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Ostholstein Kein Platz zum Brüten: Vogelschützer wollen Seeschwalben retten
Lokales Ostholstein Kein Platz zum Brüten: Vogelschützer wollen Seeschwalben retten
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15:03 29.09.2019
Umweltschützer Jürgen Leicher beobachtet die weit entfernte Brutinsel auf dem Hemmelsdorfer See mit einem Spektiv. Quelle: Saskia Bücker
Hemmelsdorf

Verschwinden die Seeschwalben, sei das ein schlechtes Zeichen, sagt Jürgen Leicher. Der Umweltschützer beobachtet das Artensterben in Ostholstein mit Sorge. „In den 70ern haben die Fluss-Seeschwalben an der Lübecker Bucht noch zu Tausenden gebrütet“, sagt der 65-Jährige. 1990 wurden die letzten Brutpaare im Neustädter Binnenwasser gesichtet, mit der Grenzöffnung ging der Bestand auch östlich des Priwalls am Ostseestrand zurück. „Heute kann man die Jungvögel an einer Hand abzählen.“

So sieht eine Fluss-Seeschwalbe aus. Quelle: Sylvia Behrens

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Schuld daran habe der Mensch. Denn die Schwalben finden keinen Platz mehr zum Brüten. Die Tiere überwintern auf der Südhalbkugel, oft in Afrika. Den Nachwuchs ziehen sie zwischen Mai und August in ganz Europa auf, früher auch an der Ostsee-Küste. „Eigentlich brüten Fluss-Seeschwalben am Strand, manche auch am Süßwasser-See“, erklärt Leicher. „Aber es gibt hier keine ruhigen Strand- und Uferabschnitte mehr.“ Die Tiere reagierten äußert empfindlich auf Störungen. Zu dicht sei für die Vögel die Bebauung, zu touristisch der Strand, die Landwirtschaft in Ostholstein sehr intensiv genutzt.

Was die Fluss-Seeschwalbe gefährdet

Die natürlichen Brutgebiete der Fluss-Seeschwalbe sind laut dem Bundesamt für Naturschutz durch Ausbau der Gewässer wie Begradigungen, Buhnenbau oder Kiesabbau verloren gegangen. Gerade an der Küste wirkt sich der Gebäudebau negativ auf ihre Bestände aus. Und Touristen besuchen in der Brutzeit zunehmend Kiesbänke und Sandufer, die Fluss-Seeschwalben als Nistplätze nutzen.

Auch der Klimawandel könnte die Tiere in Zukunft stark beeinträchtigen. Erhöht sich der Meeresspiegel, verschwinden die von den Fluss-Seeschwalben bevorzugten Küstenlebensräume. Da die Tiere abhängigvon überflutungssicheren und störungsarmen Lebensräumen sind, liegen alle bedeutenden Brutkolonien in Schutzgebieten.

Künstliche Brutinseln für Schwalben als Lösung?

Also wurde der Vogelschützer kreativ. Seine Idee: Künstliche Brutinseln auf dem Wasser errichten. An Stellen, wo niemand so einfach hinkommt. Die Wahl fiel auf den Hemmelsdorfer See. Das sei ein Ort, an dem es noch vergleichsweise ruhig ist. „Es gibt hier kaum Badestellen, keine Wanderwege direkt am Ufer und nur wenige Boote auf dem Wasser“, sagt Leicher. In der Gegend kennt sich der 65-Jährige aus, er war viele Jahre Leiter des Umweltamtes in Ratekau, ist Mitglied beim Umweltschutzverein Sereetz und sitzt im Vorstand der Naturschutz-Organisation BUND auf Landesebene.

Abstand halten sollten Privatpersonen von diesem langen Aluminium-Koloss im Hemmelsdorfer See. Denn dort brüten die in Ostholstein nur noch selten auftauchenden Fluss-Seeschwalben. Sehen Sie hier einige Bilder.

Am Hemmelsdorfer Fischereihafen lagen noch alte Aluminium-Pontons im Wasser. Die ließ Leicher umbauen, die Löcher verschweißen. Zum Schluss schichtete er noch Sand auf dem Floß auf. Mit Hilfe von Motorbooten der Freiwilligen Feuerwehr wurde eine schwimmende Brutinsel weit entfernt vom Hafen auf dem Hemmelsdorfer See platziert und verankert.

Erste Schwalben nisten auf dem Hemmelsdorfer See

Das war vor drei Jahren. Diese Saison nehmen erste Tiere die künstliche Fläche zum Brüten an. „Wir haben elf Jungvögel gezählt“, berichtet Hobby-Ornithologe Rainer Santelmann, der das Projekt mitbegleitet. „Vergangenes Jahr waren es nur vier.“ Der 69-Jährige hat das Schwimmfloß von seinem Küchenfenster aus mit dem Fernglas praktischerweise immer im Blick, sein Haus steht direkt am Ufer des Hemmelsdorfer Sees.

Die Vogelkenner Rainer Santelmann (69, rechts) und Herwart Bansemer (80) helfen bei der Betreuung der Brutinsel auf dem Hemmelsdorfer See. Quelle: Saskia Bücker

Laut den Vogelschützern fehlen in Ostholstein Schutzgebiete, in denen bedrohte Arten Zuflucht finden. Solange es die nicht gibt, wollen sie weitere künstliche Brutinseln installieren. Eine Aluminium-Plattform stehe bereits kurz davor, zu Wasser gelassen zu werden. „Das klappt aber nur in Gemeinschaftsarbeit“, betont Leicher. Bis zur Fertigstellung allein dieses einen Floßes sei es ein weiter Weg gewesen. Denn zuerst musste es vom Grund des Sees geborgen werden.

Freiwillige Feuerwehr hilft beim Vogelschutz

Das Ponton hatte ein Leck, war mit Wasser vollgelaufen und gesunken. „Wir haben dann glücklicherweise Hilfe von der Freiwilligen Feuerwehr Hemmelsdorf und den Rettungsschwimmern von der DLRG bekommen“, sagt Leicher. Ausgerüstet mit Neoprenanzügen, Seilen, Gurten und einem speziellen Hydraulik-Kran gelang es, das mehrere Tonnen schwere Aluminium-Floß aus dem Wasser zu ziehen.

Die Freiwillige Feuerwehr Hemmelsdorf hat eine gesunkene Brutinsel aus Aluminium in einer aufwändigen Aktion vom Grund des Hemmelsdorfer Sees geborgen: Justin Seestädt und Evely Westphal (vorne) sowie Harald Möller und Hendrik Wenske (hinten, v. l.). Quelle: Saskia Bücker

Feuerwehrmann Justin Seestädt erinnert sich noch gut an den Einsatz. „Wir waren rund fünf Stunden im Wasser, bis wir das Teil endlich draußen hatten“, erzählt der Feuerwehrmann. „So oft macht man sowas nicht, also war es für uns eine gute Übung.“ Ein Trecker habe den Ponton dann abtransportiert und zu einem Schweißer gebracht.

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Wo genau die nächste Brutinsel für Seeschwalben platziert wird, sei noch unklar. So ein Floß sei natürlich nur ein kleiner Schritt, räumt Leicher ein. „Aber wir müssen auch im Kleinen gegen das Artensterben gegensteuern.“ Schließlich verschwänden Tiere heutzutage so schnell von der Erde wie seit dem Aussterben der Dinosaurier nicht mehr.

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Von Saskia Bücker

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