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Ostholstein Forum Eutin hilft Flüchtlingsfrauen, sich heimisch zu fühlen
Lokales Ostholstein

Hilfe im Advent: Forum Eutin hilft Flüchtlingsfrauen

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12:00 19.12.2021
In der Frauenwerkstatt nähen, handarbeiten und bügeln Hozan (33), Ayse (39) und Soher Shegre (36, Mitte v. l.). Marie-Theres Bernegger, Christa Wörmann (v. l.) und Irmgard Luenen (r.) gesellen sich gern dazu.
In der Frauenwerkstatt nähen, handarbeiten und bügeln Hozan (33), Ayse (39) und Soher Shegre (36, Mitte v. l.). Marie-Theres Bernegger, Christa Wörmann (v. l.) und Irmgard Luenen (r.) gesellen sich gern dazu. Quelle: Foto: Ulrike Benthien
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Eutin

Das Motto der diesjährigen LN-Aktion Hilfe im Advent lautet „Gemeinsam gegen einsam“. Es ist ein Leitmotiv, dem sich auch der Verein Forum Eutin verschrieben hat. „Das gemeinsame Tun liegt uns am Herzen, jeder und jede ist willkommen: zur Mitarbeit, zum Mitmachen oder auch, um Unterstützung zu bekommen“, sagt Marie-Theres Bernegger, die zum Vorstand des Vereins gehört.

Ehrenamtler helfen, der Vereinsamung vorzubeugen

Das Forum Eutin wurde 2006 gegründet, seit 2011 ist es in der Bismarckstraße 2 zu finden. Menschen mit Betreuungsbedarf zu unterstützen und ihre pflegenden Angehörigen zu entlasten, war eine der ersten Aufgaben, der sich die Ehrenamtler des Vereins widmeten. „Dabei geht es darum, einfach nur miteinander zu sprechen, vielleicht mal spazieren zu gehen, etwas zu spielen, gemeinsam einzukaufen oder einen kleinen Ausflug zu unternehmen“, sagt Irmgard Luenen. Sie sei gerade erst mit einer 97 Jahre alten Seniorin in einem Eutiner Café gewesen, erzählt sie. Und dass der Kontakt mit der Außenwelt für die Menschen so wichtig sei.

Fünf Menschen hilft der Verein derzeit bei der Bewältigung ihres Alltags und sorgt für fröhliche Momente in ihrem Leben. Gern könnten es mehr sein, aber dafür würden auch mehr Ehrenamtler benötigt, berichtet Christa Wörmann, die ebenfalls zum Vorstand gehört. Wer Interesse hat, ist jederzeit willkommen. Ein großer Wunsch der Forum-Angehörigen ist es, die Menschen, die sie betreuen, einmal gemeinsam zu sich einzuladen.

Dafür allerdings benötigen sie Tische und Stühle für den angemieteten Raum, in dem auch die Interkulturelle Frauenwerkstatt und der Frauentreff stattfinden. Geflüchtete Frauen haben hier einen Anlaufpunkt, finden Gleichgesinnte und Hilfe dabei, im Berufsleben Fuß zu fassen. Eine von ihnen ist Soher Shegre (36), Mutter von drei Kindern (elf Jahre alt und sechsjährige Zwillinge). „Wir Frauen brauchen den Kontakt zu deutschen Leuten, um die Sprache zu lernen. Ich kann nicht einfach jemanden auf der Straße ansprechen“, sagt sie.

Das Forum helfe ihr und ihren Freundinnen sehr. „Wir wollen auch die deutsche Kultur kennenlernen“, sagt Soher Shegre. Das passiert manchmal ganz nebenbei: Beim Nähen von kleinen Rucksäcken aus Stoff mit weihnachtlichen Motiven geben diese den Anlass, über deutsche Advents- und Weihnachtsbräuche zu sprechen.

Andrea (r.) vermittelt den jungen Frauen im Deutschunterricht praktische Kenntnisse. Quelle: Ulrike Benthien

Deutschkursus mit Kinderbetreuung

Soher Shegre lebt seit vier Jahren in Eutin, besucht seit drei Jahren die Frauenwerkstatt und zählt inzwischen zum Betreuerteam, das sich um Neuankömmlinge in Eutin kümmert. Sie stammen aus dem arabischen Raum, aus Afghanistan, dem Irak, der Türkei, aus Eritrea, Somalia . . . Geflüchtete bei Behördengängen, bei Arztbesuchen oder beim Schreiben von Bewerbungen zu unterstützen, zählt ebenfalls zu den Aufgaben, die die Ehrenamtler des Forums gern wahrnehmen. „Wir suchen gemeinsam nach Lösungen“, erzählt Soher Shegre fröhlich.

Gut frequentiert sind auch die wöchentlichen Deutschstunden, die Ehrenamtlerin Andrea jungen Frauen gibt. Dabei geht es um praktische, alltagsbezogene Dinge: „Es heißt Friseur und Friseurin, Bäcker und Bäckerin“, verdeutlicht sie ihren Schülerinnen beispielsweise. Damit die Frauen, meist Mütter, in Ruhe Kontakte zueinander knüpfen und lernen können, ist für Kinderbetreuung gesorgt, die bei anderen Integrationskursen meist fehlt. Die übernimmt oft Teklo aus Eritrea, der als Krankenpfleger in einer Pflegeeinrichtung in Eutin arbeitet und sich mit seiner Frau und Sohn Jonathan (ein Jahr) im Forum heimisch fühlt. „Es ist schön, sich hier mit anderen zu unterhalten und sich zum Beispiel über Ausbildung und Sprachkursus auszutauschen“, sagt er.

Forum Eutin: Kulturabende mit großen Zuspruch

Gemeinschaft ist im Forum Eutin bei Vorträgen und Kunstausstellungen, vor allem aber bei den Kulturabenden, zu denen auch immer wieder neue Gäste kommen, erlebbar. „Wir musizieren, singen, tanzen, hören Gedichte“, zählt Irmgard Luenen auf. Soher Shegre hat an einem Abend eine Diashow mit alten Aufnahmen aus ihrer Heimat Syrien gezeigt: „Fotos von Damaskus und Idlib vor dem Krieg, als es dort noch schön war.“ Wichtiger Bestandteil der Abende ist das gemeinsame Essen mit Köstlichkeiten aus allen Kulturen.

Die Spendenaktion – „Hilfe im Advent“

Die LN-Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ macht sich in diesem Jahr für ehrenamtliche Projekte stark, die sich für das Miteinander einsetzen und Menschen helfen, einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. Die Spendensammlung der LN und der Sparkasse Holstein findet unter dem Motto „Gemeinsam gegen einsam“ statt.

Mithilfe der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt stellen wir Ideen und Projekte vor, die sich uneigennützig im Verein, in der Nachbarschaft oder in anderen Bereichen dafür stark machen, dass sich einsame Menschen wieder eingebunden fühlen und wieder Freude am Leben haben. Der ePunkt sammelt die Spenden der LN-Leser und gibt sie dann an die Ehrenamtlichen weiter.

Hier können Sie spenden:

Empfänger: ePunkt e.V. - Hilfe im Advent Stormarn/oder Hilfe im Advent Ostholstein

Kontoinhaber: ePunkt e. V.

Iban: DE05 2135 2240 0179 2610 11

BIC: NOLADE21HOL

Bank: Sparkasse Holstein

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent“

Nur dreimal hat es diese geselligen Abende in diesem Jahr geben können: einmal in sehr kleinem Rahmen drinnen, einmal als großes Fest auf der Wiese hinter dem Haus und einmal online. Weil ein Ende der Pandemie nicht abzusehen ist, möchte der Verein sich für weitere Online-Veranstaltungen wappnen und ein Mikrofon, Web-Kamera und einen Zoom-Account anschaffen. „Besonders wichtig ist für uns aber finanzielle Unterstützung bei der Raummiete“, sagt Marie-Theres Bernegger. Pro Jahr sind 12 000 Euro aufzubringen. Drei Viertel kann der Verein selbst bewältigen, 3000 Euro müssen über Spenden eingenommen werden.

Weitere Informationen über den Verein Forum Eutin gibt es auf der Web-Seite www.forum-eutin.de.

Von Ulrike Benthien