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Ostholstein Ingo Wagner will den Malenter Bürgerbus ins Rollen bringen
Lokales Ostholstein Ingo Wagner will den Malenter Bürgerbus ins Rollen bringen
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20:37 16.07.2014
Ingo Wagner und seine Mitstreiter wollen die Idee des Bürgerbusses für Malente realisieren. Er zeigt das Bild eines Bürgerbusses, den er in Nordrhein-Westfalen gefahren ist. Quelle: Fotos: Jabs/hfr (2)
Malente

Auf dem Land rund um Malente lebt es sich schön, und wer etwas zu besorgen hat, fährt in den Ort. Wer kein Auto hat, nutzt dafür den Bus. Genau an diesem Punkt aber beginnen für viele Bewohner in den Dorfschaften und in weniger zentral gelegenen Wohngebieten die Probleme.

„Derzeit fahren die Busse vorwiegend in den Hauptstoßzeiten des Schulverkehrs, und das passt nicht immer“, erklärt Ingo Wagner. Sein Lösungsvorschlag: ein Bürgerbus, der in Ergänzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) regelmäßig abgelegene Dörfer und Siedlungen ansteuert und die Menschen zum Einkaufen, für Arztbesuche oder Behördengänge zu den entsprechenden Geschäftszeiten in das Zentrum bringt. „Wir wollen Lücken sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht ausgleichen und verstehen uns dabei nicht als Konkurrenz zum ÖPNV“, sagt Wagner.

Der 61-Jährige weiß, wovon er redet. Seit 2009 lebt er in Malente, vorher hat er in Nordrhein-Westfalen gewohnt, und dort gebe es 150 Bürgerbusvereine. Wagner selbst hat in der Gemeinde Nottuln im Münsterland hinter dem Steuer eines solchen Niederflurbusses mit Platz für acht Fahrgäste gesessen. Aus persönlicher Verbundenheit — Wagners Mutter stammt aus Malente, und er hat seine Kindheit dort verbracht — ist er als Pensionär nach Ostholstein gezogen.

Und weil Nichtstun nicht seine Sache ist, hat er drei Jahre lang „Essen auf Rädern“ ausgefahren. Während dieser Zeit sei häufig der Wunsch nach einer besseren Anbindung an ihn herangetragen worden, erzählt er. Oft seien die Bürger für ihren Weg auf Taxis angewiesen, der Fahrpreis aber werde nur erstattet, wenn eine entsprechende Einstufung durch die Krankenkasse vorliege.

Lange hat Ingo Wagner die Idee eines Malenter Bürgerbusses mit sich herumgetragen, bevor er sie anlässlich der Malenter Klimakonferenz am 20. August 2013, auf der in verschiedenen Arbeitsgruppen themenbezogene Ziele für die Gemeinde festgeschrieben wurden, konkret formuliert und als Projekt in Angriff genommen hat. Wagner, der für die Grünen in der Gemeindevertretung sitzt, hat die notwendigen Schritte zusammengestellt und das Vorhaben Bürgerbus vor den politischen Gremien präsentiert. Parteiübergreifend und auch aus den Dorfvorständen wurde ihm Unterstützung signalisiert.

Am 14. Juni hat sich der Verein Bürgerbus Malente e. V. gegründet, der nun in das Vereinsregister aufgenommen werden soll. Derzeit wird ein öffentlicher Auftritt in Form von Logo und Internetseite erarbeitet. Für den Betrieb ist es notwendig, ein regionales Busunternehmen des ÖPNV als Konzessionsgeber zu gewinnen. Dazu kommt die Finanzierung des Fahrzeuges. Die Kosten dafür lägen zwischen 90 000 und 100 000 Euro, sagt Wagner. „Wir werden uns um Fördergelder von Kreis und Land und von der Aktiv-Region bemühen. Außerdem hoffen wir auf Sponsoren und Spender.“ Natürlich ist auch jedes Vereinsmitglied willkommen, der Jahresbeitrag beträgt für Einzelpersonen 18 Euro und für Paare 30 Euro.

Für einen Erfahrungsaustausch hat Ingo Wagner Kontakt zum Fehmaraner Bürgerbus aufgenommen, der seit 1998 erfolgreich unterwegs ist. Insgesamt sind Bürgerbusse in Schleswig-Holstein selten. Zwei existieren im Kreis Segeberg, und erst am 14. Juli ist ein weiterer in Ladelund (Kreis Nordfriesland) an den Start gegangen.

Wagner rechnet mit neun bis zwölf Monaten intensiver Arbeit, ehe ein Bürgerbus durch die Gemeinde fahren wird. Seine Motivation formuliert er deutlich: „Als Politiker und Bürger von Malente will ich dieses Ding anpacken und bis zum Ende durchziehen — und zwar möglichst zügig.“ In etwa zwei Monaten wird der Verein Bürgerbus Malente das Projekt ausführlich im Rahmen einer Bürgerversammlung vorstellen.

Ehrenamtliche Fahrer
Die Fahrer der Bürgerbusse sind ehrenamtlich tätig. Um einen Bus zu steuern, muss man mindestens 21 Jahre alt und im Besitz eines Führerscheines der Klasse B beziehungsweise 3 sein.
Bedingung sind nachweislich zwei Jahre Fahrpraxis, außerdem erfolgt eine ärztliche Untersuchung. Für den Betrieb des Bürgerbusses wird ein Dienstplan ausgearbeitet. Ingo Wagner hat bereits zehn verbindliche Zusagen von künftigen Fahrern. Kontakt zum Bürgerbusverein unter: info@buergerbus-malente.de.

Astrid Jabs

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