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Ostholstein In der Holsteinischen Schweiz beginnt die Weinlese
Lokales Ostholstein In der Holsteinischen Schweiz beginnt die Weinlese
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08:02 24.09.2019
Schnipp,schnapp und ab: Melanie Engel freut sich über gut ausgereifte Trauben, die an den Rebstöcken ihres Weinbergs bei Malkwitz hängen und bereits gelesen werden können. Quelle: Dirk Schneider
Malente-Malkwitz

Reife und pralle Weintrauben leuchten gelbgrün und rubinrot in der Sonne. Ein Blick durch das Refraktometer bestätigt die erste Geschmacksprobe. Die Früchte sind zuckersüß. „85 Grad Öchsle und mehr“, misst Melanie Engel das Mostgewicht. „Das sind gute Voraussetzungen für einen guten Wein.“ Die Weinlese auf Gut Ingenhof in Malente-Malkwitz hat begonnen.

Das Zwischenergebnis der ersten Tage habe sie positiv überrascht, sagt Engel. „Auch wenn die Witterungsbedingungen in diesem Jahr durch den späten Frost im Frühjahr nicht optimal waren und die Erträge dadurch etwas dezimiert sind, ist die Qualität der Trauben hervorragend“, erklärt die Ingenhof-Eigentümerin. Insbesondere aufgrund des sonnigen Sommers und bester Reifebedingungen verspreche sich das Winzerteam sehr aromatische Weine. Von der Menge her rechne man mit einem guten Ertrag von etwa 4000 Litern Rebsaft je Hektar. Mit diesem Durchschnittswert, den man langfristig anpeile, liege man im Vergleich genau zwischen dem Rekordsommer 2018 mit 6000 Litern und dem Regensommer 2017 mit 2000 Litern je Hektar.

Regen verwässert das Aroma

Für die kommenden Tage hoffen Melanie Engel und der Betriebsleiter Karsten Wulf noch auf einige trockene Tage. So würden die Trauben möglichst nicht feucht oder gar nass und schon gar nicht bei Niederschlag gesammelt. „Regen verwässert das feine Aroma“, so Engel. Frischer Wind sorge hingegen für ein trockenes Mikroklima. Für den Rotwein wünsche sie sich zudem noch ein paar Sonnenstrahlen. „Jeder Tag treibt den Öchslewert um einen Grad nach oben, in fünf bis zehn Tagen wäre der Wert optimal.“

Die meisten Weißweintrauben, die an den Malkwitzer Rebstöcken hängen, haben diesen Reifegrad bereits erreicht. Ein Grund: Bei der Auswahl der Sorten, die zwischen 2009 und 2011 gepflanzt wurden, handelt es sich um junge Züchtungen die speziell auf die klimatischen Bedingungen nördlicher Breiten angepasst wurden. „Ein Riesling aus Schleswig-Holstein würde anders schmecken und immer mit Weinen aus der Pfalz oder von der Mosel verglichen werden“, vermutet Engel. Allein die Tatsache, dass bestimmte Erwartungshaltung nicht erfüllt werden könnten, habe sie auf andere Sorten setzen lassen. „Wir entwickeln mit neuen Sorten ein eigenes Profil.“

Sören Hansen rackelt die frisch gelesenen Weintrauben zum Entrappen in einen besonderen Häcksler. Quelle: Dirk Schneider

Dazu zählen der fruchtige Solaris und der frisch-kräftige Muscaris. Beides seien Weiterentwicklungen bekannter und beliebter Klassiker; die Verwandtschaft müsse der Genießer bei einer Verkostung aber selbst herausfinden, sagt Engel. Im roten Bereich geht das Rätselraten nicht ganz so weit. So liege der Cabernet Cortis zwischen Sauvignon und Burgunder, während der kräftige Regent für sich selber stehe. Ab dem kommenden Jahr kommen noch Cabernet Cantor, Sauvignier gris und Sauvitage hinzu, die auf neuen Flächen angepflanzt wurden.

Neuer Weinberg dank EU-Kontigent

Denn zusammen mit den Rebstöcken wächst und gedeiht auch Schleswig-Holsteins größtes Weinanbaugebiet. „Wir konnten unseren Weinberg von den anfänglichen drei Hektar seit dem vergangenen Jahr auf 7,8 Hektar Anbaufläche erweitern“, erzählt Melanie Engel. Möglich wurde dies durch neue Rebanbaurechte für 4,8 Hektar, die von der EU vergeben wurden. Bereits 2020 sollen auch an den neu bepflanzten Südhängen die ersten Trauben gelesen und auf dem Hof in Wein verwandelt werden. Die Rebrechte für die „alte“ Fläche hatte Rheinland-Pfalz im Jahr 2009 an Schleswig-Holstein abgetreten.

Karsten Wulf kippt die von Reben und Stilen befreiten Trauben in die hydraulische Presse. Quelle: Dirk Schneider

Kaum geerntet, werden die Weintrauben aus den Kiepen und Kisten in einen speziellen Häcksler zum Entrappen gefüllt. Die angeschlagenen Trauben landen dann ohne Stiele und Stängel in einem Bottich. Nach kurzer Ruhephase füllen Karsten Wulf und seine Mitarbeiter die Masse in die Saftpresse, aus der Most durch feine Siebe in eine Wanne tropft. Die Flüssigkeit wird dann in spezielle Gärtanks abgepumpt, ein weiteres Mal mechanisch geklärt und mit Hefe versetzt. Nach 10- bis 14-tägiger Gärung beginne dann der Reifeprozess, erzählen Engel und Wulf, ohne allzu sehr in die Details gehen zu wollen.

Abfüllung beginnt im Advent

Wertvolle Tipps und Tricks für die Weinmacherei erhielten sie dabei von befreundeten Winzern, die das Projekt Ostholsteiner Wein aktiv unterstützen würden. Ab Weihnachten bis in das Frühjahr hinein könnten die edlen Tropfen dann in Flaschen abgefüllt werden. „Das ist schon irgendwie eine schöne Bescherung“, freut sich Melanie Engel schon jetzt auf die Adventszeit. Und bis dahin könne man sich die Wartezeit ja mit einem Wein der vergangen Jahrgänge verkürzen.

Auf dem Ingenhof werden die Trauben gekeltert

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Von Dirk Schneider

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