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Ostholstein Kinderarmut: Kirche will Alleinerziehenden helfen
Lokales Ostholstein Kinderarmut: Kirche will Alleinerziehenden helfen
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15:42 28.03.2019
Vanessa mit ihrer kleinen Tochter beim Spaziergang am See. Die junge Frau hat in ihrem Leben schon einiges mitgemacht. Quelle: Kirchenkreis Ostholstein (hfr)
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Ostholstein

Immer mehr Menschen sind von Armut betroffen. Darunter sind viele alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern. Deshalb hat der Kirchenkreis Ostholstein jetzt einen „Runden Tisch gegen Kinderarmut“ organisiert. Vertreter der Kreisausschüsse, des Jobcenters und weitere Entscheider aus Ostholstein nehmen teil. Wie man mit wenig Geld durch den Monat kommt, schildert Vanessa, die eine kleine Tochter zu versorgen hat und beim Kirchenkreis Rat suchte.

„Ich bin in vielen verschiedenen Einrichtungen aufgewachsen“, sagt Vanessa nüchtern. Ab ihrem dritten Lebensjahr war sie zu Hause nicht mehr sicher. Mit 13 schritt das Jugendamt wegen Kindeswohlgefährdung ein. Sie landete in Kinder- und Jugendeinrichtungen, später folgten Aufenthalte in Kliniken. Mit 19 lernte sie den Vater ihrer Tochter kennen.

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Bestand hatte die Beziehung nicht. Vanessa ging wieder zur Schule, bis zur Baby-Pause. „Die Kleine ist mein Leben.“ Deshalb will Vanessa auch alles richtig machen. Als sie jetzt mit der Schule wieder anfing, war sie zu eifrig. Nach einem Zusammenbruch im Januar lieferte sie sich selbst in eine Klinik ein, aus Sorge um ihre Tochter.

Leben mit 778 Euro monatlich

Sorge bereitet die finanzielle Situation der beiden. Der Hartz-IV-Regelsatz für einen Haushaltsvorstand beträgt 424 Euro. Vanessa bekommt außerdem 160 Euro von der Unterhaltsvorschusskasse und 194 Euro Kindergeld, was zusammen 778 Euro macht. Die Wohnkosten werden direkt überwiesen, aber die Stromkosten in Höhe von 85 Euro muss die junge Frau noch davon abziehen. Ebenso wie 30 Euro für das Essen in der Kita sowie einige Kosten für die Schule, etwa für Papier, Bücher, Kurse und obligatorische Ausflüge.

„Ab Mitte des Monats fange ich an, das Geld zu zählen“, erzählt Vanessa. „Mit dem Geld kommt man aus. Knapp, aber man kommt aus“, sagt sie. Was sich ändern sollte, in der Politik, bei den Ämtern? Vanessa überlegt nicht lange. „Dass sie einem zuhören, und einen nicht in eine Schublade stecken“, sagt sie. Mehr Respekt wünscht sie sich.

Runder Tisch in Eutin

So wie Vanessa geht es vielen alleinerziehenden jungen Frauen in Ostholstein. Der Kirchenkreis Ostholstein veranstaltet den „Runden Tisch gegen Kinderarmut“ am 2. April in Eutin. Die Veranstaltung ist allerdings nicht öffentlich.

lg

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