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Ostholstein Jetzt hat auch Oldenburg plattdeutsche Ortsschilder: Wie würde Ihre Gemeinde heißen?
Lokales Ostholstein Jetzt hat auch Oldenburg plattdeutsche Ortsschilder: Wie würde Ihre Gemeinde heißen?
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14:28 06.02.2020
Thomas Voß, stellvertretender Werkleiter bei den Kommunalen Diensten in Oldenburg, mit einem der neuen Schilder. Auf einer interaktiven Karte haben wir eine Auswahl an plattdeutschen Ortsnamen zusammengetragen. Quelle: Montage: Boerger/LN, Fotos: Jacobsen, Google
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Oldenburg

Ollenborg in Holsteen“: Das steht in den nächsten Tagen zusätzlich auf allen Ortseingangsschildern in Oldenburg. Nachdem zuletzt in Großenbrode im Frühjahr 2019 neue Ortsschilder mit „Grootenbrod“ und „Lüttenbrood“ aufgestellt worden sind, hat sich nun auch Oldenburg dafür entschieden, schon am Ortseingang auf die Verbundenheit zur plattdeutschen Sprache hinzuweisen.

Obwohl die mehrsprachigen Ortstafeln in Schleswig-Holstein schon seit Jahren erlaubt sind und in der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitssprachen sogar ausdrücklich gefordert wird, Ortsnamen in Regionalsprachen wiederzugeben, gibt es im Kreis noch nicht besonders viele Kommunen, die dem nachkommen.

Ollenborg“ bedeutet so viel wie „Alte Burg“

In Oldenburg kam die Initiative aus der Stadtpolitik. Bereits im vergangenen Jahr hatte der CDU-Ortsverband einen entsprechenden Antrag gestellt. „Die plattdeutsche Sprache bringt ein Heimatgefühl zum Ausdruck“, sagt der Erste Stadtrat Jens Junkersdorf (CDU).

Die Ortstafel sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Sprache in der Stadt gelebt werde. Und: Der plattdeutsche Name „Ollenborg“ gibt allen, die Plattdeutsch sprechen oder wenigstens verstehen, einen deutlichen Hinweis auf die Historie der Stadt. Übersetzt bedeutet der Name laut Christianne Nölting vom Länderzentrum für Niederdeutsch nämlich so viel wie „Alte Burg“.

Einige der insgesamt elf neuen Ortsschilder wurden bereits von den Mitarbeitern der Kommunalen Dienste in Oldenburg montiert, die restlichen sollen in den nächsten Tagen folgen. „Die alten Schilder sollen eingelagert werden und dienen als Ersatz, wenn eine Ortstafel beschädigt oder gestohlen wird“, sagt Stadtmanagerin Cora Brockmann. Die Kosten für die Ortstafeln betragen insgesamt etwa 1500 Euro.

Heimatbund: Es braucht eine Initiative in den Orten

Im Rest des Kreises sind die plattdeutschen Ortsschilder noch rar. Eine Übersicht über Gemeinden, die ihre alten Ortstafel zugunsten neuer mit plattdeutschen Namen eingetauscht haben, gibt es bei der für die Genehmigung zuständigen Verkehrsbehörde des Kreises zwar nicht – allzu viele dürften es nach Auskunft von Kreissprecherin Carina Leonhardt aber nicht sein.

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Auf jeden Fall dabei ist neben Großenbrode und Oldenburg noch Neustadt mit „Niestadt in Holsteen“. Zwar sei die Angabe des plattdeutschen Ortsnamens vom Land gewünscht, sagt Marianne Ehlers vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, „es braucht aber immer Initiativen in den einzelnen Orten“.

In Großenbrode wurden im Frühjahr vergangenen Jahres die plattdeutschen Schilder aufgestellt. Quelle: Fabian Boerger

Wie heißt mein Heimatort auf platt? Der Heimatbund gibt Auskunft

In Ratekau habe es diese Initiative bisher noch nicht gegeben, sagt Hauptamtsleiterin Ilka Böhm. Obwohl die Sprache im Ort ebenfalls noch aktiv gelebt werde. In Vereinen, bei Veranstaltungen und bei Feiern sprechen vor allem ältere Menschen Platt – allerdings nicht nur.

Mit einem neuen Ortsschild würde sich für Ratekau gar nicht so viel ändern. Der Schleswig-Holsteinische Heimtbund führt eine Liste mit den plattdeutschen Ortsnamen aller Gemeinden in Schleswig-Holstein. Laut der wird bei Ratekau das „t“ lediglich gegen ein „d“ getauscht. Das ergibt dann: Radekau.

Klicken Sie sich hier durch die plattdeutschen Orte in Ostholstein:

Auch in Bad Schwartau (Bad Swartau) war die plattdeutsche Ortstafel bisher noch kein Thema. Ordnungsamtsleiter Bernd Kubsch ist aber angetan: „Ich persönlich finde das sehr interessant.“ Zumal viele im Ort – genau wie er – noch Platt sprechen könnten. „Vielleicht werde ich das demnächst in einer Sitzung mal ansprechen.“

Für einige Orte ändert sich der Name gar nicht

Für einige Städte und Gemeinden lohnt sich der Aufwand allerdings nicht. Eutin, Scharbeutz, Sarkwitz und Fehmarn heißen beispielsweise auf Platt und Hochdeutsch genau gleich. Anders sieht es mit den Ortsteilen auf Fehmarn aus: Aus Flügge würde Flügg werden und aus Burg auf Fehmarn Borg up Fehmarn.

Bei den mehr als 60 Ortsteilen auf der Insel würden neue Tafeln ordentlich ins Geld gehen. Bisher sei ihm der Wunsch nach plattdeutschen Schildern aber auch noch nicht begegnet, sagt Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD). Wichtig wäre für ihn, dass der plattdeutsche Name nicht allein auf der Tafel steht – „schon wegen der Touristen“.

Die Ortsschilder in Neustadt sind auch in Plattdeutsch und begrüßen Besucher in der traditionellen Sprache. Quelle: LN-Archiv

Die Angabe des hochdeutschen Namens über dem plattdeutschen ist tatsächlich auch ein Muss – andernfalls würde die Verkehrsbehörde des Kreises das Schild nicht genehmigen. Möchten Gemeinden erst einmal genau wissen, wie ihr Ort auf Platt richtig heißt, können sie sich an den Heimatbund wenden, an den Plattdeutschbeauftragten des Kreises Heinrich Evers oder an das Länderzentrum für Niederdeutsch. Letztere hatten zusammen mit Heinrich Evers auch den Namen von Oldenburg beurteilt.

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Von Luisa Jacobsen

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