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Ostholstein Hilfe für Hannah: Krankenkasse zahlt teure Behandlung
Lokales Ostholstein Hilfe für Hannah: Krankenkasse zahlt teure Behandlung
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16:55 06.11.2019
Tolle Neuigkeiten für Hannah aus Ahrensbök: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Behandlung des Mädchens. Quelle: 54°/John Garve
Ahrensbök

„Wir sind sprachlos, überwältigt und vor allem stolz darauf, was wir mit eurer Hilfe erreicht haben.“ Mit diesen Worten danken Jasmin Christophersen und Fabian Kühn aus Ahrensbök ihren Unterstützern. Vor einigen Tagen haben sich die Eltern der 20 Monate alten Hannah an die Öffentlichkeit gewandt, weil das Mädchen an Muskelschwund leidet und ein 1,9 Millionen Euro teures Medikament benötigt. Hannahs Familie begann, Spenden zu sammeln. Der Aufruf löste eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft aus. Jetzt hat die zuständige Krankenkasse sich bereit erklärt, die Behandlungskosten zu übernehmen.

Behandlung kann vermutlich in Deutschland erfolgen

Auf diese Nachricht haben die Eltern gehofft – und doch können sie es kaum glauben. „Wir sind total überwältigt“, sagt Jasmin Christophersen. Nun müssen die weiteren Schritte geklärt werden. Nach Angaben eines Sprechers der Barmer-Ersatzkasse könne Hannah in Deutschland behandelt werden, obwohl das Medikament „Zolgensma“ bislang nur in den USA zugelassen ist. „Ein Datum für die Behandlung haben wir noch nicht“, erklärt Hannahs Mutter. „Wir müssen jetzt eine passende Klinik suchen.“ Zudem sei noch ein Test auf Antikörper nötig.

Medikament als Chance für ein selbstbestimmtes Leben

„Zolgensma“ wird einmalig verabreicht. Ein Virus transportiert den Ersatz für ein Gen, das Hannah fehlt beziehungsweise welches defekt ist. So kann Hannahs Krankheit, die spinale Muskelatrophie (SMA), bekämpft werden. Ob das Medikament auch in Europa zugelassen wird, prüft die Europäische Arzneimittel-Agentur derzeit. Die Entwicklung dieser Form von Gentherapie gilt als kompliziert, aufwendig und dementsprechend teuer. Komplette Heilung ist durch „Zolgensma“ nicht möglich. „Es ist eine Therapie-Chance“, sagt Michael Kolodzig, Vorsitzender der Deutschen Muskelstiftung. „Bei den Kindern in den USA, die das Medikament bislang bekommen haben, sind gute Ergebnisse erzielt worden.“ Hannahs Eltern hoffen, dass ihre Tochter mit Hilfe von „Zolgensma“ ein selbstbestimmtes Leben wird führen können.

Mehr als 95 000 Euro in einer Woche gespendet

An Hannahs Schicksal haben zahlreiche Menschen weit über die Region hinaus Anteil genommen. Sie haben gespendet und Hilfsaktionen gestartet. Innerhalb von neun Tagen kamen mehr als 95 000 Euro auf einem Konto der Deutschen Muskelstiftung zusammen. „Das ist wie ein Treuhandkonto für Hannah“, berichtet der Stiftungsvorsitzende. Das heißt: Das Geld wird zwei Jahre lang weiter für die Unterstützung von Hannah und ihrer Familie verwendet. „Vielleicht sind behindertengerechte Umbauten nötig, vielleicht benötigt die Familie ein behindertengerechtes Fahrzeug“, führt Michael Kolodzig aus. Denkbar sei beispielsweise auch der Kauf eines Gerätes für eine spezielle Physiotherapie. „Wichtig ist, dass der Spenderwille umgesetzt wird – also das Geld wirklich Hannah zugutekommt“, betont er.

Hunderte Glückwünsche

Nach Ablauf der zwei Jahre werde das restliche Geld in die allgemeine Kasse der Stiftung gegeben. Hannahs Eltern könnten aber weiterhin wie andere Betroffene auch Unterstützung beantragen. Das liegt jedoch erst einmal in entfernter Zukunft – derzeit herrscht die Freude über die Zusage der Krankenkasse vor. „Wir können euch nicht genug danken für euren Einsatz, eure Spenden und eure tollen Ideen, um gemeinsam mit uns das Unmögliche möglich zu machen“, schreiben Hannahs Eltern auf ihrer Facebook-Seite allen Helfern. Dort gingen Hunderte Kommentare mit Glückwünschen ein.

Spendenaktionen sollen weiterlaufen

Es sei ein Verdienst aller, die sich für Hannah eingesetzt und/oder für sie gespendet haben, dass Hannah die Behandlung nun ermöglicht werde, betonen die Eltern. Die Spenden-Aktionen in der Region werden derweil nicht alle abrupt abgebrochen. So hat zum Beispiel Oliver Schmökel von der Craft-Beer-Brauerei „Sudden Death“ eine Hannah-Tasse entworfen – diese wird dennoch produziert und an die Käufer verschickt. „Wir wollen unsere Aktion jetzt nicht stoppen“, berichtet auch Dörte Steffens von Bauernhof-Eis Steffens in Ahrensbök. Dort soll unter anderem beim Adventszauber am Sonntag, 1. Dezember, Eis für den guten Zweck verkauft werden: „Wir werden weiter Spenden sammeln, für ein Projekt in der Region.“

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Von Sabine Latzel

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