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Ostholstein Jobcenter finanziert Führerscheine und Autos
Lokales Ostholstein Jobcenter finanziert Führerscheine und Autos
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18:00 24.02.2019
330 Führerscheine und 340 Fahrzeuge – überwiegend Pkw – hat das Jobcenter Ostholstein im Jahr 2018 finanziert, um Leistungsbezieher wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Quelle: dpa
Oldenburg/Eutin

Im Flächenkreis Ostholstein müssen Arbeitnehmer mobil sein. Deshalb unterstützt das Jobcenter seine Kunden finanziell beim Führerschein oder Erwerb eines Fahrzeugs. Eine Auswertung zeigt nun, dass sich die Förderung lohnt und ganz wesentlich zum Abbau der Arbeitslosigkeit beiträgt: 330 Führerscheine und 340 Fahrzeuge finanzierte das Jobcenter 2018. Dadurch sind Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro entstanden. „Doch das ist gut investiertes Geld“, betont Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein.

Die Fahrt zur Arbeit ist in Ostholstein häufig ein Problem: Wer beispielsweise in Westermarkelsdorf auf Fehmarn lebt, jahrelange arbeitslos war und plötzlich einen Job in Stockelsdorf in Aussicht hat, der freut sich ganz sicher. Doch schon im nächsten Moment stellt er die Frage: „Wie komme ich denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit?“ Mit Bus und Bahn ist das quasi unmöglich. Nach Beendigung der Konsolidierung arbeitet der Kreis gerade daran, den ÖPNV wieder flott zu machen.

Viele offene Stellen, aber weite Wege

Freie Jobs in der Pflege, im Gesundheitsbereich, im Handel, Gastronomie oder Hotellerie gibt es reichlich. Langzeitarbeitslose und Arbeitgeber zusammenzubringen, genau diese Aufgabe hat sich das Jobcenter auf die Fahne geschrieben. „Aber“, sagt Karsten Marzian, „ein Teil unserer Kunden hat gar keinen Führerschein.“ Laut Sozialgesetzbuch müsse das Jobcenter aber alles tun, sie wieder in Arbeit zu bringen. „Also fördern wir dort, wo es machbar und erforderlich ist, die Mobilität.“

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Innerhalb einer Stadt wie Oldenburg, Eutin oder Heiligenhafen greife diese Förderung nicht, so Marzian. Wer beispielsweise in Oldenburg am Bahnhof lebt und im Gewerbegebiet Am Voßberg einen Job findet, der müsse eben zu Fuß gehen. Die Bezahlung eines Führerscheines und die Hilfe beim Pkw-Kauf müsse schon aufgrund der Entfernung zwingend notwendig sein. „Das muss wirtschaftlich sein und Erfolg versprechen. Aber es lohnt sich unterm Strich“, sagt Marzian.

Das zahlt das Jobcenter im Einzelnen

330 Führerscheine und 340 Fahrzeuge hat das Jobcenter im vergangenen Jahr finanziert. Gut ein Drittel der Anträge kamen von Frauen, der Rest von Männern. Jeder Führerschein-Antrag wurde vom Jobcenter mit 1900 Euro unterstützt, jeder Pkw-Kauf mit bis zu 2000 Euro, Motorroller-Käufe mit bis zu 800 Euro, Fahrräder mit 200 bis 300 Euro. 630 000 Euro wurden insgesamt 2018 für Führerscheine aufgebracht, 680 000 Euro für Fahrzeug-Käufe. Das Geld – also insgesamt 1,31 Millionen Euro – stammt aus Bundesmitteln, die gezielt für die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen ins Berufsleben vorgesehen sind.

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Marzian: „Über 70 Prozent aller Frauen und Männer, deren Führerschein von uns gefördert wurde, sind anschließend direkt in Arbeit oder Ausbildung gegangen. Von den Kunden, denen wir ein Auto finanziert haben, sind sogar über 80 Prozent noch im Job.“ Das bedeute, so Marzian weiter, dass die meisten Menschen somit auch komplett aus dem Leistungsbezug heraus seien und wieder ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft erwirtschaften. „Davon profitieren letztlich alle: die Arbeitnehmer, die wieder einen Job gefunden haben. Und die Arbeitgeber, die eine offene Stelle besetzen konnten“, sagt der Jobcenter-Chef.

Ostholstein deutlich besser als das Land

Und auf noch etwas ist Karsten Marzian stolz: „Kein anderes Jobcenter in Schleswig-Holstein hat so einen starken Abbau von Arbeitslosen und Leistungsempfängern zu verbuchen wie Ostholstein.“ So habe sich die Zahl der Jobcenter-Kunden seit 2010 um 2800 Männer und Frauen auf nunmehr insgesamt 11.900 reduziert. „Das ist ein Rückgang um 20 Prozent. Zum Vergleich: Im Land liegt der Rückgang bei gerade 5 Prozent“, sagt Marzian. Außerdem werde auch noch gespart – 2018 mussten 3,7 Millionen Euro weniger an Leistungsempfänger ausgezahlt werden als 2017.

Marzian abschließend: „Das bedeutet, dass der Bund im Bereich ALG-II-Kosten spart, der Kreis spart bei den Unterkunftskosten, und auch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren von dieser Regelung im Besonderen.“

Bund der Steuerzahler zufrieden

Das hört natürlich auch der Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein gerne. Geschäftsführer Rainer Kersten sagte auf LN-Anfrage: „Trotz der erheblichen Summe ist auf diesem Weg offenbar eine ganze Menge zu erreichen.“ Das sei also eine gute Sache. Seine Empfehlung sei allerdings, den Fahrzeugkauf nicht zu finanzieren, sondern nur auf Darlehnsbasis zu ermöglichen – gerade um eine Neiddebatte auszuschließen.

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