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Ostholstein Klingbergs vergessene FKK-Geschichte
Lokales Ostholstein Klingbergs vergessene FKK-Geschichte
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18:14 23.11.2018
Kunst und Kreativität in der Kleinen Waldschänke: Klaus Rubach ist Sprecher vom Kulturverein Kleine Waldschänke und zeigt ein Modell des Gebäudes. Quelle: Luisa Jacobsen
Klingberg

Schweinestall, Lesesaal, Kiosk, Kulturtreff: Die Kleine Waldschänke in Klingberg (Gemeinde Scharbeutz) hat in vielerlei Funktionen die Zeit überdauert. Das kleine Häuschen gehörte einst zum Hof von Paul Zimmermann, einem Lehrer, der 1903 aus Sachsen in den Norden zog, die Siedlung Klingberg gründete und diese später zur Wiege der FKK-Kultur machte.

Mekka für Anhänger der Freikörperkultur

Der „Lebensreformer“ Paul Zimmermann bezog 1903 ein großes Bauernhaus an der Ecke der heutigen Straßen Uhlenflucht und Seestraße. Die Kleine Waldschänke war damals der zu diesem Bauernhaus gehörige Schweinestall. Nur wenige Jahre später baute Zimmermann das große Bauernhaus um – zur Waldschänke Klingberg. Seiner Philosophie entsprechend eine alkoholfreie und vegetarische Gaststätte.

1926 folgte die Gründung des Freilichtparks Klingberg. Wo heute eine Ferienhaussiedlung steht, schuf Zimmermann damals ein mehr als 100 000 Quadratmeter großes Gelände mit kleinen Hütten für Anhänger der Freikörperkultur. Man trieb Gymnastik, badete im Moorteich und lebte ganz in der Natur. Der Park wurde international bekannt. Ein Mekka für Freigeister und Künstler, von dem im Dorf heute nicht mehr viel zu sehen ist.

Bilder aus der Dorfchronik von Gertrud Kummer erzählen von Klingbergs Vergangenheit als Wiege der FKK-Kultur. Quelle: Privatarchiv Kummer
Bilder aus der Dorfchronik von Gertrud Kummer erzählen von Klingbergs Vergangenheit als Wiege der FKK-Kultur. Quelle: Privatarchiv Kummer

Gaststätte brennt während VHS-Vortrag ab

Dabei bestand der Park – auch über die NS-Zeit hinaus – noch bis 1979. „Er wurde von der jüngsten Tochter von Paul Zimmermann geführt“, erzählt Gertrud Kummer, die eine ausführliche Chronik über Klingberg und seine Anfänge geschrieben hat. Solange, bis er wirtschaftlich nicht mehr tragbar war. Die Holzhütten seien für die Ansprüche der Gäste nicht mehr zeitgemäß gewesen. Der Park wurde geschlossen und wich später der Ferienhausanlage.

Und auch die Gaststätte gibt es nicht mehr. „Sie brannte 1962 ab“, erzählt Klaus Rubach, Sprecher des Kulturvereins Kleine Waldschänke. Zu diesem Zeitpunkt sei das Restaurant schon nicht mehr im Besitz der Familie Zimmermann gewesen. In der Dorf-Chronik von Gertrud Kummer heißt es zu dem Feuer am 3. April: „An diesem Tag hielt Pastor Spanuth in der Waldschänke seinen Vortrag ,Im Kielwasser des Odysseus’ über das versunkene, von ihm in der Nordsee vermutete Atlantis.“ Dann hätten Zuhörer ein Knistern gehört – das Reetdach stand in Flammen. Verletzt worden sei niemand, schreibt Kummer, doch das Haus wurde zerstört.

Verein rettet Kleine Waldschänke vor Abriss

Übrig blieb einzig die Kleine Waldschänke. Sie diente als Kiosk und Imbissbude. Bis plötzlich der Abriss drohte: „Man wollte die Kreuzung verbreitern“, erzählt Klaus Rubach. Dafür hätte das Häuschen weichen müssen. „Die Einwohner engagierten sich gegen die Verkehrsplanung“, sagt Rubach. Zum Erhalt des Hauses – eines der letzten Zeugnisse der Anfänge Klingbergs – gründete sich der Kulturverein Kleine Waldschänke und kaufte der Gemeinde das Haus ab. 1987 wurde es offiziell übergeben.

Vom Schweinestall zum Kulturtreffpunkt: Die Kleine Waldschänke im Wandel der Zeit.

Seither betreibt und pflegt der Verein die Kleine Waldschänke. Sie ist Dorfmittelpunkt, ein Treffpunkt und vor allem ein Raum für Kunst und Kultur. Die Volkshochschule bietet dort regelmäßig Kurse an, hinzu kommen Ausstellungen verschiedener Künstler. Kunst, sagt Klaus Rubach, habe in Klingberg seit jeher eine wichtige Rolle gespielt. Überregional bekannte Künstler wie die Portraitistin Friedel Hoefer und der Maler Bernhard Knoop hätten den Ort geprägt, sagt Rubach. Umso passender, dass in dem gerade einmal 50 Quadratmeter großen Haus heute wieder gemalt und Gemaltes ausgestellt wird.

Auf der Webseite www.kulturvereinkleinewaldschaenke.de gibt es Informationen zur Geschichte, zu Kursangeboten und zum Programm des Vereins.

Luisa Jacobsen

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