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Ostholstein Hitzige Debatte in Kasseedorf: „Irgendjemand spielt hier falsch“
Lokales Ostholstein Hitzige Debatte in Kasseedorf: „Irgendjemand spielt hier falsch“
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20:40 21.05.2014
Nachts ein Dezibel zu laut: das Kieswerk bei Stendorf. Die Anwohner möchten das Gebiet als Allgemeines Wohngebiet ausgewiesen haben. Quelle: pm
Kasseedorf

Stendorf ist ein beschauliches, denkmalgeschütztes Dorf mit 30 Einwohnern. Die Ruhe wird jedoch empfindlich gestört. Zum einen vom Schießstand und zum anderen seit vielen Jahren vom Stamer-Kieswerk gleich nebenan. Der politische Wille, in Stendorf auf den Bebauungsplänen 7 und 14 das Allgemeine Wohngebiet zu verankern, wurde seit 2002 nur halbherzig verfolgt. Nun sollte das Thema endlich mit einer Entscheidung vom Tisch. Unter Top 4 stand der Beschlussvorschlag für B-Plan 7, dort das Allgemeine Wohngebiet zu verankern. Und B-Plan 14 sollte demnächst folgen.

Doch es kam anders. Die SPD wollte mit Sitzungsbeginn im Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr Top 4 von der Tagesordnung streichen. Am Ende der zweistündigen Debatte wurde schließlich mit 6

zu 2 Stimmen beschlossen: Der B-Plan 7 wird in der Gemeindevertretung am 24. Juni (19.30 Uhr) final behandelt. Der Wille aller drei Fraktionen: Dort soll das Allgemeine Wohngebiet endgültig beschlossen werden . . .

Zum Hintergrund: Diplom-Ingenieur Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein hatte vorab der SPD mitgeteilt, man möge den B-Plan 7 von der Tagesordnung streichen, da noch weitere Schritte notwendig seien. Eine Begründung lag nicht vor, noch wurde Nagel zur Sitzung geladen und schließlich erhielten WUB und CDU erst am Abend vor der Sitzung von dieser Information Kenntnis. Der Ärger war programmiert.

Inhaltlich soll der vom Asphaltmischwerk Stamer ausgehende nächtliche Lärm von bis zu 41 Dezibel der Knackpunkt sein. Im Allgemeinen Wohngebiet sollen aber nur 40 Dezibel nachts erlaubt sein. Ausschussvorsitzender Mirko Strunge (SPD): „Hier liegen zwei konkurrierende B-Pläne vor. Wir wissen nicht, ob es rechtlich machbar ist, jetzt B-Plan 7 zu beschließen, wenn dieses ein Dezibel über der Norm liegt. Wir müssen hier eine Lösung finden.“

Hierüber erboste sich Ex-Bürgermeister Lothar Moos: „Peter Stamer hat das verpennt. Jetzt will er den Prozess unterbinden. Irgendjemand spielt hier falsch.“ Auch war im Raum die Aussage zu hören:

„Offensichtlich ist Stamer der bessere Kunde als die Bürger Stendorfs.“

Strunge bemühte sich, die Wogen zu glätten, erklärte: „Es ist der Wille auch der SPD, auf den B-Plänen 7 und 14 ein Allgemeines Wohngebiet zu verankern. Und nichts anderes.“ Man wolle aber keinen bürokratischen Fehler begehen. Hierzu meldete sich Bürger Hilmar Körber aus Stendorf zu Wort: „Ich verstehe das alles nicht. Wenn das Kieswerk 41 Dezibel produziert, aber nur 40 darf, ist dies doch nicht das Problem der Gemeinde. Diesen Planer Nagel würde ich rauswerfen.“

Bürger Hartmut Buhmann richtete folgenden Appell an den Sitzungstisch: „Bitte geben sie uns nicht das Gefühl, Bürger zweiter Klasse zu sein, und beschließen sie den B-Plan 7. Sollten sich rechtliche Nachteile ergeben, die heute gar nicht absehbar sind, kann die Bürgermeisterin binnen 14 Tagen ihr Vetorecht wirksam machen.“ Es folgte ein Antrag von WUB und CDU, doch der Tagesordnung zu folgen und den B-Plan 7 zu beschließen. Abstimmungsergebnis: 4:4. Strunges Arm ging bei den Nein-Stimmen nur zögerlich hoch, dann wollte er auch noch andeuten, dass der Antrag damit durch sei — was er natürlich nicht war. Lothar Moos (WUB) schüttelte den Kopf. Erst, als ihm ein Gläschen Rotwein gereicht wurde, entspannte der Kommunalpolitiker ein wenig.

Nach LN-Informationen herrschte im nichtöffentlichen Teil erneut Chaos. Es ging um eine Auftragsvergabe für Straßenausbesserungsarbeiten. Hier besserte offensichtlich eine Firma ihr Angebot handschriftlich um 2,85 Prozent nach und erhielt erst dadurch den Zuschlag. Der Informant: „Hier wäscht eine Hand die andere.“

Nachtrag: Auf dem Sitzungstisch lag die Forderung Stamers vor, die B-Pläne mit maximal 45 Dezibel zu beschließen. Offensichtlich gibt es dort weitere Pläne.

„Das ist doch wieder nur eine Verzögerungstaktik. Das mache ich nicht mehr mit.“
Lothar Moos (WUB)
„Ich verstehe nicht warum? Wenn der Betrieb zu laut ist, ist es sein Problem.“
Hilmar Körber, Anwohner Stendorf
„Wir alle wollen das Allgemeine Wohngebiet und nichts anderes.“
Mirko Strunge (SPD), Ausschussvorsitz

Peter Mantik

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