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Ostholstein Kampf um den Bahnhof: Timmendorfer gegen Bus-Shuttle
Lokales Ostholstein Kampf um den Bahnhof: Timmendorfer gegen Bus-Shuttle
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08:03 30.10.2019
Bahnsteig 1 am Timmendorfer Bahnhof. Laut Aktivgruppe nutzen im Durchschnitt 1400 Pendler pro Tag diesen Haltepunkt, den es ab 2028 nicht mehr geben soll. Quelle: Sabine Latzel
Timmendorfer Strand

„Du hast keine Chance, also nutze sie“: Dieser Sponti-Spruch aus den 1980er-Jahren mag auch auf die Haltung der Timmendorfer Kaufleute zutreffen. Denn auch wenn es derzeit kaum positive Signale für einen Erhalt der Bäderbahn und des Timmendorfer Bahnhofes gibt, wollen sie weiter kämpfen – das wurde auf der Jahresversammlung der Aktivgruppe für Handel und Gewerbe deutlich.

„Timmendorf hat sich zu spät um dieses Thema gekümmert“

„Vermutlich werden wir um eine Klage nicht herumkommen.“ Heinz Meyer, Vorsitzender der Aktivgruppe, fuhr schwere Geschütze auf und verwies auf den Erfolg der von der Aktivgruppe initiierten Internet-Petition für den Erhalt des Timmendorfer Bahnhofes. Er hatte in der vergangenen Woche mit dem Timmendorfer Tourismuschef Joachim Nitz 8200 Unterschriften an Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) überreicht, um ein Ende des Bahnhofes im Jahr 2028 abzuwenden.

Warum derzeit aber die Zeichen für dieses Ende sprechen, erklärte Horst Weppler, Fachdienstleiter Regionale Planung beim Kreis Ostholstein. „Timmendorf hat sich zu spät um dieses Thema gekümmert“, mahnte er. „Zeitweise hat der Kreis allein um den Erhalt der Bäderbahn gekämpft.“ Tatsächlich hatten von 2015 bis 2017 teilweise chaotische Debatten über eine Bahnhofslösung für Timmendorf in den politischen Gremien getobt.

Die bisherige Trasse könnte für die Busse asphaltiert werden

Weppler erinnerte daran, dass nach der ursprünglichen Planung beim Bau des Fehmarnbelt-Tunnels die Bestandstrasse ausgebaut werden sollte – dann wären die Güterzüge durch die Orte gebraust. Nach heftigen Protesten hatten sich Land und Bahn darauf verständigt, dass eine neue Schienentrasse entlang der Autobahn gebaut wird. Das aber akzeptiere die Bahn nur, wenn im Gegenzug die Bäderbahn stillgelegt werde, betonte Weppler, da der Betrieb beider Strecken als unwirtschaftlich angesehen werde.

Wird die Bäderbahn zwischen Lübeck und Neustadt 2028 eingestellt, wäre Timmendorfer Strand über einen neuen, vom Zentrum sieben Kilometer entfernten Bahnhof an der Anschlussstelle Ratekau ans Schienennetz angebunden. Die Reisenden sollen mit Bussen in den Ort gefahren werden – eventuell über die dann asphaltierte alte Trasse, womit die Busse Staus umfahren könnten. Für die Bus-Variante ist auch Minister Buchholz, der dem Fortbestand der Bäderbahn bisher klare Absagen erteilt hat, unter anderem bei einem Besuch im Timmendorfer Bugenhagen-Bildungswerk.

Weitere Nachteile durch Schwartauer Trog-Bauwerk befürchtet

Ihm gegenüber habe sich Buchholz anders geäußert, berichtete Heinz Meyer. „Wir dürfen uns vom Minister nicht hinters Licht führen lassen“, ärgerte er sich. „Kein Meter Schiene, der weg ist, kommt wieder.“ Laut Aktivgruppe seien allein am Timmendorfer Bahnhof im Durchschnitt pro Tag 1400 Passagiere betroffen. Ein sieben Kilometer entfernter, über Busse angebundener Bahnhof bringe schwere Beeinträchtigungen des An- und Abreiseverkehrs und immense wirtschaftliche Einbußen mit sich, wird befürchtet.

Gähnende Leere: Wird es so ab 2028 immer am Timmendorfer Bahnhof aussehen? Quelle: Sabine Latzel

Wollen die Timmendorfer Erfolg haben, müssen sie einen Betreiber für die Strecke finden, riet Weppler. Er wies darauf hin, dass es sehr teuer sei, Bahn-Kapazitäten für Tage mit hohem Passagier-Aufkommen vorzuhalten. Das sei mit Bussen einfacher und günstiger, „zumal diese auch Niendorf und Scharbeutz anfahren könnten“. Timmendorfer Strand sei für einen Buspendelverkehr nicht geeignet, meinte hingegen Bürgermeister Robert Wagner (parteilos). Die Qualität der Straßen und die Außengastronomie würden beeinträchtigt. Er warnte noch dazu vor weiterem Ungemach, erhalte Bad Schwartau das zwecks Lärmschutz geforderte Trog-Bauwerk: „Diese Bauarbeiten würden fünf bis sieben Jahre Pendelverkehr für Timmendorf bedeuten.“

Workshop findet im August 2020 statt

Hoffnungen weckte der Hamburger Jurist Nikolas Hill, was auch zu seinen Aufgaben gehören dürfte: Die Gemeinde hat die Beratungsgesellschaft „Von Beust & Coll.“ des ehemaligen Hamburger CDU-Bürgermeisters Ole von Beust eingeschaltet. Von Beust und seine Mitarbeiter, eben auch Nikolas Hill, sollen Timmendorf darin unterstützen, die Verantwortlichen im Land und beim Bund umzustimmen. „Zwei Hände voll“ potenzieller Betreiber habe man angesprochen, berichtete Hill, und überwiegend positive Resonanzen bekommen. Zudem müsse man der Landesregierung verdeutlichen: „Ihr müsst Geld in die Hand nehmen, wenn ihr wollt, dass Leute vom Auto auf die Bahn umsteigen.“

Wie aber könnte es für Timmendorf weitergehen? Aktuell arbeite man mit Vertretern des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ daran, dass die technischen Voraussetzungen geschaffen würden, den Personenverkehr künftig ab Lübeck auch weiter Richtung Timmendorf lenken zu können, erklärte Nikolas Hill. Horst Weppler empfahl, ein konkretes Betriebskonzept zu entwickeln und folgende Fragen zu klären: „Welchen Bedarf haben Touristen und Pendler? Welche Gäste wollen wohin?“

Eine gute Nachricht vermeldete der Bürgermeister: Das Land habe die Agentur „Boy“ beauftragt, innovative Verkehrskonzepte zu entwickeln, sagte Robert Wagner. In diesem Zuge finde Ende August 2020 ein zweitägiger Workshop in Timmendorfer Strand statt, mit „internationalen Fachleuten“ zu den Themen Verkehr und Mobilität. „Die beiden Ideen, die sich dabei durchsetzen, werden auch weiter verfolgt.“

Von außen recht hübsch, innen allerdings stark renovierungsbedürftig: 2016 hat die Gemeinde Timmendorfer Strand das Bahnhofsgebäude für 200 000 Euro von der Bahn gekauft. Quelle: Sabine Latzel

Von Sabine Latzel

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