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Ostholstein Geburtenkontrolle bei Gänsen: Jägerin greift zum Eier-Trick
Lokales Ostholstein Geburtenkontrolle bei Gänsen: Jägerin greift zum Eier-Trick
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06:01 22.04.2019
Am Großen Eutiner See leben mittlerweile zwischen 600 und 1000 Gänse, schätzt die Jagdpächterin. Quelle: LN-Archiv
Ostholstein

Gefräßige Gänse, die sich auf ihr Getreide und Gras stürzen, sind für Landwirte ein Dauerärgernis. Zwar ist die Westküste Schleswig-Holsteins deutlich mehr betroffen, aber auch in Ostholstein müssen Bauern Einbußen bei der Ernte hinnehmen, weil sich die Tiere auf ihren Flächen gütlich tun. „Die Gänse verursachen erhebliche Schäden“, sagte Kreisjägermeister Gustav Hogreve auf einer Versammlung der Kreisjägerschaft Eutin. 318 Graugänse, 81 Kanadagänse und zwölf Nilgänse haben die Jäger im Jagdjahr 2018/19 geschossen. „Die effektivere Maßnahme, um Gänseschäden einzugrenzen, ist es, ihre Eier abzusammeln“, sagte Hogreve.

Im Herbst fressen Gänse Saat weg und zertrampeln sie

„Wir beobachten zunehmend mehr Brutpaare. Vor fünf, sechs Jahren sind hier keine Gänse in der Landschaft herumstolziert“, sagt Jan-Hennnig Wülfken, Landwirt aus Liensfeld. Die Tiere bauten ihre Nester auf einem Grundstück bei Sarau, an Kieskuhlenteichen gelegen. Dort werde eine Fläche von 300 bis 700 Quadratmetern Getreide, in diesem Jahr steht dort Gerste, von ihnen „regelrecht kurz gehalten“. Er habe die Schäden bislang noch nicht beim örtlichen Jagdpächter angemeldet. „Ich toleriere das noch. Gersten und Weizen können sich mit Chance erholen, sie bilden neue Seitentriebe“, erklärt der Landwirt. Die Schäden im Frühjahr sehe er als die geringeren an. „Im Herbst ist es schlimmer, wenn die Gänse die Saaten wegfressen, sie zertrampeln und in den Matsch treten.“

Die aus den Nestern genommenen Eier stammen überwiegend  von Graugänsen, aber auch von Kanadagänsen. Quelle: HFR

Sechs Jäger dürfen im Südkreis Gänseeier einsammeln

Moritz Kallmeyer ist Jagdpächter in Gleschendorf und einer von sechs Jägern, die von der Jagdbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde die Genehmigung erhalten haben, Gänseeier aus den Gelegen sammeln zu können. „Ein bis zwei Eier lasse ich den Tieren, dann können sie mit ein oder zwei Jungen loszuckeln“, sagt er. Er sammle, wenn die Bruttätigkeit begonnen habe, „dann legen die Gänse nicht mehr nach“. Die Eier zerstört er. Vor drei, vier Jahren habe er im Frühjahr zwischen 220 und 240 Eier eingesammelt, in diesem Jahr seien es 120 gewesen. „Die Anzahl der Brutpaare geht zurück. Die Methode hat also bis jetzt Erfolg gezeigt“, leitet Kallmeyer aus den Zahlen in seinem Revier ab.

Jagdpächterin Sabine Schwarten sammelt Eier aus den Gelegen, um die Population nicht noch größer werden zu lassen.

In Eutin hat Sabine Schwarten, Fischwirtschaftsmeisterin und Jagdpächterin des Großen Eutiner Sees, andere Erfahrungen gemacht. „Das Sammeln und Zerstören hat nichts gebracht.“ Sie trickst die Gänse – im Bereich des Großen Eutiner Sees brüten Grau-, Kanada- und Nilgänse – jetzt aus. Bis auf zwei Eier sammelt sie alle anderen ein, markiert sie und bringt sie nach einer Woche des Auskühlens wieder zum Nest zurück. Diese Eier können nicht mehr ausgebrütet werden. Dann nimmt sie eventuell zwischenzeitlich neu gelegte Eier (sie sind heller als die zwei im Nest verbliebenen) mit und zerstört diese.

Mehr als 500 Gänseeier in Nestern ausgetauscht

Mehr als 500 Eier hat sie zwischen 24. März und 14. April ausgewechselt – ab dem Tag, an dem der erste Gänse-Nachwuchs schlüpft, ist das Eiereinsammeln aber verboten. „So lässt sich die Gössel-Zahl deutlich reduzieren. Aber ich komme bei Weitem nicht an alle Nester heran. Eine Gans hat auf dem Verwalterhaus der Fasaneninsel gebrütet, andere bauen ihre Mulde im dichten Gestrüpp“, berichtet Sabine Schwarten. Am Großen Eutiner See mit der Fasaneninsel und der Liebesinsel leben nach ihren Angaben mittlerweile zwischen 600 und 1000 Gänse, jahreszeitlich schwankend. „Unser mittelfristiges Ziel muss sein, dass die Population nicht größer wird“, sagt die Fischerin.

Die Tiere können bis zu 17 Jahre alt werden

Die Graugans ist nach der Kanadagans die zweitgrößte Gänseart in Europa. Ihre bevorzugten Brutplätze sind Seen mit breiten Riedgürteln und angrenzenden Wiesen, auf denen sie äsen können. Die Tiere können bis zu 17 Jahre alt werden. Die Brutzeit beginnt etwa Mitte März bis Ende April. Nach 27 bis 30 Tagen schlüpfen die Jungen.

Ihr Betrieb leidet sehr unter den dauerhungrigen Gänsen. „Ende der 1980er Jahre sind die Tiere erstmals hier aufgetaucht. Die Winter sind wärmer geworden, sie haben Brutgelegenheiten gefunden und leben inzwischen ganzjährig hier. Mit ihrem Auftreten ist der Bestand von Schilf mehr und mehr zurückgegangen. Sie haben es nahezu komplett weggefressen“, beklagt Sabine Schwarten. Aber das Schilf ist Laichplatz, Kinderstube und Zufluchtsort – durch sein Fehlen gebe es nur noch wenige Plötze und Brassen.

Ulrike Benthien

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