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Ostholstein Kampfmittelreste in der Ostsee: Die Gefahr lauert am Meeresgrund
Lokales Ostholstein Kampfmittelreste in der Ostsee: Die Gefahr lauert am Meeresgrund
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13:58 21.10.2019
Ein Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel nähert sich in der Ostsee einem versenkten Munitionsrest. Drei Jahre lang haben Wissenschaftler zu den Risiken geforscht, die von versenkten Kampfstoffen in der Ostsee ausgehen. Quelle: Jana Ulrich/Forschungstauchzentrum CAU Kiel
Ostholstein

Meldet sich der Zweite Weltkrieg eines Tages zurück? Die See vor Ostholstein ist auch heute noch voll mit Munitionsschrott: Jede Menge Minen, Granaten, Bomben, Patronen, Zünder und Sprenggeschosse, die auf dem Grund der Lübecker Bucht vor sich hinrotten. Mindestens 50 000 Tonnensollen dort versenkt worden sein. Verklappt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf Veranlassung der alliierten Übergangsregierung, geben die Kampfmittel heute Phosphor, Blei und Quecksilber in die Umwelt ab. Eine latente Gefahr – auch für den Tourismus in Ostholstein.

Ein Blick auf die Karte der Lübecker Bucht macht deutlich: Die beiden großen bekannten Verklappungszonen liegen in Sichtweite von Ostholsteins Badestränden. Zum einen südlich von Neustadt zwischen Sierksdorf und Scharbeutz. Das zweite Versenkungsgebiet erstreckt sich weiter draußen auf See von Pelzerhaken bis hoch nach Rettin. Zudem gibt es noch Unterwassergebiete, die als Verdachtsflächen gelten. Quelle: Wenzel

Ein Blick auf die Karte der Lübecker Bucht macht deutlich: Die beiden großen bekannten Verklappungszonen liegen in Sichtweite von Ostholsteins Badestränden. Zum einen südlich von Neustadt zwischen Sierksdorf und Scharbeutz. Das zweite Versenkungsgebiet erstreckt sich weiter draußen auf See von Pelzerhaken bis hoch nach Rettin. Zudem gibt es noch Unterwassergebiete, die als Verdachtsflächen gelten.

Schätzungen zufolge konnte bisher nur ein Teil geborgen werden. Er wurde vom Kampfmittelräumdienst des Landes bei der bundeseigenen Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung (GEKA) fachgerecht aus dem Wasser geholt und umweltgerecht vernichtet.

Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg lagern massenhaft in der Lübecker Bucht

Zurück in die Lübecker Bucht. „Die aufgrund von Archivrecherchen ermittelte Versenkungsmenge für den Bereich Lübecker Bucht wird gegenwärtig auf rund 50 000 Tonnen geschätzt“, sagt der Sprecher des Umweltministeriums, Joschka Touré. Die Recherchen seien allerdings noch immer nicht abgeschlossen. Geklärt scheint jedoch, aus welcher Zeit der Kriegsmüll stammt. Touré: „Die in der Lübecker Bucht versenkten Kampfmittel stammen nach dem derzeitigen Stand des Wissens überwiegend aus dem Zweiten Weltkrieg.“

Angst vor Terroristen, die sich bedienen könnten

Die genaue Position der unheilvollen Lagerstätten bleibt dagegen streng geheim – aus gutem Grund. Joschka Touré: „Im Meer versenkte Kampfmittel stellen auf Grund ihrer Beschaffenheit eine generelle Gefahr dar und es besteht auch grundsätzlich immer die Gefahr der missbräuchlichen Nutzung. Dazu gehört neben der Tauchtätigkeit potenzieller Militaria-Sammler auch die unzulässige in Besitznahme von Sprengstoffen aus versenkter Munition für jedwede Verwendung.“

Gemeint sind seitens des Kieler Umweltministeriums wohl Terroristen, die sich durchaus unter Wasser in den Versenkungsgebieten bedienen und dann später an Land daraus Bomben bauen könnten. Denn Sorge bereitet der Zustand der Munitionsreste. Ministeriumssprecher Touré: „Der Zustand der versenkten Munition ist sehr heterogen. Auch mehr als 70 Jahre nach der Versenkung findet man noch nahezu neuwertige Kampfmittel, aber auch stark korrodierte mit freiliegenden Sprengstoffen. Fest steht aber: Die Durchrostung schreitet ständig voran.“

Kein Geld für Roboter-Entwicklung

Angesichts dieser latenten Gefahr könnten eventuell Roboter die Minen, Sprengköpfe und Granaten bergen. Im März 2019 berichteten die LN, dass das Umweltministerium Roboter zur automatischen Räumung des Meeresgrundes entwickelt. Im Rahmen des Projektes RoBEMM sei die Machbarkeit einer Roboter-Bergung durch eine Studie und den Bau eines Demonstrators nachgewiesen worden, sagt Touré. Im nächsten Schritt müsste ein Prototyp entwickelt werden. Die Finanzierung sei allerdings gegenwärtig nicht gesichert.

Das bedeutet, dass Strandspaziergänger auch weiterhin auf Phosphorreste treffen werden. Dazu das Kieler Umweltministerium: „Die Belastung mit Weißem Phosphor aus Brandmunition hängt eng mit der Nachkriegs-Verklappung zusammen. Die im Meer stattfindenden Korrosionsprozesse führen zur Durchrostung – und damit zur Freisetzung der Inhaltsstoffe. Die können an die Strände gelangen. Wann der Höhepunkt der Freisetzung erreicht sein wird, ist gegenwärtig offen.“

Das sagen die Ostseebäder

Die Ostseebäder an der Lübecker Bucht sind noch entspannt. „Es sind Experten vor Ort, die die Lage stetig beobachten“, sagte Günther Schröder (Stadtverwaltung Fehmarn). „Durch den Kampfmittelräumdienst werden wir und die örtliche Polizeistation direkt kontaktiert, wenn Kampfmittelreste geräumt werden. Weitere Info-Veranstaltungen erachten wir für nicht notwendig“, sagte Michèl Soltmann (Gemeinde Timmendorfer Strand). „Die Touristen erhalten vor Ort einen Flyer, Verhaltenstipps am Strand’, in dem auch auf das Thema Munition eingegangen wird“, teilte Christiane Hansing (Stadtverwaltung Neustadt) mit. „Wir wünschen uns dennoch, dass der Bund seiner Verpflichtung zur Bergung der Munitionsreste weiterhin nachkommt“, sagte Mark Burmeister (Grömitz).

Gefahr für ankernde Wassersportler

Dass etwas getan werden müsse, forderte bereits der Bericht „Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer“ von 2011. Dort wurde festgestellt, dass versenkte Munition eine „Gefahr für Personen mit Tätigkeiten auf dem Meer, die mit Grundberührung verbunden sind, darstellt“. Das beziehe auch ankernde Wassersportler ein. Aber auch im Meer badende Touristen könnten gefährdet werden.

Phosphor am Strand:Das sollten Sie beachten

Mit einem Flyer informieren Land und Kommunen über die Tatsache, dass nach dem Zweiten Weltkrieg auf Veranlassung der alliierten Übergangsregierung Munition in der Lübecker Bucht versenkt worden ist. Technisch sei eine flächendeckende Beseitigung noch nicht möglich, heißt es darin. So sei es denkbar, dass Munition oder Sprengstoffreste an den Strand gelangen.

Wer metallische Gegenstände auffindetund vermutet, dass es sich um Munition handeln könnte, soll sofort die Polizei informieren. Besondere Vorsicht gelte bei Sprengstoffresten. Diese seien im ersten Moment von Steinen nur schwer zu unterscheiden. Auffällig sei jedoch, dass sie Hände und Bekleidung bei Kontakt stark gelb verfärben.

Das Auffinden von Phosphor ist an allen Ostseestränden möglich. Da sich Phosphor in trockenem Zustand und bei Erwärmung entzündet, kann dies zu schweren Verbrennungen führen. Deshalb eine besondere Empfehlung an alle Stein- und Bernsteinsammler: Gesammelte Objekte gehören in ein gesondertes Behältnis, am besten aus Metall und mit Wasser gefüllt.

Von Louis Gäbler

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