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Ostholstein Für Schönwalde geplanter Bestattungswald ärgert die Kirche
Lokales Ostholstein Für Schönwalde geplanter Bestattungswald ärgert die Kirche
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11:53 23.05.2019
Die Herzoglich Oldenburgische Verwaltung möchte einen Friedwald einrichten. Platz scheint ausreichend vorhanden. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Schönwalde

Bestattungen außerhalb von Friedhöfen sind längst keine Seltenheit mehr. Biologisch abbaubare Urnen werden in der Ostsee und im Boden von Wäldern versenkt. Allein in Ostholstein gibt es derzeit drei Bestattungswälder, auch bekannt als Friedwald oder Ruheforst. Erst im vergangenen Jahr wurde eine entsprechende Fläche in der Gemeinde Wangels in Betrieb genommen. Bald könnte eine weitere folgen: Die Herzoglich Oldenburgische Verwaltung möchte im Wald Buchholz bei Schönwalde entsprechende Bestattungen ermöglichen.

In den vergangenen Tagen gab es vom Ausschuss für Soziales, Jugend und Kultur der Gemeinde Schönwalde ein erstes positives Votum. Der Vorsitzende Florian Albrecht (CDU) teilte mit, dass sich bis auf ein Mitglied alle für die Einrichtung ausgesprochen hätten. „Das ein oder andere tangiert den Glauben, aber es wurde sich dafür ausgesprochen, weil die Mehrheit sagt, es wäre eine Bereicherung und Belebung“, sagt Albrecht. Zu beachten ist, dass die Gemeindevertretung die endgültige Entscheidung treffen muss. Die nächste Sitzung ist am 24. Juni.

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Kirche warnt vor wirtschaftlichen Folgen

Kritik gab es vorab vor allem von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde im Ort. Pastor Dr. Arnd Heling erläutert ausführlich, warum die Gemeinde sich gegen den Bestattungswald aussprechen sollte. Unter anderem sei der Friedhof der Kirche groß genug. Das Geschäft mit dem Tod sei zunehmend schwieriger, da sich immer mehr Menschen gegen eine Sargbestattung entscheiden würden. Zudem gebe es aufgrund der vorhandenen Friedwälder im Kreis bereits ein Überangebot. Außer in Wangels befinden sich Flächen in Brodau (Gemeinde Schashagen) sowie in Malente.

Herzogin begründet Wunsch nach Friedwald

Caroline Herzogin von Oldenburg indes hat bereits zu Jahresbeginn mitgeteilt, dass sie Menschen eine Möglichkeit geben wolle, einen Beerdigungsplatz in der freien Natur zu finden – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Dies geht aus den Sitzungsvorlagen hervor. Sie hebt den natürlichen Charakter hervor, betont, dass die Natur die Grabpflege übernehme und somit geringere Kosten entstünden. Die Größe des geplanten Waldfriedhofs zwischen Schönwalde und Bergfeld bezifferte sie auf etwa 81 Hektar. Weiter wird betont, dass für die Gemeinde anfallende Investitionskosten übernommen würden. Lediglich müssten die Genehmigung des Friedhofs und der Erlass der Friedhofsordnung übernommen werden.

Mountainbike-Strecke am Bungsberg

Die seit Monaten diskutierte Einrichtung einer Mountainbike-Strecke auf dem Bungsberg verzögert sich weiter. Die angedachte Trasse wurde von der Unteren Naturschutzbehörde abgelehnt. Stattdessen wird die Nutzung der bereits vorhandenen Wege und Trampelpfade empfohlen, was der Ausschuss für Soziales, Jugend und Kultur ablehnt. Nun soll mit Hilfe eines Experten eine Alternative für das Vorhaben ausgearbeitet werden – vor dem Hintergrund, mögliche Beeinträchtigungen zu minimieren. Deshalb hat sich der Ausschuss dafür ausgesprochen, 3000 Euro bereitzustellen.

Hintergründe zur Mountainbike-Strecke
gibt es hier.

Arnd Heling hält dagegen. „Der Schönwalder Friedhof ist zwar in kirchlicher Trägerschaft, steht jedoch allen Menschen, auch ohne konfessionelle Bindung wie auch Angehörigen anderer Religionen, offen. Es bestehen keinerlei Zwänge, Grabstätten mit christlicher Symbolik auszustatten.“ Gerade erst sei ein neues, anonymes Gräberfeld errichtet worden. Ein weiteres Urnengemeinschaftsfeld befinde sich in Arbeit. Der Pastor macht deutlich, dass das Vorhalten eines Friedhofs eine kommunale Aufgabe sei, die lediglich an die Kirche abgegeben wurde. „Sollten Kirchengemeinden nicht mehr in der Lage sein, diese Aufgabe für das Gemeinwohl zu übernehmen, kann diese Aufgabe auch an die Kommunen zurückgegeben werden“, betont er.

Sebastian Rosenkötter