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Ostholstein Initiative kämpft verstärkt für Tempo 30 in ganz Timmendorf
Lokales Ostholstein Initiative kämpft verstärkt für Tempo 30 in ganz Timmendorf
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11:08 26.11.2013
Die Bergstraße in Timmendorfer Strand, Kreuzungsbereich Wohldstraße: Im Zuge der — teilweise umstrittenen — Sanierung wurde dort die Verkehrsführung geändert — die jetzt „abknickende“ Vorfahrt soll die Autos direkt zum ETC-Parkplatz lenken. Quelle: Fotos: S. Latzel
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Timmendorfer Strand

Tempo 30 überall, mehr Kontrollen, weniger Lärm und weniger Abgase: Die im Frühjahr 2012 gegründete Bürgerinitiative (BI) „Verkehrsberuhigung Timmendorfer Strand“ will im kommenden Jahr zumindest einen Teil ihrer Ziele umsetzen. „Wir haben einen Forderungskatalog, und wir wollen Ergebnisse erreichen“, kündigt Rechtsanwalt Jens Michow an.

Der Vorsitzende der BI schließt auch ein Bürgerbegehren nicht aus.

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Michow wohnt an der Bergstraße, zwischen Wohldstraße und B 76: „Da werden Sie frühmorgens von dem Krach von Kehrmaschinen oder Lkws aus dem Bett geholt.“ In den engen Kurven in den Kreuzungsbereichen Wohldstraße/Lübecker Straße könnten die Busse nicht richtig einbiegen, und auf der Ausfallstraße seien viele Autos viel zu schnell unterwegs.

Eine der Hauptforderungen der Initiative, die nach Angaben von Michow derzeit 70 Mitglieder hat, besteht in der Einführung eines Tempo-30-Limits im ganzen Ort. „Man kann nicht immer nur sagen: Nein, das geht nicht — so kommt man doch nicht voran“, findet Michow. „Würde es denn dem Tourismus schaden, wenn der Ort ruhiger wird?“ Derzeit würden außerdem nicht einmal bestehende Tempo-50-Regelungen eingehalten, „gerade nachts und am frühen Morgen sind Verkehrsteilnehmer teilweise mit über 100 km/h unterwegs“. Die Strandallee sei zu einer „Rennstrecke“ geworden. Die Gemeinde solle deshalb Behörden und Polizei zu mehr Kontrollen anhalten, das betreffe auch das nächtliche Durchfahrtsverbot für Motorräder in der Saison: „Daran hält sich keiner.“

Michow ärgert sich darüber, dass „laute und umweltbelastende Dieselbusse“ statt geräuscharmer und umweltschonender Fahrzeuge im Linienverkehr eingesetzt würden. Er spricht sich dafür aus, bei Reparaturen und Erneuerungen von Straßen schalldämmenden, großporigen Asphalt zu verwenden. „Das ist sicher nicht preiswert“, so Michow, „aber es geht ja auch um die Gesundheit der Bürger.“ Deshalb solle die Gemeindeverwaltung auch ein Lärmkastaster erstellen. Insgesamt zeigt sich Michow durchaus optimistisch: „Ich bin nach ersten Gesprächen mit Mitgliedern des nach der Wahl neu formierten Verkehrsausschusses guter Hoffnung, dass man die vorhandenen Defizite dort erkannt und bereits eine Reihe unserer Forderungen aufgegriffen hat.“

Das Thema Verkehrsberuhigung werde den Ausschuss „noch öfter“ beschäftigen, sagt dazu Kay Kastner (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und Brandschutz. Er glaube aber nicht, dass ein Tempo-30-Limit für den gesamten Ort Akzeptanz finden würde. „Für das Ortszentrum ist das aber vorstellbar“, so Kastner. „Im Zusammenhang mit der Verkehrsplanung fürs Zentrum müssen wir außerdem überlegen, ob und wie wir die Verkehrsströme anders leiten.“ Regelrechte „Rennstrecken“ gebe es im Ort seiner Einschätzung nach nicht, sagt Kastner, der in seinem Beruf als Polizist in Lübeck unter anderem auch mit Verkehrsüberwachung betraut ist. „Für den öffentlichen Nahverkehr, also auch für die Busse, ist der Kreis zuständig“, erklärt er. Ein Lärmminderungsplan existiere derzeit nur für die B 76, „da müsste man sehen, wie der erweitert werden könnte“.

Michow will jedenfalls nicht locker lassen. „Nur durch permanenten Druck ist jemand dazu zu bewegen, über Neuerungen nachzudenken“, ist er überzeugt. Für Anfang 2014 kündigt er eine öffentliche Veranstaltung zum Thema an. „Wir müssen aber auch darüber nachdenken, ob ein Bürgerbegehren eine geeignete Maßnahme ist“, sagt er — für den Fall, dass den Erwartungen der BI mit Argumenten wie „geht nicht“ oder „hatten wir schon und haben wir wieder abgeschafft“ begegnet werde. Wer sich für die Initiative interessiert, kann per E-Mail an die Adresse michow@t-online.de mit dem Vorsitzenden Kontakt aufnehmen.

Sabine Latzel