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Ostholstein Integration im Sport: Ein kleiner Verein macht es vor
Lokales Ostholstein Integration im Sport: Ein kleiner Verein macht es vor
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16:19 18.03.2019
Die Liebe zum Fußballsport eint sie: 50 Flüchtlinge spielen beim Heringsdorf Fußball. Die Integrationsarbeit stößt aber auch an Grenzen. Quelle: Billhardt
Heringsdorf

 Vor drei Jahren hat der kleine Fußballverein SV Heringsdorf mit der Integrationsarbeit begonnen. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Flüchtlinge auf den Verein aufmerksam geworden. Mittlerweile sind sogar ein Drittel der Mitglieder ausländischer Herkunft. Das größte Problem ist dabei die Logistik.

„Unser gesamtes Trainerteam übernimmt den Fahrdienst zum Training und zu den Spielen“, erzählt der Vereinsvorsitzende Karsten Jark. Es gehe jedes Mal nach Fehmarn, Heiligenhafen, Oldenburg, Grube, Lensahn und Neustadt. Dann werde das Auto vollgepackt und zum Platz gefahren. „Wir brauchen mehr Unterstützung. Das ist eigentlich gar nicht alles zu leisten“, betont Jark. Größere Vereine könnten auf Vereins- oder Gemeindebusse zurückgreifen, in Heringsdorf werde alles mit dem eigenen Pkw übernommen.

In der Fußballsparte SV Heringsdorf sind 50 Flüchtlinge aktiv. Den Transport zum Training und zu den Spielen organisieren die Trainer selbst.  Quelle: Billhardt

Unterstützung abseits des Platzes

Darüber hinaus sind die Betreuer auch Ansprechpartner in allen Lebenslagen für ihre Jungs. „Wir helfen ihnen bei Behörden- oder Arztbesuchen, gehen mit ihnen auf Suche nach einer Wohnung oder einer Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsstelle, was manchmal zu einer Herkulesaufgabe wird“, sagt der Vorsitzende. Dies alles sei schon fast ein Rund-um-die-Uhr-Job. Es fehle die Manpower für die Aufgaben abseits des Fußballplatzes. Denn mit qualifizierten Trainern sei der SV Heringsdorf gut aufgestellt.

Die Atmosphäre beim Fußballklub ist ein Grund, warum viele der Asylbewerber aus dem ganzen Norden Ostholsteins nach Heringsdorf kommen. „Sie wissen, hier kümmert man sich um sie. Das hat sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen“, erzählt der 52-Jährige. Er freut sich, dass nicht nur das Sportliche zählt. Aus 16 Ländern stammen die 50 Flüchtlinge. Sie kommen nicht nur aus Syrien oder Afghanistan. Viele sind aus Afrika, aus Ländern wie Guinea, Somalia oder Kamerun.

Großer Zusammenhalt

Ibrahima Sylla ist 17 Jahre alt und lebt auf Fehmarn: „Ich habe hier viele Freunde gefunden.“ Wenn er ein Problem habe, finde er immer Unterstützung. Dass die sportliche Führung bei der Integration zur Seite steht, findet auch der 18-jährige Raffi Josefi aus Afghanistan gut. „Sie helfen, wo sie können“, sagt er. Mark Matel ist der Mannschaftsführer des Herrenteams und bestätigt: „Der Sport vereint trotz unterschiedlicher Sprachen. Es herrscht ein besonderer Zusammenhalt und es macht viel Spaß mit den Jungs.“

Spielen gerne beim SV Heringsdorf (v. l.): Ibrahima Sylla (17), Mark Matel (22) und Raffi Josefi (18). Quelle: Billhardt

Es sind ganz unterschiedliche Bevölkerungsschichten beim SV Heringsdorf vertreten. „Nationalität und Glaube sind uns völlig egal“, sagt Jark. „Wir sind für jeden offen. Sie haben alle unterschiedliche Schicksale, die auch nicht immer ganz einfach zu ertragen sind.“ Es seien herzensgute Menschen, auf die er nichts kommen lasse. Das gegenseitige Vertrauen zeichne sich auch in den Erfolgen mit der A-Jugend und den Herrenmannschaften ab, erklärt der Vorsitzende und macht deutlich: „Der Schlüssel dazu ist der Respekt untereinander.“

Wichtig für Karsten Jark sei jetzt, dass der Verein mehr wahrgenommen wird und sich der eine oder andere fragt: „Was machen die da im Dorf und wie kann geholfen werden?“ Vielleicht könnten so neben dem Sport die Rahmenbedingungen und auch die Bleibeperspektiven verbessert werden.

Kontakt zum Verein: SV Heringsdorf von 1948 auf Facebook

Markus Billhardt

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