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Ostholstein Das Timmendorfer Strohdachhaus: Zentrales Schmuckstück für alle
Lokales Ostholstein Das Timmendorfer Strohdachhaus: Zentrales Schmuckstück für alle
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17:13 14.10.2019
Am Saunaring, nahe des Timmendorfer Platzes, befindet sich das 1924 erbaute Strohdachhaus. Quelle: Sabine Latzel
Timmendorfer Strand

Die Lage: top, mitten im Zentrum von Timmendorfer Strand, am Saunaring, der Timmendorfer Platz in Sichtweite. Die Optik: hübsch, roter Backstein, weiße Fensterrahmen, Reetdach. Nicht die schlechteste Immobilie also, und in der Tat hat das Timmendorfer Strohdachhaus im Laufe seines 95-jährigen Daseins allerlei Begehrlichkeiten geweckt und eine wechselvolle Geschichte erfahren, bis es zum wichtigen Treffpunkt für die Einheimischen wurde.

Strandfotografen erhielten hier ihre Konzessionen

Drinnen ist es weniger nostalgisch, als es der äußere Anschein vermuten lässt. Eher nüchtern und funktional sind der große Versammlungsraum im Erdgeschoss, die Küche und ein kleineres Gruppenzimmer eingerichtet. Die Timmendorfer Senioren treffen sich hier, Kurse der VHS finden statt, Kulturkreis und die Mitglieder der „Helferbörse“ kommen im Strohdachhaus zusammen. Es war 1924 für die gemeinsame Bäderverwaltung von Timmendorfer Strand und Niendorf, Scharbeutz und Haffkrug errichtet worden.

„In der Realität ist diese gemeinsame Bäderverwaltung wohl gar nicht vollzogen worden“, sagt Dr. Heiner Herde, ehemaliger Leiter des Gemeindearchivs und Kenner der Timmendorfer Geschichte. „Tatsächlich hat dort wohl nur die Timmendorfer Kurverwaltung gearbeitet.“ Und beispielsweise Zimmer vermittelt oder Konzessionen für die Strandfotografen ausgegeben, denen jeweils ein bestimmter Abschnitt zugeteilt wurde. „Diese Konzessionen waren begehrt“, erklärt Melanie Zühlke, die jetzt das Gemeindearchiv leitet. „Damit ließ sich gutes Geld verdienen. Schließlich wollten die Leute damals Erinnerungsfotos aus ihrem Urlaub – und hatten keine eigenen Kameras.“

Der Eingang zum Strohdachhaus hat sich im Laufe der Zeit mehrfach verändert. Drinnen ist vom Charme der Vergangenheit nicht mehr viel zu spüren – doch das Magazin des Gemeindearchivs birgt alte Schätze.

Nach dem Krieg zogen Flüchtlinge und das Rote Kreuz ein

Nach dem Krieg blieb das Strohdachhaus Sitz der Kurverwaltung für Timmendorfer Strand und Niendorf. Kurzzeitig waren dort auch ein Teil des Bürgermeisteramtes und eine Station des Roten Kreuzes untergebracht, außerdem fanden Flüchtlinge im Obergeschoss Obdach. Das Bürgermeisteramt zog dann ins „Olgaheim“, wie das Alte Rathaus am Timmendorfer Platz einst hieß, die Flüchtlinge fanden andere Unterkünfte. Die Kurverwaltung blieb zunächst, siedelte aber Anfang der 1970er Jahre ins neue Kongresszentrum am Maritim-Seehotel über – und aus dem Strohdachhaus wurde die Privatpraxis des Chefarztes der Curschmann-Klinik.

Davon ist nichts mehr zu sehen – dabei hatte die Praxis am Saunaring 9 beinahe 20 Jahre lang, bis zum Beginn der 1990er Jahre, ihren Sitz. Danach setzte eine heftige Diskussion über die künftige Nutzung des schmucken Gebäudes ein. Sollte die Gemeinde verkaufen und damit eine kräftige Summe einnehmen? Oder das Haus abreißen lassen, um für das freie, große Grundstück im Zentrum noch mehr Geld zu bekommen?

Seit 1993 gehört das Haus der Timmendorfer Bevölkerung

Nein. Die Entscheidung fiel zugunsten der Timmendorfer Bevölkerung: Das Strohdachhaus wurde renoviert und 1993 wieder eröffnet, für verschiedene Gruppen, Kurse und Initiativen. Zumindest das Erdgeschoss. Im Obergeschoss unterm Dach befand sich zunächst nur ein kleiner Lagerraum, sagt Dr. Herde rückblickend, „mit einem Regal voller Unterlagen“, dazu Aktenordner und vollgestopfte Kartons – das damalige „Gemeindearchiv“. „Wie soll man das je ordnen?“, fragte sich der damalige Bürgermeister Volker Popp. Herde machte sich an diese Mammutaufgabe und legte damit den Grundstein für das jetzige Archiv.

Hier gibt es Geschichten zu besonderen Gebäuden

Historische Funde bei Bauarbeiten im Strohdachhaus

2011 wurde das Strohdachhaus erneut saniert und aufgefrischt, für 350 000 Euro, ein Großteil davon waren Fördermittel. Dafür gab es unter anderem eine Behinderten-Toilette, einen Rollstuhl-Lift seitlich des Eingangs sowie neue Fenster und Brennwerttechnik zwecks Energieeinsparung. Alles also ganz nüchtern und zeitgemäß – aber zwei historische Aspekte hatten auch diese Arbeiten. Zum einen wurden im kleineren Gruppenraum einige Wandmalereien von einst freigelegt, zum anderen entdeckten Bauarbeiter im Keller eine schmale Mappe mit einer Akte von 1938, in der es um ein potenzielles „KdF-Bad“ an der Lübecker Bucht ging (siehe Info-Box).

2016 dann zog noch mehr Leben ins Strohdachhaus: Es wurde offizieller Sitz des Gemeindearchivs. Seither hat Melanie Zühlke ihr Büro unterm Dach, wo sich auch das große Magazin mit diversen Unterlagen, Bildern und anderen Zeugnissen aus Timmendorfs Vergangenheit befindet. Aus der es ja selbst stammt, das schmucke Gebäude, an dem sich alle Timmendorfer und ihre Gäste erfreuen können.

Protest gegen ein zweites „Prora“ in Timmendorf

Von 1938 ist die Akte, die Bauarbeiter bei der Sanierung des Strohdachhauses im Jahr 2011 gefunden haben. Sie stammt vom Eutiner Kreisausschuss und beschäftigt sich mit einer potenziellen Massen-Anlage der NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) an der Lübecker Bucht.

Ein KdF-Bad, hatte der damalige Leiter der „Arbeitsfront“ Robert Ley in einem Zeitungsinterview erklärt, könne auch am Timmendorfer Strand entstehen (Prora, das „Bad der Zwanzigtausend“ auf Rügen, befand sich bereits im Bau). Diese Bemerkung sorgte für große Aufregung in Timmendorf, erklärt Geschichtskenner Dr. Heiner Herde: „Dafür wäre ja alles plattgemacht worden, es ging also um Existenzen.“

Offenbar ruderten die KdF-Verantwortlichen daraufhin wieder zurück. Die Planungen wurden anscheinend auf die Zeit nach 1950 verschoben – und da gab es dann bekanntermaßen neben vielem anderen auch die KdF-Organisation glücklicherweise nicht mehr.

Von Sabine Latzel

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