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Ostholstein Sturmflut: Straßen und Häfen in Ostholstein überschwemmt
Lokales Ostholstein Sturmflut: Straßen und Häfen in Ostholstein überschwemmt
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17:59 02.01.2019
Hochwasser in Neustadt: Das Wasser steigt am Mittwoch höher als erwartet. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Ostholstein

Kräftiger Wind drückte Mittwochmorgen immer mehr Wasser in die Lübecker Bucht. Besonders stark waren die Auswirkungen im Raum Neustadt sichtbar. Zunächst wurde der Fußweg zwischen Hafen und Strandbad überspült. Dann lief der Netztrockenplatz vor dem Fischeramt voll. Am Nachmittag musste sogar die angrenzende Straße Schiffbrücke in Höhe Klüvers Brauhaus gesperrt werden. Auf der anderen Seite der Hafenbrücke, wo Binnenwasser und Ostsee aufeinandertreffen, musste der Parkplatz vor dem Pagodenspeicher geräumt werden.

Feuerwehr entfernte Fahrzeuge

Deshalb ließen Feuerwehr und Ordnungsamt der Stadt die Untere Querstraße bereits morgens von Mitarbeitern des Bauhofs sperren. Zudem wurden Anwohner per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, ihre Autos zu entfernen. Die Polizei half, Eigentümer zu ermitteln. „Drei Fahrzeuge mussten wir mit unserer Seilwinde und dem Löschfahrzeug entfernen“, sagte Wehrführer Alexander Wengelewski.

Stundenlang schwappte das Wasser auf Fuß-, Radweg und Straße. Lange sah es so aus, als würden die Sandsäcke, die THW-Kräfte gefüllt hatten, nicht benötigt. Am späten Nachmittag stieg der Pegel jedoch noch einmal an. Mehrere Gebäude am Binnenwasser, wie der historische Pagodenspeicher, sowie am Hafen benötigten nun Schutz. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurden am frühen Abend weitere Säcke gefüllt, um in der Nacht auf etwaige Veränderungen reagieren zu können. Wengelewski sagte, dass es bislang kaum Schäden gebe, einige Stege könnten aber in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Zudem forderte er Bootsbesitzer auf, ihre Schiffe nicht zu betreten, da der Gang über die überspülten Stege zu gefährlich sei.

Erinnerungen an Hochwasser 2017

Jedoch kam Neustadt wohl halbwegs glimpflich davon. Bürgermeister Mirko Spieckermann (parteilos) nannte am Vormittag einen Stand von 6,61 Meter. Das entspricht 1,61 Meter über Normal. Ab dem Mittag ging das Wasser zunächst, stieg dann aber doch wieder – bis auf 6,75 Meter um 16.50 Uhr.

Das Hochwasser kam überraschend. „Das war so nicht angesagt. Die Voraussagen sind hier nicht eingetroffen. Wir haben nicht mit einer Überflutung gerechnet“, betonte Wengelewski. Dennoch habe man schnell reagiert und eine mobile Befehlsstelle direkt am Binnenwasser eingerichtet. Von dort beobachteten die Feuerwehrleute den Wasserstand. Zugleich kamen Erinnerungen an ein Hochwasser im Januar 2017 hoch. Damals betrug der Pegelstand 1,77 über Normal. Es fehlten lediglich drei Zentimeter, bis Teile von Neustadt womöglich hätten evakuiert werden müssen.

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Heiligenhafens Jachthafen überschwemmt

„Der Wind kommt gehässig aus Norden, das ist für uns schon eine Ausnahmesituation“, sagte Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) während er am Mittwoch alle Teile der Stadt begutachtete. Man habe rund 1,60 Meter Hochwasser. Der Wellenschlag sei für die Stadt an der Nordspitze Ostholsteins aber das größere Problem und „tödlich“. Der Jachthafen und Bereiche der Promenade am Steinwarder wurden völlig überschwemmt. Dennoch: „Der Hochwasserschutz hält“, betonte Müller.

Die Bauhofmitarbeiter hatten aufgrund der Vorhersagen bereits am Neujahrsmorgen rechtzeitig mit dem Aufbau der Schutzwände am Fischereihafen begonnen, die Dammbalken am Strand eingebracht und auch die Fluttore des Binnensees hielten die Wassermassen ab. Doch außerhalb der Sicherungsanlagen sei mit erheblichen Schäden zu rechnen, so der Bürgermeister. Erst nach Abzug des Hochwassers könne man genau sagen, wie groß diese seien.

Jachthafen und Promenade in Heiligenhafen werden vom Hochwasser überschwemmt. Quelle: Billhardt

Vom Strand, aber auch vom Grünland auf dem Graswarder war nicht mehr viel zu sehen, den Eigentümern der Weg zu ihren dortigen Häusern teilweise versperrt. Die Werften im Ortsteil Ortmühle standen unter Wasser und auf der anderen Seite der Stadt hinter dem Ferienpark liefen nach einem Deichbruch die Wiesen im Eichholz voll und bedrohten die Bebauung.

Während nicht alle Orte an Ostholsteins Küste von dem Hochwasser so stark betroffenen waren, tobte auch auf der Insel Fehmarn der Wind und peitschte das Wasser aufs Land. Schon vor der Ortschaft Lemkenhafen mussten die Autofahrer umkehren, denn das Hochwasser war so weit über die Hafenkante gestiegen, dass bereits die Königstraße etwa einen halben Meter unter Wasser stand.

Niendorfer Hafen betroffen

In der Gemeinde Timmendorfer Strand seien aufgrund des Pegelstandes von 1,60 Meter über Normalnull die zuständigen Stellen sowie die Polizei in Rufbereitschaft, sagte die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin Sonja Balschun am Mittwochmittag. „Der Niendorfer Hafen ist überschwemmt, alles ist abgesperrt. Doch die Lage ist nicht besorgniserregend“, sagte die Verwaltungsmitarbeiterin. Mithilfe einer App erkundigten sich die Mitarbeiter über die Wasserstände. Gegen 18 Uhr sollte der normale Pegelstand erreicht sein.

Sturm-Schauspiel in Scharbeutz

Heerscharen von Spaziergängern pilgerten am Mittwoch an die Küste, um sich die tosende Ostsee anzusehen. Parkplätze waren Mangelware. Im strahlenden Sonnenschein schäumte die Ostsee vor Scharbeutz. An Strandspaziergänge war aber ohne Gummistiefel nicht zu denken, das Wasser hatte den Strand komplett überspült. Das machte Rüdiger von Hertzberg nichts aus. Als Besatzungsmitglied der „Lisa von Lübeck“ war der Seebär mit Gummistiefeln bestens ausgerüstet. Vor seinem Strandspaziergang in Scharbeutz hatte er noch auf der „Lisa“ nach dem Rechten gesehen. Die Fender mussten kontrolliert werden. Am Abend wollte Hertzberg noch einmal den Wasserstand in Lübeck beobachten.

Hochwasser in Neustadt, Heiligenhafen, Wellen in Scharbeutz

So weit wie er wagte sich kaum jemand an den Strand. Der Weg dorthin war auch versperrt. Die Mitarbeiter des Scharbeutzer Bauhofes hatten bereits am Neujahrstag an die 40 Flutsperren an den Strandzugängen eingesetzt. Die Seebrücke in Scharbeutz war gesperrt worden.

Guten Ausblick aufs aufgewühlte Meer gab es dennoch. Von der Promenade und dem hoch gelegenen Fußweg vor dem Bayside-Hotel aus schauten die Spaziergänger auf die peitschenden Wellen. Viele hielten das Schauspiel mit Selfies und Handyfotos fest.

Überschwemmte Wege in Bad Schwartau

In Bad Schwartau sorgte die Wetterlage lediglich für außergewöhnliche Fotomotive. Bis Mittwochmittag gab es jedoch keine Einsätze, allerdings waren viele Wege im Kurpark und Schwartautal überschwemmt und nicht passierbar.

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