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Ostholstein Kein Sprung ins Wasser: Badestege gesperrt
Lokales Ostholstein Kein Sprung ins Wasser: Badestege gesperrt
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07:00 28.08.2019
Die idyllische Badestelle am Krummsee lockt viele große und kleine Badegäste an. Einige nutzten trotz der Sperrung des Steges die Anlage als Sonnenbank und die Badeinsel zur Schwimmpause. Quelle: Dirk Schneider
Ostholstein

Der Spätsommer ist heiß. Die Menschen schwitzen. Ostholsteins Badeseen versprechen Abkühlung. Doch der buchstäbliche Sprung ins Wasser ist in Malente verboten. Hintergrund der Sperrung von Steganlagen, Sprungtürmen, Wasserrutschen und Badeinseln ist ein knapp zwei Jahre altes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH), das mittlerweile in den Kommunalverwaltungen hohe Wellen schlägt.

Auslöser des Rechtsgutachtens war der Unfall eines zwölfjährigen Mädchens im Sommer 2010 in einem kommunalen Freibad im Raum Koblenz. Das Kind hatte sich im Befestigungsseil einer Boje verheddert, das sie unter Wasser zog. Das Mädchen wurde gerettet, erlitt aber massive Hirnschäden. Die Kommune wurde auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt. Die detaillierte Entscheidung über diese Ansprüche verwies der BGH an die Vorinstanzen zurück. Zugleich konkretisierten die Richter die Pflichten der Badeaufsicht.

Gemeinden haben eine Verkehrssicherungspflicht

Aufgeschreckt durch dieses Urteil hat der Versicherungsverbund Kommunaler Schadenausgleich (KSA) die Städte und Gemeinden gewarnt. „Wer eine Gefahrenquelle schafft, hat eine Verkehrssicherungspflicht“, zitiert der KSA das BGH-Urteil. Daraus folge, dass die Kommunen auch bei Steganlagen und Badeinseln, von denen ins Wasser gesprungen werde, für etwaige Unfallfolgen haftbar gemacht werden könnten.

Malentes Bürgermeisterin Tanja Rönck ist verärgert über die enge Rechtsauslegung: Der Versicherungsbund weise darauf hin, dass „entsprechende Einrichtungen das Verletzungs- und Ertrinkungsrisiko erhöhen“ und „ohne die Beaufsichtigung nicht angeboten“ werden sollten. „Leider sind wir nicht in der Lage, die geforderte Aufsicht an allen gemeindeeigenen Seen zu stellen“, sagt Rönck.

An der Badestelle am Neukirchener See nutzen Mensch und Hund das Wasser weiterhin für eine Abkühlung. Die Badeinsel darf allerdings nicht mehr für eine Pause genutzt werden. Quelle: Dirk Schneider

Es gibt kein Badeverbot

In der Konsequenz habe die Gemeinde, die Stege und Badeinseln an den öffentlichen Badestellen in Neukirchen, Krummsee und Benz-Nüchel sperren lassen. „Das ist aber kein allgemeines Badeverbot“, betont Rönck. Über die jeweiligen Strände und Uferzonen dürfen und sollen die Schwimmer weiterhin ins Wasser gehen. Und im bewachten Strandbad am Dieksee könnten Sprungturm und Wasserrutsche weiterhin genutzt werden.

Silke und Anna Schütz, die seit Jahrzehnten zum Schwimmen die idyllische Badestelle im Wald am Krummsee nutzen, halten die Sperrung der gerade neu gemachten Steganlage für eine überzogene Reaktion. So stelle die Barke, die nun sicherlich überklettert oder umgangen werde, ein höheres Gefahrenpotenzial als der Steg selbst dar, den die meisten Badegäste nicht als Sprungturm, sondern als Sonnenbank nutzen würden. „Und wenn die Anlage nicht mehr gepflegt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass was passiert“, befürchtet Anna Schütz.

Lothar Schielmann, Corinna Behau und Tanja Rüdiger genießen mit ihren Hunden das erfrischende Bad im Neukirchener See. Ihre Beobachtung: „Ohne Badeinsel und Sprungbrett verliert die Anlage ihren Reiz für die Jugendlichen." Quelle: Dirk Schneider

Auch in Neukirchen, wo am Ende des ebenfalls frisch renovierten Stegs ein Sprungbrett demontiert wurden, reagieren Lothar Schielmann, Corinna Behau und Tanja Rüdiger ebenfalls mit Unverständnis auf die Sicherheitsmaßnahme. „Das war die Attraktion für die vielen Kinder und Jugendlichen, die oft aus dem benachbarten Zeltlager hierher gekommen sind“, sagt Schielmann. Vor allem die Insel, die nun ungenutzt im See treibe, habe sich als wahrer Anziehungspunkt für Spiel und Spaß erwiesen. Und selbst bei größtem Andrang sei noch nie etwas passiert. „Das ist nun vorbei und keiner von uns versteht warum“, sagt Tanja Rüdiger.

Die Badeinsel ist für viele Kinder die Hauptattraktion: Ella und Linus haben kein Verständnis für die Sperrung der Spielstation im Benzer See. Quelle: Dirk Schneider

Ähnlich traurig blicken Emma und Linus auf den Ponton namens Seeadler, der als Spielstation im Benzer See treibt. „Normalerweise sind wir mit bis zu 15 Kindern und Jugendlichen hier“, erzählt Ella. Zudem seien meist auch einige Erwachsene anwesend. „Wenn wir miteinander schwimmen und auf dem Schiff toben, passen wir auch aufeinander auf“, sagt Ella.

Suche nach einer Lösung

Diese lobenswerte Solidarität könne eine offizielle Badeaufsicht leider nicht ersetzen, stellt Malentes Hauptamtsleiter Dirk Schmidt fest. „Und weil wir diese Aufgabe personell nicht erfüllen können, müssen wir jetzt nach einer anderen Lösung suchen.“ Im Laufe des Herbst werde man sich auch mit anderen Gemeinden beraten, die ebenfalls von dem Problem betroffen seien, kündigt Schmidt an. Dafür müssen die Malenter allerdings über die Kreisgrenzen schauen. Denn die meisten Ostholsteiner Orte wie Eutin, Bosau, Pönitz und Offendorf verfügen über bewachte Badeanstalten und Strandbäder, die von dieser der Regelung nicht betroffen sind.

Von Dirk Schneider

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