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Ostholstein Höchste Zeit: Eutiner Turmuhr wird gereinigt
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19:12 23.01.2020
Martin Stadermann macht sich daran, die Bronzelager auszubauen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Eutin

Überall im Uhrwerk Dreck, Harz und Rost. Höchste Zeit für eine Reinigung der Turmuhr des Eutiner Schlosses. „Dass da Holland in Not ist, war schon im vergangenen Jahr zu erkennen“, sagt Martin Stadermann (61), Uhrmachermeister aus Preetz und geprüfter Restaurator in seinem Handwerk. „Es besteht die Gefahr, dass die Uhr sich festfrisst. Wie ernst die Lage ist, wird man sehen, wenn ich die Lager ’rausgenommen habe“, erklärt er.

Drei Tage Auseinanderbauen, Reinigen, Zusammensetzen

Drei Tage setzt er für die Reinigung der Turmuhr an, die im Jahr 1904 von der heute noch existierenden Firma Eduard Korfhage & Söhne in Melle nahe Osnabrück gebaut wurde. Kosten werde es 2000 Euro, sagt Brigitta Herrmann, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schloss Eutin. In der Vergangenheit seien stets nur Teilreparaturen vorgenommen worden, wenn es nicht mehr anders ging, sagt Uhrmachermeister Stadermann bedauernd. „Für mich als Feinmechaniker wäre es wünschenswert, die Turmuhr ein Mal im Jahr zu warten – so wie ein Handwerker ein Mal im Jahr nach der Heizung schaut.“

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Restaurator bewundert die Präzision alter Uhren

Dabei hat er weniger sein Einkommen im Sinn. Ihn treibt die Liebe zu Turmuhren. „Sie waren schon immer meine Passion“, erklärt er. In seiner Werkstatt in Preetz repariert Martin Stadermann viele historische Uhren: „Armbanduhren, Taschenuhren, Wanduhren, Standuhren. Vor vielen Jahren sind Turmuhren dazugekommen. Sie faszinieren mich einfach. Es ist doch bemerkenswert, wie lang solche alten Uhren – manche jahrhundertealt – präzise arbeiten können.“

Die Teile des Uhrwerks kommen in Ultraschallbad

Damit auch die Turmuhr des Eutiner Schlosses – sie besitzt Zifferblätter in alle vier Himmelsrichtungen – bald wieder reibungslos läuft, baut der Restaurator zunächst die Bronzelager aus. Um an alle heranzukommen, müssen auch 20 Zahnräder und das Gestänge entfernt werden. Bei sich hat Martin Stadermann nicht nur einen Handwerkerkasten mit Zangen, Hämmern und Schraubenziehern, sondern auch ein Ultraschallbad. Zehn bis 15 Minuten kommen die einzelnen Teile hinein, in eine Mischung aus Wasser, einem speziellen Konzentrat zum Reinigen von Getrieben und jeder Menge Salmiak zum Aufhellen von Buntmetallen. Temperatur: 60 bis 80 Grad. Was dann noch anhaftet, wird mit einer kleinen Bürste entfernt.

Auseinanderbauen, reinigen, zusammensetzen und wieder aufziehen – Uhrmachermeister Martin Stadermann pflegt die Eutiner Turmuhr. Staub und Dreck haben dem Uhrwerk zugesetzt.

„Das Aufziehen der Turmuhr ist Knochenarbeit“

Mithilfe eines Kompressors pustet Martin Stadermann die Einzelteile trocken und setzt sie wieder an ihren Platz. Komplizierte Schlussaufgabe: „Alle Räderwerke müssen parallel laufen.“ Und dann kommt noch das Aufziehen der Turmuhr. Zwei bis drei Mal in der Woche übernimmt das sonst Woldemar Hartmann, Hausmeister im Schloss. Für den Fall, dass er im Urlaub ist, ist extra eine Vertretung eingearbeitet worden. „Das Aufziehen ist eine Knochenarbeit. Hinterher ist man durchgeschwitzt“, sagt Martin Stadermann.

Das Uhrwerk – die etwas andere Wohnzimmerdeko

250 Kilo wiegt das Uhrwerk der Eutiner Turmuhr. Es besteht aus Eisenguss, ist mit Bronze abgesetzt und hat einen Unterbau mit geschwungenen Beinen – wie ein antiker Esstisch. „Es gibt Menschen, die in ihrem Wohnzimmer die Uhrwerke von Turmuhren stehen haben“, erzählt der Restaurator. Wie viele von ihnen gehört auch er dem Fachkreis Turmuhren in der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie (DGC) an. In diesem Verein tauschen Uhrmacher, Restauratoren, Konservatoren, Technik- oder Kunsthistoriker, Sammler, Erbauer und Enthusiasten ihre Kenntnisse aus und geben ihr Können weiter.

„Im April treffen wir uns in Freiburg. Es kommen Teilnehmer aus Deutschland, Holland, England und sogar aus den USA. Dann latschen 80 bis 100 Leute durch die Kirchen von Freiburg und sehen sich Turmuhren an.“ Ein Vergnügen, auf das sich Martin Stadermann jetzt schon riesig freut.

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