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Ostholstein Kinder in Gefahr: Elterntaxis werden vor Schulen zum Problem
Lokales Ostholstein Kinder in Gefahr: Elterntaxis werden vor Schulen zum Problem
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10:36 30.09.2019
Manche Eltern fahren ihre Kinder so dicht wie möglich an den Schulhof der Weberschule in Eutin heran. Dabei herrscht dort Halteverbot. Quelle: Saskia Bücker
Eutin

An Schulen in ganz Ostholstein kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis direkt vor die Bildungseinrichtungen fahren – und dabei die Straßenverkehrsordnung missachten. Das beobachten Schulleiter, andere Verkehrsteilnehmer, die Polizei und Gemeindevertreter.

Beispielsweise in Eutin, wo Eltern in die kleine Stichstraße vor dem Carl-Maria-von-Weber-Gymnasium fahren, im Kreis wenden und direkt vor dem Schulhof stoppen. Nina Behrendt ärgert das. Sie arbeitet im Vorzimmer der Hautarztpraxis Behrendt, die nahe der Carl-Maria-von-Weber-Schule gelegen ist. Um zu ihrem Praxis-Parkplatz zu kommen, müsse sie sich morgens an ebendiesen Autos vorbeizwängen. „Zwischen 7 und 8 Uhr parken die Eltern teilweise direkt in der Einfahrt“, erzählt sie.

„Viele Autofahrer halten sich nicht an das Halteverbot vor der Weber-Schule“, sagt Nina Behrendt (73), die in einer Arztpraxis um die Ecke arbeitet. Quelle: Saskia Bücker

Elterntaxis blockieren den Straßenverkehr in Eutin

„Einmal ist mir ein Fahrer fast in die Seite gefahren“, berichtet die 73-Jährige. Verständnis habe er nicht gezeigt – stattdessen den Stinkefinger. „Dabei herrscht an beiden Seiten der Straße absolutes Halteverbot“, sagt Behrendt verärgert. Es seien an der Ecke auch viele Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. „Was ist, wenn da etwas passiert?“, fragt sie sich.

„Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ müssen laut der Straßenverkehrsordnung vor Schulen und Kindergärten besonders beachtet werden. Quelle: Saskia Bücker

Auch Iris Portius, Schulleiterin des Carl-Maria-von-Weber-Gymnasiums, sorgt sich um die sogenannten Elterntaxis. Das sei schon seit Jahren ein Problem. „Wir bitten Eltern regelmäßig in Briefen, die Kinder lieber am Stadtgraben- oder Sparkassen-Parkplatz rauszulassen“, sagt sie. Direkt vor dem Schultor parken, das sei nicht in Ordnung. „Das ist teilweise sogar gefährlicher, als weiter weg zu parken, weil beim Drehen und Wenden gefährliche Situationen entstehen können.“

Schulweg allein bewältigen: Eltern haben Angst

Rund 80 Prozentder Eltern haben Angst, wenn ihr Grundschulkind ohne Begleitung Erwachsener zur Schule oder bis zur nächsten Haltestelle des Schulbusses oder öffentlicher Verkehrsmittel geht. Das ist das Ergebnis einer ADAC-Online-Umfrage unter 1009 Eltern von Grundschulkindern.

Wissenschaftliche Studien zeigen aber auch: Das eigene Kind in die Schule zu fahren ist gefährlicher, als es selbst gehen zu lassen. Laut ADAC gefährdeten vor der Schule in vielen Fällen Eltern durch regelwidriges Anhalten oder riskante Wendemanöver die Sicherheit anderer Schulkinder und Verkehrsteilnehmer. Durch regelmäßige Hol- und Bringdienste gehe zudem die selbständige Mobilität von Schulkindern immer mehr verloren.

„Diese besondere Herausforderung tritt an allen Schulen im Stadtgebiet besonders morgens im Berufsverkehr auf“, berichtet auch Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. Maßnahmen dagegen seien in der Vorbereitung. „Unser Fachdienst Öffentliche Sicherheit plant in den kommenden Wochen Aufklärungsarbeit direkt vor Ort gemeinsam mit den Kollegen vom ruhenden Verkehr und der Polizei“, kündigt Stein-Schmidt an.

Heiligenhafen: Elterntaxis halten Schulbus-Verkehr auf

Der Polizei bekannt sind auch Fälle, wo Eltern eine Busspur vor einer Oldenburger Schule blockiert haben. Ähnliche Situation an der Warder-Schule in Heiligenhafen: „Es nimmt zu, dass Eltern ihre Kinder gerade für kurze Strecken mit dem Auto absetzen“, berichtet Schulleiter Jan Warnecke. Vor dem Gelände der Gemeinschaftsschule stoppten Eltern gerne an einem Kreisel. Eigentlich herrscht dort Halteverbot, nur Schulbusse dürfen dort halten. „Das behindert den Verkehr“, sagt Warnecke.

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Es gebe eigentlich die klare Ansage, auf einen großen Parkplatz auf dem Gelände zu fahren. Aber auch dort gilt: „Je mehr Autos auf den Parkplatz fahren, umso unübersichtlicher wird es“, sagt Warnecke. „Es wäre entspannter für alle, wenn die Kinder häufiger zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen.“ Auch für die Umwelt sei das schließlich besser.

Nach Unfall in Neustadt: „Drive In“ für Eltern

Vor der Grundschule Neustädter Bucht gab es vor vier Jahren bereits einen Unfall, bei dem ein zur Straße hin aus dem Auto aussteigendes Kind vor dem Gebäude angefahren wurde und ins Krankenhaus musste. „Daraufhin wurde die Straße in eine Einbahnstraße umgewandelt“, sagt Schulleiterin Michaela Grave. Dort gilt absolutes Halteverbot. Allerdings gebe es als Kompromiss einen „Drive In“: Eltern dürfen zwischen 8 und 15 Uhr kurz dort anhalten. Ein Großteil lasse die Kinder aber inzwischen an Parkplätzen um die Ecke raus. „Aber es gibt ein paar Hardliner an Helikopter-Müttern, die ihre Kinder die letzten Meter nicht alleine zur Schule gehen lassen“, sagt Grave.

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Eltern-Taxis sind auch Dauer-Gesprächsthema zwischen den Schulen und der Gemeinde Timmendorfer Strand. Das berichtet Cordula Braun, Schulleiterin des Ostsee-Gymnasiums (OGT). Die Polizei weiß von Fällen, wo es zu Behinderungen in der Sackgasse vor einer Schule in Timmendorfer Strand kam. Ein gesondert errichteter Parkplatz in Schulnähe werde von den Eltern schlicht nicht angenommen. Man versuche, mit kleinen Dingen die Verkehrssituation sicherer zu machen, sagt Braun: etwa durch Schülerlotsen oder das Anbringen von Spiegeln an schlecht einsehbaren Ecken.

„Eltern schulpflichtiger Kinder sollten nach Möglichkeit Abstand vom sogenannten Elterntaxi nehmen“, appelliert Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Kinder seien sowieso schon durch die bloße Teilnahme am Straßenverkehr psychisch und physisch stark gefordert. Die Polizei setze überall in Ostholstein auf Kontrollen vor den Schulen, um Eltern über die Gefahren aufzuklären.

Von Saskia Bücker

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