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Ostholstein In Eutin fehlen Sozialwohnungen
Lokales Ostholstein In Eutin fehlen Sozialwohnungen
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09:59 07.11.2019
Die Häuser am Quietschenbarg wurden 1996 fertiggestellt. Alle 60 Wohnungen wurden als Sozialwohnungen vermietet. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Wer auf Wohnungssuche ist, muss häufig Geduld aufbringen, bis das Passende gefunden ist. Wer einkommensschwach ist, Grundsicherung oder Sozialhilfe erhält, hat es noch deutlich schwerer: In Eutin fehlt – wie in vielen anderen Kommunen auch – sozialer Wohnungsraum. Christoph Horst-Paaschburg, seit 33 Jahren Sozialarbeiter bei der Eutiner Verwaltung, verdeutlichte im Sozialausschuss die mehr als angespannte Lage seiner Klienten. Er plädierte dafür, dass die Stadt selbst sozialen Wohnungsbau betreiben solle. Neustadt macht es gerade vor: Heute ist Richtfest für den Bau von 30 barrierearmen/barrierefreien, öffentlich geförderten Wohnungen in der Oldenburger Straße.

Nur bei 103 Wohnungen kann Eutin bei der Vergabe mitreden

„Es gibt derzeit 103 Wohnungen, für die die Stadt ein Belegungs- oder Vorschlagsrecht hat. Das ist nicht viel“, sagte er. Nur neun dieser Wohnungen sind für Einzelpersonen vorgesehen: „Dabei gibt es hier den größten Bedarf, dann folgen Großfamilien“, erläuterte Horst-Paaschburg. Spitzenreiter unter kinderreichen Familien ist eine mit 15 Kindern, die allerdings untergebracht ist. 34 Wohnungen, die die Stadt belegen darf, sind zwei bis vier Personen vorbehalten. Weitere 60 Wohnungen mit Belegungsrecht sind für zwei bis fünf Personen gedacht.

Gebaut mit öffentlichen Fördermitteln

Eine Sozialwohnung– Voraussetzung ist ein Wohnberechtigungsschein – ist eine Wohnung, die mit öffentlichen Fördergeldern gebaut wurde. Ziel ist es, erschwinglichen Wohnraum für Menschen mit geringerem Einkommen zu schaffen.

Kein Belegungsrecht für die Stadt beim Semmelhaack-Komplex

Das Unternehmen Semmelhaack habe in den Jahren 2011/2012 den „Wohnpark am Kleinen Eutiner See“ an der Hospitalstraße mit 250 Wohnungen errichtet. 60 davon seien Sozialwohnungen, berichtete der Sozialarbeiter, jedoch könne die Stadt bei der Vergabe nicht mitreden. Er könne nicht sagen, welche Anzahl von Wohnungen benötigt würde, um die Lage in Eutin zu entspannen, sagte er, verdeutlichte den Engpass aber andersherum: „In den vergangenen 15 Jahren haben wir 190 Sozialwohnungen verloren, weil die Bindung ausgelaufen ist und sie teurer geworden sind. Von diesen Wohnungen waren 100 für einzelne Personen.“ 420 Euro warm dürfe eine Ein-Zimmer-Sozialwohnung kosten, erläuterte Christoph Horst-Paaschburg.

Christoph Horst-Paaschburg ist seit 33 Jahren Sozialarbeiter der Stadt Eutin. Quelle: Ulrike Benthien

Er erinnerte die Fraktionen daran, dass das Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) vor sieben Jahren bereits den großen Bedarf an Wohnungen für Einzelpersonen aufgezeigt habe. „Und dann hatten wir 2015 die Flüchtlingswelle.“ In ihrem Zuge erreichten viele junge alleinstehende Männer die Stadt, auch große Familien kamen. Horst-Paaschburg sprach im Sozialausschuss von mehr als 200 Menschen, die keine eigene Wohnung hätten: Es sind Flüchtlinge oder Obdachlose. Sie sind größtenteils in städtischen Liegenschaften wie dem Katasteramt, am Lindenbruchredder oder dem angemieteten Redderkrug untergebracht.

Sozialbindung am Quietschenbarg läuft noch neun bis elf Jahre

Das letzte große Bauprojekt für reine Sozialwohnungen sei 1996 am Quietschenbarg fertiggestellt worden, berichtete der Sozialarbeiter im Ausschuss. „Zu der Zeit hatten wir ebenfalls eklatante Wohnungsnot wegen zahlreicher Aus- und Übersiedler“, sagte er. Ein privater Investor habe die 60 Wohnungen in zwei Blöcken damals errichten lassen – ihm gehöre heute noch die Hälfte der Wohnungen, die andere Hälfte habe Anfang 2019 die Wankendorfer Baugenossenschaft übernommen. „Die Sozialbindung für die Wohnungen in Privatbesitz läuft 2028 aus, die für die von der Wankendorfer verwalteten im Jahr 2030.“

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Im Büro von Christoph Horst-Paaschburg sitzen pro Woche „sieben, acht Menschen, die eine Einzelwohnung suchen. Aber ich bin oft ein hilfloser Helfer, weil einfach zu wenig Wohnraum vorhanden ist“, sagte er. Was er bei der Erschließung neuer Wohngebiete raten würde, wurde aus dem Ausschuss heraus gefragt. „Keine Konzentration von Sozialwohnungen auf einem Areal. Am Quietschenbarg war das nicht ohne“, sagte er.

Auf die Mischung in neuen Wohngebieten achten

Den Hinweis, gerade mit Blick auf ein neues Wohnareal am Meinsdorfer Weg nahmen Verwaltung und Kommunalpolitik auf. „Wenn wir Gebiete ausweisen, müssen wir auf die Mischung achten. Und nur, wenn wir selbst ausweisen, dann haben wir auch den Daumen drauf“, sagte Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos). Wohnungsbaugesellschaften – in Eutin sind neben der Wankendorfer die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Eutin sowie die Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein vertreten – liebäugelten mit Innenstadtbereichen, so der Bürgermeister. „Sie haben die wirtschaftliche Brille auf, wollen in A-, B- oder C-Lagen investieren. Und wenn die Stadt kein Belegungsrecht hat, sehen sich die Gesellschaften ihre Mieter schon genauer an.“

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Von Ulrike Benthien

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