Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Fehmarn: Escape Rooms eröffnen in ehemaligem Hotel
Lokales Ostholstein Fehmarn: Escape Rooms eröffnen in ehemaligem Hotel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:53 17.01.2019
Karl Moritz Richter hat das Hotel Escape Fehmarn aufgebaut. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Burg a. F

Er lädt ein zum spannenden Spiel gegen die Zeit: Karl Moritz Richter hat im Herbst 2017 den ersten Escape Room im Kreis Ostholstein eröffnet. Grob gesagt handelt es sich bei diesen Zimmern um Rätsel-Räume. Besucher müssen innerhalb von 60 Minuten Schlüssel finden, Zahlenkombinationen entdecken, Türen öffnen und weitere Aufgaben meistern. Zum Beispiel in der Labor-Suite: Reagenzgläser, ein Zahnarztstuhl, Plastikorgane und allerlei andere Details bilden die Kulisse. Wer lieber in die Zeit des Kalten Krieges mit Stalin und Lenin möchte, kann die Spion-Suite buchen.

Aufgewachsen auf Fehmarn

Karl Moritz Richter begrüßt Besucher stilecht hinter einem alten Empfangstresen. An der Wand hängt ein Schlüsselkasten. Ein Computerbildschirm leuchtet. Es fühlt sich an, als betrete man ein Hotel. So soll es auch sein. Das Gebäude an der Burger Osterstraße hat jahrzehntelang Gäste beherbergt. Zu jedem Zimmer gehört ein Bad. „Das Haus stand sieben oder acht Jahre lang leer“, sagt Richter. Er habe es durch Zufall entdeckt und Anfang 2017 angemietet und renoviert. Dass sich der 27-jährige Student gerade auf Fehmarn selbstständig gemacht hat, ist kein Wunder. Er ist hier aufgewachsen.

Karl Moritz Richter hat das Hotel Escape Fehmarn aufgebaut. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Ebenso wenig überrascht es, dass Karl Moritz Richter sein Geld mit Escape Rooms verdient. Während seines Studiums in Wien (aktuell ist er in Kiel eingeschrieben) – so erzählt er es – habe er in einem Rätsel-Raum gejobbt. „Ich fand das toll. Insbesondere das Zusammenspiel hat mich interessiert. Es entwickeln sich natürliche Kommunikationshierarchien und Problemlösungsstrategien. Auch entsteht ein positives Teamgefühl“, schwärmt er. Die Teilnehmer, die meist eher etwas leiser seien, könnten durch Erfolgserlebnisse positive Selbstbestätigung erfahren. „Für mich ist das nicht nur ein Spiel, für mich ist das ein Erlebnis. Deshalb spreche ich auch von Suiten und nicht von Räumen und vom Foyer und nicht vom Empfang“, erläutert Richter.

Gebraucht gekauft und aufgearbeitet

Ganz bewusst habe er sich dafür entschieden, dass die Räume an das alte verlassene Hotel erinnern. Die einst weißen Wände zieren Botschaften von Spielern. Fast alle Teams haben sich verewigt. Das wirkt zunächst etwas chaotisch, doch können Betrachter sich dem nur schwer entziehen und fast jeder Gast beginnt zu lesen. Auffallend ist auch, mit wie viel Liebe zum Detail Karl Moritz Richter seinen beiden Spielräumlichkeiten gestaltet hat. „Viele Gegenstände habe ich gebraucht gekauft und aufgearbeitet. Ich mache alles selber, bis auf das Buchungssystem und das Logo – das hat ein Kunststudent designt.

Ein Rundgang durch das Hotel gibt einen Einblick in die verschiedenen Räume, in denen Besucher spielen können.

Doch wer besucht einen Escape Room? Karl Moritz Richter sagt: „Vor allem Familien, Freunde, viel Mittelstand. Daran orientiere ich mich auch preislich. Ich will eine niedrige Hemmschwelle haben. Ein Großteil der Leute hat das noch nie gemacht.“ Doch ganz gleich ob Neuling oder Routinier: Der Ablauf ist immer ähnlich. Der Hotelchef begrüßt die Gäste, erklärt einige Hausregeln, gibt der Gruppe ein Walkie-Talkie. Mit diesem kann er im Notfall wertvolle Tipps geben, wenn jemand nicht mehr weiter weiß. Zudem beobachtet Richter das Geschehen an seinem Computerbildschirm. Dort werden Live-Bilder aus den Räumen übertragen. Nach dem einstündigen Spiel, gibt es eine kleine Nachbesprechung und ein Polaroid zur Erinnerung.

Ohne neue Räume hat es sich ausgespielt

Um langfristig erfolgreich zu sein und Besucher anzulocken, muss der Fehmaraner neue Rätsel-Räume entwickeln. „Wenn ein Raum gespielt ist, ist er gespielt. Ein Spieler kommt höchstens ein zweites Mal, um einen Rekord aufzustellen“, sagt Richter. Deshalb arbeitet er auf Hochtouren an einem dritten Raum, welcher noch dieses Jahr eröffnen soll. In diesem wird ein Sarkophag stehen. Zudem ist Nummer vier in Planung. „2020 werde ich den ersten Raum auflösen und neu gestalten“, kündigt er an. Damit der Rätselspaß nie endet.

So werden die Besucher vor Feuer geschützt

Nach dem Brand in einem polnischen Escape Room mit fünf Toten stellt sich die Frage, wie es in puncto Brandschutz hierzulande aussieht: Die Vorschriften sind in Deutschland deutlich strenger. Jeder Raum muss genehmigt werden. Der Fehmaraner Betreiber Karl Moritz Richter erläutert: „Zum einen schreibt das Baurechtsamt klar vor, welche Brandschutzrichtlinien einzuhalten sind. Auch ist sicherzustellen, dass Escape Rooms zu jeder Zeit von den Spielern selbstständig verlassen werden können.“ All das treffe auf seine Räume zu. So gebe es Brandschutztüren und aus jedem Spielraum mehrere Fluchtwege und einen Rauchabzug. Niemand werde eingeschlossen. „Das Einschließen war nie der Punkt eines Escape Rooms, sondern die Rätsel. Entkomme aus dem Labor heißt hier nicht, verlasst den Raum, sondern sucht, spielt, rätselt und folgt dem Spiel“, betont er.

Mehr zum Thema:

Nach Brand in Escape Room in Polen: Türklinke war versteckt

Escape Room-Betreiber in Polen nach Brand festgenommen

Sebastian Rosenkötter

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gemeinsam werden Klassenreisen und andere Ausflüge an die Ostsee finanziert.

17.01.2019

Rauschtrinken bleibt ein Problem: Laut der DAK-Gesundheit mussten zuletzt immer mehr junge Menschen wegen Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus – sogar Kinder.

17.01.2019

Platz fürs Frühjahr: Ostholsteins Kaufhäuser spüren deutlichen Kundenzulauf, wenn stark reduzierte Ware angeboten wird. Warum der Begriff noch ein wichtiges Instrument ist, erklärt der Handelsverband.

18.01.2019