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Ostholstein Auf Fehmarn üben schon vier Nachwuchs-Wehren
Lokales Ostholstein Auf Fehmarn üben schon vier Nachwuchs-Wehren
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13:35 22.12.2018
Jeder muss mal ran und sich ausprobieren. Quelle: Gerd-Johann Schwennsen
Landkirchen a. F

Der Montag ist ein guter Tag. Eigentlich. Denn zu Wochenbeginn konkurriert der Feuerwehrdienst erfahrungsgemäß am wenigsten mit den anderen Verlockungen für Jugendliche, vor allem den Trainingszeiten der Sportvereine. „Es ist gar nicht so einfach, alle zusammenzubekommen“, betont Jugendfeuerwehrwart Hannes Maaß. Er spricht aus Erfahrung.

Dabei wurde erst im Ende Juli 2017 für Fehmarn-Mitte die vierte Jugendfeuerwehr auf der Insel gegründet. Ein Spätzünder: Denn Burg, Puttgarden/Todendorf (für den Inselosten) und Petersdorf (für Westfehmarn) haben schon Jubiläumsreife erlangt. Die Burger, die früher vor allem mit ihrem Spielmannszug über die Insel hinaus für Furore sorgten, richteten erst im August 2018 zum 35-jährigen Bestehen einen Orientierungsmarsch aus, an dem zwölf Jugendwehren aus ganz Ostholstein teilnahmen. Im Inselwesten feierte die Jugendwehr in Petersdorf Ende 2017 stolz ihr 25-jähriges Bestehen mit einem richtigen Empfang. Und in Puttgarden wurde die Jugendwehr 2001 gegründet.

Nachwuchs soll Feuerwehren sichern

Fehmarn-Mitte war somit ein Nachzügler, auch auf Kreisebene. Und setzt doch schon mehrere Ausrufezeichen. Denn Hannes Maaß, der aus Landkirchen und damit aus der stärksten der vier Ortswehren kommt, freut sich, dass vor allem die kleineren Feuerwehren von dieser Nachwuchsgewinnung enorm profitieren. Konkret: Die Jugendwehr zählt momentan rund 25 Mitglieder – darunter elf Mädchen. Jeweils acht kommen aus dem Einzugsbereich der kleinen Ortswehren Vadersdorf/Gammendorf und Bisdorf/Hinrichsdorf. „Das ist extrem stark“, sagt Maaß. Denn sie haben in den Dörfern oft große Probleme, im Ernstfall in ausreichender Stärke ausrücken zu können.

Alle zwei Wochen trifft sich die Jugendwehr Fehmarn-Mitte. Im Schnitt sind etwa 18 Jungen und Mächchen dabei. Noch ist die Fluktuation nicht sehr groß gewesen. „Wichtig ist, dass wir reihum gehen“, erklärt Maaß. Landkirchen, Vadersdorf, Bisdorf oder Avendorf – jeder Standort ist regelmäßig dran. Maaß: „Wenn wir uns überall sehen lassen, ist das doch die beste Werbung.“

Beitrag zur Integration

Zweites Ausrufezeichen: Sechs Mitglieder – und damit fast ein Viertel dieser Jugendwehr – sind Jugendliche mit Migrationshintergrund, davon vier aus Vadersdorf und zwei aus Süderort. Ein schöner Erfolg für die Feuerwehr. Und drittens: In diesem Jahr ist auf Fehmarn sogar eine erste Kinderfeuerwehr gegründet worden. Sie trifft sich in Bisdorf: Fehmarn-Mitte gibt also hier den Ton an.

Trainiert wird im Gerätehaus. Quelle: Gerd-Johann Schwennsen

Die Begeisterung der Zehn- bis 17-Jährigen in der Jugendwehr Fehmarn-Mitte ist groß. Zum Beispiel beim Erste-Hilfe-Abend in Landkirchen. Die jungen Teilnehmer sind mit großem Eifer dabei, um im Ernstfall lebensrettende Kniffe und Regeln kennenzulernen und zu üben. Das Übungsszenario: Ein Verletzter, der bewusstlos ist, muss erst in eine stabile Seitenlage gebracht werden, bevor sie den Notruf absetzen. Nebenbei machen sich die Kids mit einem Beatmungskoffer vertraut. An anderen Abenden haben sie die Wasserentnahme an Hydranten geübt, das Verhalten bei Verkehrsunfällen oder Grundkenntnisse im Umgang mit Chemikalien. Aber es gibt auch immer wieder lockere Freizeit-Treffen, die Spaß bringen und die Gruppe zusammenschweißen sollen.

Führungsaufgaben in jungen Jahren

Übrigens: Einer unter ihnen durfte schon an einer Übung der „großen“ Wehr teilnehmen. Wenn alles klappt, wechselt er 2019 als Erster in die Erwachsenenwehr. Diese Nachwuchsgewinnung klappt in den anderen Jugendwehren schon seit Jahren oft reibungslos. Etliche haben längst Führungsaufgaben übernommen.

334 Aktive zählen die zehn Ortswehren auf Fehmarn. In den vier Jugendwehren sind momentan 77 junge Insulaner dabei, davon 21 Mädchen, berichtet Fehmarns Gemeindewehrführer Volker Delfskamp. Und auch in der Kinderfeuerwehr machen inzwischen schon zwei Dutzend Mädchen und Jungen mit. „Wir können natürlich nicht vorausschauen, wie viele am Ende dabeibleiben. Einige verlieren vielleicht auch die Lust, andere finden später keine Arbeit auf Fehmarn und ziehen weg“, sagt Delfskamp.

Tagsüber zu wenig Kräfte

Doch die Nachwuchsgewinnung ist für diese Pflichtaufgabe der Kommune wichtiger denn je, vor allem in de Dörfern auf der Insel. Dabei werden auch die kleinen Ortswehren Süderort, Bisdorf-Hinrichsdorf oder Vadersdorf-Gammendorf aus Fehmarn-Mitte oft mit großen Herausforderungen konfrontiert. Brände in Bootslagern oder auf den Campingplätzen – dafür stehen am Tage aber immer weniger Feuerwehrleute bereit.

Landkirchens Wehrführer Torsten Steffen verfolgt mit Sohn Matthes (10 Monate) den Abend. Quelle: Gerd-Johann Schwennsen

Landkirchens Wehrführer Torsten Steffen ist dennoch zuversichtlich. Jeder Jugendliche, der bleibt, ist ein Gewinn. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran. Sein zehn Monate alter Sohn Matthes verfolgt schon ganz aufmerksam das Gewusel der Jugendfeuerwehr in Landkirchen.

Lars Schäckermann (Burg) vom Kreisfeuerwehrverband Ostholstein weiß: „Die Jugendwehr ist eine coole Sache.“ Wenige Monate nach Gründung der Einheit Fehmarn-Mitte nannte Stefan Newe von der Polizei Burg beim Jubiläumsempfang in Petersdorf noch einen anderen Pluspunkt: „Die Jugendwehr ist eine besondere Form der Jugendarbeit. Sie hält manchen davon ab, in falsche Kreise zu geraten.“

So können Sie spenden

Spenden können auf ein Konto bei der Sparkasse Holstein überwiesen werden. Dieses gehört dem Kreisfeuerwehrverband Ostholstein. Bitte geben Sie unbedingt das Stichwort „Hilfe im Advent“ an.

IBAN: DE 20 2135 2240 0076 3306 46

BIC: NOLADE21HOL

Gerd-Johann Schwennsen

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