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Ostholstein Horchturm in Pelzerhaken: Von hier wurde der Osten beobachtet
Lokales Ostholstein Horchturm in Pelzerhaken: Von hier wurde der Osten beobachtet
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10:35 18.08.2018
Die Aussicht aus dem Turm, der 17 Geschosse hat, ist wunderschön. Im Hintergrund ist Rettin zu sehen.
Pelzerhaken

Betreten verboten! Das Gelände ist gut gesichert. Nur wenige Personen haben einen Schlüssel. Die Männer vom Bauhof lagern im Außenbereich Steine und Gitter. Im Erdgeschoss liegen und gammeln Exponate des Museums. Von oben dröhnt das elektronische Summen von den Anlagen eines Telekommunikationsunternehmens. Ansonsten herrscht Stille. Hunderte tote Fliegen liegen auf dem Boden. Die dreifach verglasten Fenster sind geschlossen. „Sie haben keine Griffe, ließen sich nie öffnen, aber stets verdunkeln.“

Der über 80 Meter hohe Betonklotz zwischen Pelzerhaken und Rettin ist Hingucker, Denkmal und ein Stück Geschichte. Der Horchturm war von 1964 bis 1992 Fernmeldeturm, wurde von der Marine und zivilen Einheiten des Bundes genutzt. Ihre Aufgabe: den Feind im Osten beobachten.

Diesen Satz sagt einer, der es wissen muss. Einer, der jahrelang in dem Turm gearbeitet hat. Seinen Namen möchte er nicht in den LN lesen. Er verweist auf Verschwiegenheitspflicht, will keinen Ärger riskieren. Dennoch ist er bereit, von der Zeit zu erzählen, als es darum ging, mithilfe von Messgeräten Radarstrahlen zu entdecken und die Standorte von militärischen Objekten vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Polen zu ermitteln. „Wir haben Luftwaffe und Volksmarine beobachtet. In Rerik gab es einen großen Schießplatz, da war viel los“, sagt der Mann und betont zugleich: „Wir haben hier nur empfangen. Die anderen waren aktiv.“

Für den Rentner ist es eine Zeitreise. Er spricht von seiner fernmeldeelektronischen Ausbildung, davon, wie er mit dem Rad zur Arbeit fuhr, in dem Flachbau neben dem Turm an der dortigen Wache seinen Ausweis abgeben musste. „Das war hier richtig gut gesichert. Da kam keine Fliege ohne Genehmigung rein“, sagt er.

Die Stahltür, hinter welcher der Sicherheitsbereich beginnt, ist noch da. An der Decke hängen die Wappen der ehemaligen Nutzer wie der Marine und der Bundesstelle für Fernmeldetechnik. „Hier wurde im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Wie viele Menschen das genau waren, weiß ich nicht, ich schätze 20 bis 25. Hinzu kommen noch die Führungskräfte, die immer abends Feierabend hatten“, erzählt der ehemalige Mitarbeiter.

Er schaut sich um, zeigt auf eine dicke, schwere Eisentür. Dahinter lagerte die Munition. Heute stehen Dutzende weiße Plastikstühle in dem Raum. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich die Überreste von Kühlanlage und Notstromversorgung. „In den letzten Tagen, das war im September 1992, wurde der Turm demilitarisiert“, sagt der Zeitzeuge. Was nicht mehr zu gebrauchen war, wurde zurückgelassen.

Dazu gehört auch eine Notrutsche vom achten Stock hinunter. In Erinnerung geblieben ist ihm eine Fahrt nach Mecklenburg-Vorpommern. Nur 19 Kilometer Luftlinie entfernt hätten Kräfte der DDR mit russischer Technik ebenfalls versucht, Signale zu empfangen – nur eben aus dem Westen. „Wir sind 14 Tage nach der Wende rüber. Die Technik war veraltet. Die Kollegen wurden von der Bundesrepublik übernommen“, sagt der ehemalige Mitarbeiter, der kurz darauf in den Ruhestand versetzt wurde – ebenso wie der Turm.

Die Zukunft des Denkmals ist ungewiss. Neustadts Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD) betont, dass es derzeit keine potenziellen Investoren gebe, jedoch aus Gründen der „Verkehrssicherungspflicht“ demnächst Handwerker anrücken würden. Pläne gab es indes viele. Sie alle scheiterten, mal an den hohen Umbaukosten, mal an den Auflagen des Naturschutzes. Weder Hotel, noch Falknerei oder Kletteranlage wurden gebaut.

Von Sebastian Rosenkötter

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