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Ostholstein Gelbe Felder ade: Bauern wollen in Ostholstein weniger Raps anbauen
Lokales Ostholstein Gelbe Felder ade: Bauern wollen in Ostholstein weniger Raps anbauen
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19:59 30.09.2019
Touristen und Einheimische: lieben die leuchtend gelben Felder. Müssen sie auf diesen Anblick in Zukunft verzichten? Quelle: Stephan/LN-Archiv
Lensahn

Gehören leuchtend-gelbe Rapsfelder, die Jahr für Jahr Touristen und Einheimische begeistern, bald der Vergangenheit an? Es sieht danach aus. Denn auch Ostholsteins Landwirte müssen mit spitzem Stift rechnen und immer mehr kommen zu dem Ergebnis: Der Rapsanbau lohnt nicht mehr. Der Grund: Die Kosten fressen die Erträge komplett auf.

Landwirte suchen Alternativen zum Raps

Ende September, Anfang Oktober wird überall im Kreis das Erntedankfest gefeiert. Die Kirchen haben sich fein herausgeputzt, bunte Erntemärkte bieten Regionales an, die Arbeit auf den Feldern ist nahezu erledigt. Nur noch der Mais, dann ist die Ernte 2019 komplett unter Dach und Fach.

„Was die Mengen betrifft, freuen sich die Landwirte über eine gute, leicht über dem Durchschnitt liegende Ernte“, sagt Holger Schädlich, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes in Lensahn. „Vergangenes Jahr war katastrophal, in diesem Jahr sind aber alle doch zufrieden.“ Einzig der Raps enttäuschte erneut und bereitet den Bauern zunehmend Kopfzerbrechen.

Landwirte suchen Alternativen zum Raps

„Seit drei bis vier Jahren sinken die Erträge, 2018 kam die extreme Trockenheit hinzu, 2017 war es die Nässe auf den Feldern“, sagt Schädlich. „Die Landwirte werden mittelfristig den Raps aus der Fruchtfolge herausnehmen und sich Alternativen suchen.“ Auf Ostholsteins Feldern getestet werden bereits Bohnen und Roggen, ebenfalls gibt es Versuche mit Soja und Spinat.

Die Düngeverordnung sei laut Schädlich ein Grund für den Ertragsrückgang beim Winterraps: Konnten vor zehn Jahren noch 50 Doppelzentner (100 Kilogramm) pro Hektar geerntet werden, seien es heute gerade noch 40 Doppelzentner. Die Kosten für den Anbau, eventuell fällige Pachtgebühren und geringere Erträge – all das macht Raps zunehmend uninteressant, geradezu unwirtschaftlich.

Halbierung binnen sechs bis zehn Jahren

Noch zwei weitere Zahlen: Wurde 2016 noch auf 20 000 Hektar Raps angebaut, stand er in diesem Jahr gerade mal noch auf 15 000 Hektar. Schädlich: „Bald werden wir Raps hier in Ostholstein nur noch auf 10 000 Hektar haben.“ Eine Halbierung binnen sechs bis zehn Jahren.

Ganz anders sieht es dagegen bei den Getreidesorten aus: Die Wintergerste liegt laut Schädlich über dem Durchschnitt, der Winterweizen liegen ebenfalls leicht über dem Durchschnitt und „der erste Grasschnitt war gut, auch der Mais sieht gut aus“.

Bei den Weltmarkt-Preisen hapert es

Während die Mengen durchweg gut sind, hapert es aber bei den Preisen. Hauptabnehmer sind Marokko und Ägypten, ein Teil geht auch nach China. Die Länder geben ihre Bestellungen auf dem Weltmarkt auf, Getreidegroßhändler wie der LEV Oldenburg geben Gebote ab. Bekommt er den Zuschlag, bringen Lkw den Weizen zur Verschiffung nach Hamburg.

Mit festen Kontrakten auf der Gewinnerseite

„Ein Grund für die schlechten Preise ist auch hier die Düngeverordnung. Unser Proteingehalt ist beim Brotweizen (Exportweizen) zu niedrig“, beklagt Schädlich. Künftig werde es eventuell nur noch Futterweizen geben. „Frohlocken können derzeit die Landwirte, die vor der Ernte feste Verträge abgeschlossen haben.“ Denn die Preise für den Winterweizen seien von 2018 auf 2019 um 22 Prozent eingebrochen, bei der Wintergerste sogar um 30 Prozent. Es ist wie bei einer Lotterie: Wer sich frühzeitig einen akzeptablen Preis sichert, wird von der Marktentwicklung nicht enttäuscht.

Landwirtschaft in Zahlen

Der Kreis Ostholstein ist stark landwirtschaftlich geprägt: Rund 90 000 Hektar sind rein landwirtschaftlich genutzte Flächen. Als Ackerland weist die jüngste statistische Erhebung (Stand August 2019) derzeit 77 000 Hektar aus, Grünland mit 12 000 Hektar. Es gibt 729 landwirtschaftliche Betriebe (mit mehr als 5 Hektar) – allerdings sind in dieser Zahl auch viele Reitsportbetriebe enthalten, die nur Weideflächen haben. Winterraps wird noch auf 15 000 Hektar angebaut, Wintergerste auf 11 700 Hektar, Roggen auf nur 250 Hektar, da es in Ostholstein nur wenige sandige Böden gibt. Winterweizen ist nach wie vor die Hauptfrucht der Landwirte: Er wird auf 34 200 Hektar angebaut.

Von Louis Gäbler

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