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Ostholstein Höchste Sturmflut seit zehn Jahren
Lokales Ostholstein Höchste Sturmflut seit zehn Jahren
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21:07 05.01.2017
Der Hauptbadestrand auf dem Steinwarder in Heiligenhafen wurde gestern Morgen gegen 8.30 Uhr immer noch von der Ostsee überspült. Quelle: Fotos: Peter Mantik (6)
Heiligenhafen

Der neue Hochwasserschutz in Heiligenhafen hat seine Bewährungsprobe bestanden: Die Schutzmauern hielten der schwersten Sturmflut seit mindestens zehn Jahren stand. Ganz ohne nasse Füße und vollgelaufene Keller kam die Warderstadt dann aber doch nicht davon. Den Sachschaden beziffert Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) auf mindestens eine Million Euro.

Zwischen 20 und 22 Uhr spitzte sich die Lage zu. Regenwasser trat beim Wilhelmsplatz und an der Fischhalle aus der Kanalisation. Die Feuerwehr rückte aus, das Wasser musste die ganze Nacht lang abgepumpt werden. Gleichzeitig rollten die Wellen auf die Küste zu, der Wasserpegel stieg an. Im Yachthafen standen alle Stege unter Wasser, vor der Segelmacherei Oleu wurden Sandsäcke vor dem Eingang platziert.

Diverse TV-Teams waren im Ort. Als gegen 23.20 Uhr in den Tagesthemen Bilder aus der Warderstadt ausgestrahlt wurden, vermeldete parallel Bauamtsleiter Roland Pfündl in Heiligenhafen: „Wir haben einen Höchststand im Hafen von 1,64 Meter über Null.“ Am Hauptbadestrand könne der Wasserstand nicht gemessen werden, doch ist sich Pfündl sicher: „Wir lagen in diesem Bereich knapp über zwei Meter.“ Zum Vergleich: Bei der historischen Sturmflut von 1872 wurde ein Wasserstand von 2,25 Meter in Heiligenhafen gemessen.

Viele Menschen schauten sich das Spektakel im Hafen an. Dort stiegen die Kutter mit dem Wasserpegel. Die Kapitäne mussten dafür Sorge tragen, dass die Kutter nicht gegen die Hochwasserschutzwände drückten. Gegen 23 Uhr stieg das Wasser auf beiden Seiten der Schutzwand, denn die Pumpen kamen nicht mehr gegen das Regenwasser aus der Kanalisation an.

Gut vor dem Wasser geschützt waren die neuen Hotels an der Seebrücke sowie das Marina Strand Resort. Bei der „Bretterbude“ zahlten sich die Hochwasserschutzwände beim tief gelegenen Parkplatz aus.

Das Wasser stand hier 30 Zentimeter hoch an der Wand. Die Ostsee entwickelte derartige Kräfte, dass sie den Strand an der Verbindung Graswarder/Steinwarder beim Marina Strand Resort überspülte und in den Yachthafen lief. Gleiches passierte westlich am Knotenpunkt Strand/Steilküste. Das Heiligenhafener Urgestein Hans-Dieter Steltner sagte am Hafen mit Blick auf den Wasserstand: „Die Stadt kriegt nasse Füße. Der Weg zum Graswarder steht jetzt einen halben Meter unter Wasser.“ Heiligenhafen wurde von Wassermassen eingekesselt. Heiko Müller erklärte am späten Mittwochabend: „Ohne die Hochwasserschutzwände hätten wir jetzt gigantische Probleme.“ Müller war an diesem Abend ein Medienbürgermeister: TV, Radio, Zeitungen – es gab bundesweite Anfragen.

Mit einem besonderen Interesse hielt sich auch Niclas Boldt in dieser denkwürdigen Nacht am Strand auf. Sein Thema ist die geplante Sandgewinnung mit Hilfe des Testbuhnenfeldes. Boldt: „Bei diesen Strömungsverhältnissen kann das Testbuhnenfeld, so wie es angelegt ist, nicht funktionieren.“ Er gehe davon aus, dass der Schaden am Strand immens ausfallen werde. Doch auch gestern Morgen war dieser nicht absehbar, da die See noch über den Sand hinwegströmte. Aber auch Bürgermeister Müller hatte der „Bild“-Zeitung erklärt: „Große Teile des Strandes werden nach der Sturmflut futsch sein.“ Das betrifft auch den dänischen Sand, den die Heiligenhafener Verkehrsbetriebe aufspülen ließen, um ihn dann im Frühjahr verstärkend ans Testbuhnenfeld zu platzieren. Doch dieser, und das war gestern schon zu erkennen, wurde komplett weggespült.

Auch wird die Stadt ermitteln, welche Kosten angefallen sind, wie zum Beispiel für Überstunden des Personals. Der besondere Dank Müllers gilt den vielen Ehrenamtlern wie etwa denen von der Freiwilligen Feuerwehr, die bis zu 13 Stunden im Einsatz waren. Sein Fazit lautet: „Unser Hochwasserschutz funktioniert.“

 Peter Mantik

Grömitz: Angst vor Sandverlust

Die Gemeinde Grömitz ist halbwegs glimpflich davongekommen. Zwar mussten die Seebrücke sowie die Stege im Yachthafen stundenlang gesperrt werden, jedoch war dies lediglich eine Vorsichtsmaßnahme. „Es wurde eine extreme Eisglätte erwartet und die Sicherheit ging vor“, sagte Bürgermeister Mark Burmeister (parteilos) den LN am Tag danach.

Die große Frage ist: Wie viel Sand hat die Ostsee vom Strand fortgerissen? Burmeister fürchtet sich vor der Antwort, betont jedoch, dass sich erst im Frühjahr zeigen werde, wie es wirklich um den Zustand bestellt ist. Bereits jetzt steht fest, dass es einige Schäden an Sanddünen gibt, wobei das genaue Ausmaß ebenfalls noch unklar ist.  

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