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Ostholstein Kirchengemeinde-Versammlung zur Bäderregelung
Lokales Ostholstein Kirchengemeinde-Versammlung zur Bäderregelung
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20:15 06.01.2014
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Timmendorfer Strand

Der kommende Sonntag ist der erste in diesem Jahr, an dem die Geschäfte in den Urlaubsorten nach der neuen Bäderregelung nicht öffnen dürfen. Das steht schon lange fest, Ruhe kehrt aber deshalb nicht ein. In Timmendorfer Strand machen Befürworter und Gegner des ausgehandelten Kompromisses zu den Sonntagsöffnungszeiten mobil — also die Kirche auf der einen und der Einzelhandel auf der anderen Seite.

Zu einer Gemeinde-Versammlung mit dem Hauptpunkt „Bäderregelung — kein Kirchenthema“ lädt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Timmendorfer Strand zu Sonntag, 19. Januar, ein (Pastor-Pfeiffer-Haus, Zur Waldkirche 1, 11.15 Uhr). Katrin Grundei, Rechtsanwältin und zugleich Mitglied des Kirchengemeinderates, soll über die juristischen Grundlagen der aktuellen Bäderregelung informieren, nach der die Läden vom 9. Januar bis Mitte März sonntags geschlossen bleiben müssen. Gegen die alte Regelung — ununterbrochene Sonntagsöffnung vom 15. Dezember bis 31. Oktober — hatten die Kirchen geklagt, diese Klage jedoch nach zähen Verhandlungen zurückgezogen.

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„Es gibt einen rechtlichen Rahmen, der nicht genügend zur Kenntnis genommen wird“, sagt der Timmendorfer Pastor Thomas Vogel und verweist auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Dezember 2009, das dem im Grundgesetz festgeschriebenen Schutz des Sonntages Vorrang einräumt: „Keine Interessenvertretung, keine Partei, keine Regierung, keine Kirche, Gewerkschaft oder Einzelmeinung kann von diesem Rahmen absehen.“ Vogel hatte sich zu Beginn der Debatte vor vier Jahren zunächst gegen die Klage und für die alte Bäderregelung ausgesprochen. Mittlerweile unterstützt er aber den ausgehandelten Kompromiss: „Ohne den haben wir gar nichts — und dann müssten die Geschäfte vielleicht komplett schließen.“ Häufig würde es jetzt aber so dargestellt, „als würde die Kirche Arbeitsplätze vernichten, was überhaupt nicht stimmt“.

Heinz Meyer, Vorsitzender der Aktivgruppe für Handel und Gewerbe in Timmendorfer Strand, spricht hingegen weiterhin von einer „Willkürmaßnahme“ der Kirchen. „Sie hätten die Klage doch nicht einreichen müssen. Bis dahin gab es ein gutes Miteinander.“ Meyer, dem mehrere Schuh- und Modegeschäfte an der Küste gehören, erklärt, er habe aufgrund der neuen Regelung vier Aushilfskräfte freistellen müssen. Er lasse derzeit Plakate anfertigen, berichtet er, mit denen die Geschäftsleute ab Sonntag ihren Kunden erklären, warum geschlossen ist.

Eine komplette Abschaffung des Ladenschlussgesetzes fordert derweil die FDP Ostholstein. „Eine Öffnungszeit nach der Kirchenzeit durchgängig für das ganze Jahr wäre ein Kompromiss“, heißt es in einer Mitteilung: „So können beide Seiten davon profitieren.“ latz

LN