen, wenn sich der Pilz, beziehungsweise das Myzel, unterirdisch von einem Punkt in alle Richtungen ausbreitet“, sagt Lettau. Das, was im Allgemeinen als Pilz bezeichnet wird und sichtbar ist, ist der Fruchtkörper, der sich am Ende der Myzelfäden bildet. Nicht alle, sondern nur gewisse Pilzarten könnten sich so kreisförmig ausbreiten.

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Bei den in Heiligenhafen wachsenden Pilzen handele es sich auf jeden Fall um eine der vielen Champignon-Arten, ergänzt sein Kollege Matthias Lüderitz. Welche Art genau, könne er anhand von Fotos leider nicht genau bestimmen.

Auf jeden Fall sind es Champignons, die auf dem Geländer der Stadtkirche in Heiligenhafen wachsen. Quelle: Luisa Jacobsen

Hexenringe können mehrere Hundert Jahre alt werden

Zu finden sind Hexenringe laut Lettau in den späten Sommermonaten und im Herbst auf Wiesen, Feldern und im Wald. Die Größe der Ringe könne sehr unterschiedlich ausfallen. „In Nordamerika gibt es Pilzarten, die einen Ring von rund 600 Metern Durchmesser bilden“, sagt Lettau. Die Größe der Ringe lasse sogar Rückschlüsse auf das Alter des Bodens zu, in dem sie wachsen, erklärt Matthias Lüderitz. Denn je größer ein Hexenring, umso älter ist er. Je nach Pilzart gebe es pro Jahr einen gewissen Zuwachs. Ein Hexenring mit mehreren Hundert Metern Durchmesser könne durchaus auch mehrere Hundert Jahre alt sein. Dass ein Ring so alt werden konnte, lasse wiederum darauf schließen, dass in der Zeit seines Wachstums keine intensive landwirtschaftliche Nutzung stattgefunden hat. „Sehr alte Hexenringe werden in der Archäologie sogar zur Datierung genutzt“, sagt Lüderitz.

Gute Zeit für Champignons

Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen sind Champignons bereits jetzt schon zahlreich zu finden. „Das Pilzjahr verschiebt sich immer weiter nach hinten“, erklärt Matthias Lüderitz. Nach dem sehr trockenen Sommer 2018 seien viele Pilze im letzten Jahr erst im Dezember gekommen. Auch in diesem – bis zum September sehr trockenen Jahr – sei noch nicht viel passiert. Einzig die saprophytischen Pilze, zu denen auch die Champignons zählten, seien schon da.

Die Touristen Peter Beischreiber und Brigitta Keipert aus Niefern (Baden Württemberg) sind ebenfalls fasziniert von den Pilzen. Sie wussten, dass der kreisrunde Wuchs „Hexenring“ genannt wird, haben aber zuvor noch nie einen gesehen. Quelle: Luisa Jacobsen

Hexenringe sind bei Rasenfreunden unbeliebt

Ganz so alt ist der Ring in Heiligenhafen noch nicht. Da Lüderitz die Pilzart nicht genau bestimmen kann, möchte er sich auf das Alter nicht festlegen. Etwa sechs Jahre müsste er aber schon alt sein. So gut wie in diesem Jahr scheinen die Pilze zuvor allerdings nicht zu Tage getreten sein. Pastor Carsten Sauerberg sagt: „Wir sehen den Hexenring dieses Jahr zum ersten Mal.“ Dass ein mit einem Aberglauben behaftetes Phänomen ausgerechnet neben den Kirchenmauern aufgetaucht ist, stört den Pastor nicht. „Das heißt eben so“, sagt Sauerberg. Allerdings deute das Wachstum ja auf eine Nährstoffunterversorgung des Bodens hin. Damit müsse man sich vielleicht im nächsten Jahr mal befassen, so Sauerberg. Vorerst lasse man der Natur aber ihren Lauf.

Weil sie oft auf nährstoffarmen Böden wachsen, sind Hexenringe für Gartenfreunde kein gutes Zeichen. Das saftige Grün des Rasens kann sich durch den Pilzwuchs verfärben. Für Pilz-Experte Sönke Lettau ist das allerdings kein Grund, Maßnahmen gegen die Pilze zu treffen. „Ich weiß nicht, was man gegen Pilze haben kann.“

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