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Ostholstein Hobby-Metallsucher findet am Strand verlorenen Ehering
Lokales Ostholstein Hobby-Metallsucher findet am Strand verlorenen Ehering
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09:13 10.07.2015
Das Ehepaar Powalla ist überglücklich. Ein in der Ostsee verloren geglaubter Hochzeitsring war dann doch wieder da. Quelle: Düvel-Veen
Scharbeutz

Ball in die Hand. Kräftig Schwung holen. Hand ausstrecken. Und der Ball fliegt. Doch was ist das? Da bewegt sich noch mehr. André Powalla ahnte gleich Schlimmes. Wenige Sekunden später hatte der 42-Jährige Gewissheit: In Richtung seines Sohnes Elia (10) hatte sich nicht nur der neue grüne Ball, sondern auch noch der goldene Ehering auf den Weg gemacht.

Das wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn dies nicht ausgerechnet in der Ostsee vor Scharbeutz in etwa einem Meter Wassertiefe geschehen wäre. Viele Stunden später konnten Familie Powalla und viele andere sagen: „Ende gut, alles gut”. Und die Urlauber aus Bad Driburg feiern in Zukunft immer im Juli ihren zweiten Hochzeitstag.

Doch der Reihe nach: Vater und Sohn machten sich zunächst alleine auf die Suche nach dem Schmuckstück. Am Strand beobachteten Ehefrau und Mutter Sarah (35) sowie die kleine Ella (2) das geschäftige Treiben. Auch die Freunde, mit denen zusammen sie insgesamt zwölf Tage Urlaub in Scharbeutz machen, kamen ins Wasser und beteiligten sich.

Elia war mit einer Taucherbrille unterwegs, bemerkte aber schnell: „Das Wasser war sehr trüb. Es war nichts zu sehen”. Nach über einer Stunde stellten alle deprimiert fest: „Das macht hier keinen Sinn. Wir finden den Ring nie.”

Auch Strandkorbvermieter Karl-Heinz Levgrün war zunächst keine große Hilfe. Als Powallas baten: „Geben Sie uns bitte Bescheid, wenn der Ring angespült wird?” sagte er mit seinem bekannt trockenen Humor: „Das ist nicht nur unwahrscheinlich, sondern sehr unwahrscheinlich. Wir können uns ja mal in hundert Jahren wiedertreffen.”

In der Hinterhand hatte Levgrün aber die Telefonnummer des Metallsuchers Stefan Seekamp aus Haffkrug. Der 50-jährige Hausmeister betreibt dieses Hobby seit über zwei Jahrzehnten und seit etwa sechs Jahren am Ostseestrand. Er hat dafür die ausdrückliche Genehmigung des Archäologischen Landesamtes, denn: „Strandsuchen in Schleswig-Holstein ist genehmigungspflichtig.”

Seekamp ließ sich die Stelle zeigen, an der der Ring verloren ging, und nahm mit seinem Metallsuchgerät die Spur auf. „Eine Suche macht nur Sinn, wenn sie zeitnah geschieht”, weiß er aus Erfahrung. Ihm hat diese Aufgabe Spaß gemacht, zumal er erfolgreich war.

Später am Abend hatte er den goldenen Ring, und er konnte die unbändige Freude beim Verlierer, bei dessen Familie und bei deren Freunden beobachten. Die Erwachsenen tranken noch ein Bier zusammen, und Finderlohn gab es auch.

André und Sarah Powalla hatten sich tagsüber schon Gedanken über die schmucklose Zukunft gemacht. „Wir lassen aus meinem Ring einfach zwei machen. Mit meinem haben wir uns das Eheversprechen gegeben, und nun teilen wir ihn einfach”, schlug sie vor. Er überlegte: „Ich gehe zum Juwelier und beauftrage ihn, uns einen zweiten Ring zu fertigen.” Eines aber ist gewiss: Schwungvolle Ballspiele in der Ostsee sind für André Powalla ab sofort tabu.