Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Weniger Ostholsteiner müssen von Hartz IV leben
Lokales Ostholstein Weniger Ostholsteiner müssen von Hartz IV leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:34 19.11.2019
Unter einer Lupe ist auf dem Symbolbild der Schriftzug „Hartz IV“ zu sehen. Erhielten 2010 noch 14 800 Personen das Arbeitslosengeld II sowie Leistungen, sind es in diesem Jahr nur noch 11 400 Ostholsteiner – das sind 23,2 Prozent weniger. Quelle: Jens Büttner/dpa
Eutin/Oldenburg

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, ist es Zeit Bilanz zu ziehen. Das Jobcenter Ostholstein stellt sich allerdings nicht nur dem Vorjahresvergleich. Geschäftsführer Karsten Marzian zieht dem Zehn-Jahres-Vergleich 2010 bis 2019. Seine Bilanz fällt dabei durchweg positiv aus. Sein Fazit: Deutlich weniger Frauen und Männer als 2010 bekommen aktuell im Kreis Ostholstein noch Leistungen vom Jobcenter.

Erhielten 2010 noch 14 800 Personen das sogenannte Arbeitslosengeld II sowie Leistungen für Unterkunft und Heizung, sind es in diesem Jahr laut Jobcenter nur noch 11 400 Ostholsteiner – also 3400 (23,2 Prozent) weniger. „So stark war der Rückgang in keinem anderen Kreis und keiner kreisfreien Stadt in Schleswig-Holstein“, sagt Marzian. Landesweit betrug das Minus 9,3 Prozent. Die Zahl der Haushalte (Bedarfsgemeinschaften), die Geldleistungen bekommen, verringerte sich von 2010 bis 2019 ebenfalls – und zwar um 1900 (24 Prozent) auf 6000.

Die Aufgabe der Jobcenter

Jobcenter sind eine gemeinsame Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit und des kommunalen Trägers. Sie sind zuständig für die Durchführung der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV). Die Aufgabe der Jobcenter ist es, Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II zu gewähren und durch „das Fördern und Fordern“ betroffenen Personen die Perspektive und Möglichkeit zu eröffnen, ihren Lebensunterhalt künftig aus eigenen Mitteln und Kräften, langfristig und ohne weitere öffentliche Unterstützung zu bestreiten. Die Benennung „Jobcenter“ geht zurück auf den Abschlussbericht der Hartz-Kommission.

Landesweit stärkster Rückgang im Kreis Ostholstein

„Positiv ist auch, dass aktuell 1200 Frauen und Männer oder ein Drittel weniger als 2010 Leistungen vom Jobcenter beziehen mussten, obwohl sie in Beschäftigung waren. Damals waren es noch 3600“, erläutert Marzian. „So stark war der Rückgang ebenfalls in keinem anderen Kreis und keiner anderen kreisfreien Stadt im Land.“

Neben dem erfreulichen Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen im Kreis profitieren die Ostholsteiner als Berufspendler auch von den guten Entwicklungen in Lübeck, Hamburg, im Kreis Stormarn und in Kiel. Das lasse sich auch in den Zahlen nachlesen: Von 2010 bis 2018 gab es in Ostholstein ein Plus von 10 400 (20,3 Prozent) auf 61 500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Im Landesschnitt lag das Plus bei 17,8 Prozent.

Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, an seinem Schreibtisch in Eutin. Er zieht eine durchweg positive Bilanz zum Ende des Jahrzehnts. Deutlich weniger Frauen und Männer seien aktuell im Leistungsbezug als 2010. Quelle: LN-Archiv

Das sind die Gründe des Erfolgs in Ostholstein

Das Jobcenter hat in den vergangenen Jahren für seine aktive Arbeitsmarktpolitik nicht nur die vom Bund zugewiesenen Eingliederungsleistungen eingesetzt, sondern auch diverse Bundesprogramme genutzt: „Bürgerarbeit“, „Perspektive 50 plus“, „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ und das ESF-Programm zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. Aktuell ist als neues Förderinstrument das „Teilhabechancengesetz“ hinzugekommen. Das Jobcenter Ostholstein fördert damit 230 Frauen und Männer vor allem in den Sozialkaufhäusern, bei den Tafeln, in Betrieben und bei den Kommunen.

Jobcenter fördert Führerschein

Weiterhin erfolgreich ist die Mobilitätsförderung. In diesem Jahr seien rund 600 arbeitslose Frauen und Männer finanziell beim Erwerb eines Führerscheins oder Fahrzeugs unterstützt worden. Das Jobcenter Ostholstein unterstützt das, wenn es vom Arbeitgeber für die neue Beschäftigung eine Einstellungszusage gibt und die Arbeits- oder Ausbildungsstelle nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann.

Unterschiede innerhalb des Kreises

Innerhalb des Kreisgebietes ist die Entwicklung der Leistungsbezieher und Bedarfsgemeinschaften unterschiedlich: Während die Rückgänge in den Gemeinden Dahme, Grömitz, Bosau, Süsel und Scharbeutz, in den Ämtern Oldenburg-Land, Ostholstein-Mitte und Lensahn sowie in den Städten Heiligenhafen und Neustadt höher als im Kreisschnitt sind, liegen die Städte Eutin und Bad Schwartau sowie die Gemeinde Stockelsdorf unter dem Durchschnitt.

„Dies ist vor allem auf den Zuzug von anerkannten Flüchtlingen mit Leistungsbezug beim Jobcenter zurückzuführen“, erklärt der Geschäftsführer. In der Gemeinde Malente gibt es in diesem Jahr mehr Leistungsbezieher und Bedarfsgemeinschaften als 2010. Die positive Entwicklung in den Gemeinden Dahme, Grömitz, Süsel und Scharbeutz, im Amt Ostholstein-Mitte sowie in Neustadt stehe auch in direktem Zusammenhang mit dem überdurchschnittlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen in diesen Kommunen.

Noch mehr Artikel aus Ostholstein

 

Weniger Ausgaben gegenüber 2010

Durch den Rückgang der Leistungsbezieher und Bedarfsgemeinschaften haben sich gegenüber 2010 auch die Ausgaben des Jobcenters deutlich verringert. Bei den Leistungen zum Lebensunterhalt waren es 2010 noch 31,7 Millionen Euro. In diesem Jahr werden es rund drei Millionen Euro (10 Prozent) weniger sein.

„Ich freue mich, dass im Laufe dieses Jahrzehnts viele unserer Kundinnen und Kunden erstmals oder wieder in Arbeit gegangen sind“, erklärte Marzian.

Lesen Sie auch:

Von Louis Gäbler

Der TSV Schönwalde hat jetzt eine Boxsparte. Trainer Sascha Schmidt hofft auf möglichst viele Sportler und will bei Wettkämpfen mitmischen. Zweimal pro Woche geht es in der Sporthalle zur Sache.

19.11.2019

Der Riesen-Adventskalender wird am Kremper Tor angebracht. Abends gibt es Livemusik, weihnachtliche Geschichten, Gedichte und Kinderpunsch. Das erste Türchen wird schon am 29. November geöffnet.

19.11.2019

Der 23-Jährige hat zugegeben, die Frau im Februar in der Gemeinde Gremersdorf getötet zu haben. Er stach 34 Mal auf sein Opfer ein. Das Gericht konnte kein Mordmerkmal feststellen und verurteilte ihn wegen Totschlags.

19.11.2019