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Ostholstein Joey Kelly will mit einem Oldtimer-Bulli von Berlin nach Peking
Lokales Ostholstein Joey Kelly will mit einem Oldtimer-Bulli von Berlin nach Peking
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14:04 25.06.2019
Große Pläne: Joey Kelly will mit seinem Sohn in seinem Bulli T1 nach China. Quelle: Arne Jappe
Fehmarn

Er ist bekannt für die extremen Dinge im Leben. Joey Kelly, seines Zeichens Sänger und Extremsportler, will es wieder wissen. Für seine neueste Herausforderung hat sich Kelly einen VW T1 Bulli aus dem Jahr 1967 gekauft und will zusammen mit seinem Sohn Luke die Strecke von Deutschland nach China auf sich nehmen.

Und als ob das noch nicht genug Strapazen sind, werden die beiden den Weg ganz ohne Geld, Proviant und Sprit in Angriff nehmen. Am 14. Juli in Berlin geht’s los – vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Kelly Family war früher mit dem T1 auf Tour

Der VW T1 Bulli ist für Joey Kelly kein Neuland. Bereits als er noch ganz jung war, fuhr die Großfamilie eben mit genau diesem Modell auf ihrer ersten Tour im Jahr 1976 durch die Städte. Kelly zeigt beim Bulli-Festival am Südstrand von Fehmarn das erste Cover der Band und versteht bis heute nicht, wie alle Mitglieder der Band in den Bulli passten. „Wenn ich bedenke, dass wir zu der Zeit etwa acht Kinder waren plus unsere Eltern, dann weiß ich bis heute nicht wie das gepasst haben soll“, sagt Joey Kelly sichtlich amüsiert.

Auf dem Midsummer Bulli Festival am Südstrand von Fehmarn gab Joey Kelly eine Autogrammstunde. Zahlreiche Fans stellten sich in die lange Schlange.. Quelle: Arne Jappe

Jahre später kam dem Extremsportler nun die Idee nach einem neuen Abenteuer. Daraufhin kaufte sich Joey Kelly einen deutschen VW T1 Bulli aus dem Jahr 1967. „Ich habe durch Prüfungen von Fachleuten die Echtheit des Herkunftslandes feststellen lassen“, sagt Kelly. Das Gefährt wurde dann durch Oldtimer-Experten von VW Classics restauriert. „Die Karosserie ist so geblieben wir gekauft, aber der Motor und ein paar Sicherheitseinrichtungen wie die Bremsen wurden erneuert“, erklärt Joey Kelly. Den Bulli hat er für 15 000 Euro gekauft – eigentlich wollte der Verkäufer 24 000 Euro für ihn haben.

Logenplatz beim Kelly-Konzert für einen Preisnachlass

Doch Joey Kelly handelte, denn schnell merkte er, dass der Verkäufer sportbegeistert war. „Ich habe ihm dann zwei Mountainbikes als Tausch mit angeboten, das hat schon die ersten Tausend Euro gebracht“, erzählt Kelly. Und so ging es weiter. Kelly erfuhr, dass bei dem Verkäufer bald die Hochzeitsglocken klingeln sollten und bot ihm einen Bauernhof in der Nähe seines Wohnorts als Location an. Als er dann erfuhr, dass die zukünftige Ehefrau auch noch Kelly-Family-Fan ist, lockte er das Paar mit einem Logenplatz für ein Konzert in Köln. „So haben wir uns dann auf 15 000 Euro geeinigt und ich hatte meinen T1 Bulli“, sagt der 46-Jährige.

Mehr als 50 000 Besucher beim Bulli-Festival

1200 Bullis, Tausende Schaulustige beim Konvoi um die Insel und laut Veranstalter insgesamt mehr als 50 000 Besucher: Das ist die Bilanz des 6. Midsummer Bulli Festivals auf Fehmarn. Die schönsten Bullis wurden genauso prämiert wie die längste Anreise, die in diesem Jahr von einem Fahrer aus Norwegen gewonnen wurde, der mehr als 1100 Kilometer zurücklegt hat, um auf Fehmarn dabei zu sein.

Beim großen Konvoi um die Insel nahmen an die 550 VW-Busse aller Baureihen teil – gefeiert von winkenden Schaulustigen am Straßenrand. Entlang der Strecke und in den Dörfern hatten sich die Wartenden wie bei der Tour de France in Frankreich mit Stühlen, Tischen und Sonnenschirmen die besten Plätze gesichert, um einen guten Blick auf die Busse zu erhaschen. „So viele fröhliche, strahlende und enthusiastische Menschen gibt es in keinem Stau der Welt“, sagte Veranstalter Paul Peine zufrieden. „Der Konvoi ist definitiv das Highlight für Fahrer und Zuschauer!“

Der Termin fürs 7. Midsummer Bulli Festival steht auch bereits fest: Vom 18. bis 21. Juni 2020 ist Fehmarn wieder Gastgeber des laut Veranstalter größten Bulli-Festivals auf europäischem Boden.

Joey Kelly hat bereits in zahlreichen Wettbewerben sein Können unter Beweis gestellt – zu Fuß, auf dem Rad oder beim Laufen. Jetzt will er mit dem Bus ins rund 13 000 Kilometer entfernte China. Kelly hat dafür seine eigenen Kniffe, um die Challenge erfolgreich zu bestehen. Ganz unvorbereitet ist er nicht, da er bereits eine Strecke von Los Angeles nach New York zurücklegte, zwar nicht mit dem Auto, aber auch unter ähnlichen Bedingungen. „Wichtig ist der Kontakt mit Menschen, der mir vieles vereinfacht hat“, erklärt er.

Sein Trick: Eingeschweißte Kleeblätter und eine Erwähnung seiner Unterstützer in einem Buch von der Reise tauscht er gegen Geld oder Proviant. „Der Kelly-Bonus zieht nur noch in Deutschland und Polen, danach musst du andere Geschütze auffahren“, sagte Kelly lachend. Genau dafür hat er verschiedene Flyer in den entsprechenden Landessprachen erstellt und sogar Rammsteinposter mit Unterschriften von Sänger Till Lindemann bekommen – die sind nämlich in Russland Weltstars.

Joey Kelly: „Mit Geld kann das jeder“

Auf die Frage „Warum“ antwortet Kelly, dass es für ihn eine besondere Challenge sei ohne Geld und Essen zu reisen. „Mit Geld kann das jeder und es ist auch relativ einfach.“ Nun steigt die Spannung, wenn es in etwa drei Wochen losgeht. Eine ganz besondere Erfahrung sei die Innenausstattung vom Bulli und das Gaspedal. „Man sitzt wie in einem Go-Kart und Vollgas geht nicht, da die Rückschläge sehr anstrengend für den Fuß sind“, berichtet Kelly nach seiner ersten Testfahrt. Zum Glück können sich Vater und Sohn abwechseln.

Im kommenden Jahr will Joey Kelly dann auch mit seinem Bulli zum Festival nach Fehmarn kommen – wenn er bis dahin durchhält. „Der Bulli wird in meinem Besitz bleiben und zurück nach Deutschland geführt“, erklärt Kelly. Da dürften sich die Besucher im kommenden Jahr auf spannende Reisegeschichten freuen.

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Arne Jappe