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Ostholstein Keine Ferienwohnungen: Warum sich Scharbeutzer über Verbotspläne ärgern
Lokales Ostholstein Keine Ferienwohnungen: Warum sich Scharbeutzer über Verbotspläne ärgern
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17:00 25.06.2019
Scharbeutz, Wohngebiet an der Lindenallee, Ärger über neuen B-Plan Nr. 95, sieht unter anderem keine weiteren Ferienwohnungen vor Quelle: Sabine Latzel
Scharbeutz

Keine weiteren Ferienwohnungen mehr, strenge Regeln für künftige Bebauung sowie die Gestaltung von Fassaden und Dächern, noch dazu eine Art „Hecken-Pflicht“: Der B-Plan Nummer 95 treibt die Aktiven von der Wirtschaftsvereinigung Scharbeutz (WVS) um. „Verabschiedet sich Scharbeutz stückchenweise vom Tourismus?“, fragen sie in einer öffentlichen – auch in den LN geschalteten – Anzeige. Der Vorsitzende des Bauausschusses, Christian Dwars (CDU), hält dagegen: Weiterer „Wildwuchs“ im strandnahen Gebiet an der Lindenallee solle verhindert werden, zudem könnten die Anlieger noch Einwände einreichen.

Bisher gilt in dem Gebiet lediglich das Einfügungsgebot

Schmucke Einfamilien- und Doppelhäuser, gepflegte Gärten, viele Carports mit überwiegend sauberen Autos darin, hohe Bäume und eine Hanglage, die mitunter einen Blick auf die Ostsee erlaubt: Das Wohngebiet an der Scharbeutzer Lindenallee, neben der Fußgängerbrücke über die Strandallee gelegen, ist zweifellos eine schöne Gegend. Was die Bebauung betrifft, gilt dort bislang lediglich das sogenannte Einfügungsgebot nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches, was – verkürzt formuliert – bedeutet, dass sich Bauvorhaben in die nähere Umgebung einfügen müssen. Eine dehnbare Regelung, mit der es aber bald ein Ende haben soll.

Mit 10:1 Stimmen ist der Vorentwurf zum Bebauungs-Plan Nr. 95 für das Gebiet Anfang Juni im Bauausschuss gebilligt worden. Sein Inhalt hat Vertreter der WVS bewogen, oben genannte Anzeige zu veröffentlichen. Außerdem haben die beiden Anwohner Rainer Dohms und Lutz Kopperschmidt ein Informationsblatt an ihre Nachbarn in der Lindenallee zwischen der Ecke Strandallee und Konsulweg sowie für die Straße Auf der Breede und den Nöltings-, den Buchen-, den Eichen- und den Ahornweg verteilt.

In welchem Maß sollen die Grundstücke bebaut werden dürfen?

Rainer Dohms ist CDU-Gemeindevertreter, und für die Anzeige zeichnet Lars Hoffmann verantwortlich, bürgerliches Mitglied für die CDU im Umweltausschuss. Hoffmann bezeichnet den B-Plan für das 7,5 Hektar große Areal in der WVS-Anzeige als „so rigide, dass man ihn als einen Eingriff in die Eigentumsrechte verstehen kann“. Die Gründe: zahlreiche Grundstücke dürften nur noch eingeschossig bebaut, ein Teil könne wegen enger Baugrenzen nur noch als Grünfläche genutzt werden. „Damit wird eine Nachverdichtung von großen Grundstücken (...) unmöglich“, heißt es.

„Es soll keine ausufernde Verdichtung auf freien Grundstücken geben“, sagt dazu der Bauausschuss-Vorsitzende Dwars. Verkauften Alt-Eigentümer ihre Grundstücke, würden die Käufer auf den Flächen „alles bauen, was geht“. Dadurch werde eine gewachsene Struktur zerstört. Zudem solle für die künftige Bebauung die Grundflächenzahl (GRZ) 0,25 gelten, was bedeute, dass immerhin 25 Prozent der Grundstücksfläche überbaut werden dürfen. „Warum aber gilt für den Buchenweg die GRZ 0,25 und für den Eichenweg gegenüber die GRZ 0,3?“, moniert Rainer Dohms. „Solche Einzelheiten müssen noch diskutiert werden“, sagt Dwars dazu.

Weitere Ferienwohnungen sollen keine Genehmigung erhalten

Geplant ist auch, „das Gegeneinander von Dauernutzung und Feriennutzung“ in dem Gebiet eindämmen. Heißt: „Genehmigte Ferienunterkünfte haben Bestandsschutz, weitere touristische Nutzungen sind jedoch nach dem neuen B-Plan nicht erlaubt“, erklärt Dwars. Laut Begründung des Vorentwurfs gibt es neun genehmigte Ferienobjekte, beispielsweise ein kleineres Appartementhaus. Tatsächlich sind es wohl aber einige Ferienwohnungen mehr, wie auch Rainer Dohms einräumt: „Die Leute leben ja von der Vermietung, und Feriengäste bringen dem Ort viel Geld.“

Nach derzeitigem Stand dürften derzeit nicht genehmigte Ferienwohnungen auch nachträglich keine Lizenz erhalten – was an den Konflikt um die Vermietung von Ganghäusern in der Lübecker Altstadt erinnert. „Die Umwandlung von Dauerwohnungen in Ferienwohnungen beziehungsweise der Ersatz von Dauerwohnhäusern durch Neubauten mit Ferienappartements sind an dieser Stelle im Ortsgefüge der Gemeinde Scharbeutz ausdrücklich nicht gewünscht“, lautet der entsprechende Text im Vorentwurf: „In den letzten Jahren ist entlang der Ostseeküste geradezu ein Boom an Ferienwohnungsvermietungen entstanden. Daraus resultierend wird es für die einheimische Bevölkerung zunehmend schwierig, Dauerwohnraum zu finden.“

Anwohner warnen vor einem Wertverlust

Um kleinteilige Bebauung in dem Gebiet zu erhalten, soll die Zahl der Wohnungen in Wohngebäuden außerdem begrenzt werden. „Lediglich im strandnahen Bereich und am Ahornweg überwiegen Appartementhäuser mit größerer Wohnungsanzahl, die von dieser Regelung ausgenommen bleiben“, steht im Vorentwurf. Diese Ausklammerung sei unverständlich, heißt es in der Anwohner-Information. Und: „Auch im Vergleich zu den B-Plänen in anderen Quartieren fällt auf, dass dort die Vorgaben längst nicht so rigide sind.“

Moniert werden weiterhin die Vorgaben zur Fassadengestaltung und zu den Dachformen. „Größere Stellplatzanlagen“ seien zudem künftig „mit Hecken abzuschirmen“. „Vorgesehen ist eine gewisse Einheitlichkeit“, bestätigt Dwars. „Die Fassaden sollen in Weiß oder Rot, die Dächer in Rot oder Anthrazit gehalten sein, lasierte Dachziegel werden nicht genehmigt.“ Die Anwohner-Initiative wertet diese Vorgaben als „massive Einschränkung“ und warnt vor dem Wertverlust der Grundstücke. „Diese sind doch für viele Menschen eine Altersvorsorge“, meint Rainer Dohms.

„Sieben hochwertige Eigentumswohnungen“ entstehen derzeit im Konsulweg. Quelle: Sabine Latzel

Er habe Verständnis für die Kritik, meint der Bauausschuss-Vorsitzende. „Natürlich zahlt ein Investor mehr für ein Grundstück, auf dem er 800 bis 900 Quadratmeter Nutzfläche bauen darf, als für eines, auf dem nur 300 bis 500 Quadratmeter möglich sind.“ Er verweist darauf, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit in dem Verfahren noch ausstehe. Der B-Plan werde ab kommender Woche ausgelegt, „und dann werden die Einwände – auch die der Anlieger – vom Planungsbüro aufgenommen“. Bis der B-Plan endgültig beschlossen werde, könnte es noch neun bis zwölf Monate dauern, schätzt er.

Rainer Dohms hofft darauf, dass möglichst viele Anlieger ihre Einwände einreichen – „und natürlich, dass diese auch berücksichtigt werden“. Er appelliert zudem an die Bürger, sich in den Einwohnerfragestunden zu Wort zu melden – etwa im Zuge der Gemeindevertretersitzung am Mittwoch, 26. Juni. Dazu fordert auch die WVS auf.

Vorlagen zu den Sitzungen

Über neue B-Pläne und überhaupt Vorhaben der Gemeinde sprechen die Kommunalpolitiker in den verschiedenen Ausschuss-Sitzungen, wo auch abgestimmt wird – wobei häufig die endgültigen Entscheidungen während der Gemeindevertretersitzungen fallen. Wann welche Sitzung stattfindet, geben die Gemeinden auf ihren Internet-Seiten bekannt, üblicherweise im Sitzungskalender. Dort finden sich auch die jeweiligen Entwürfe und Vorlagen, sofern sie veröffentlicht werden dürfen.

Die nächste Gemeindevertretersitzung in Scharbeutz findet am Mittwoch, 26. Juni, um 18 Uhr im Kurparkhaus statt. Dabei stehen auch mehrere Bebauungspläne auf der Tagesordnung, außerdem der Skatepark und die Partnerschaft mit Lagoa (Portugal).

Sabine Latzel

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