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Ostholstein Kitesurf World Cup auch 2018 auf Fehmarn
Lokales Ostholstein Kitesurf World Cup auch 2018 auf Fehmarn
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12:45 09.12.2017
Jetzt also doch: Fehmarn rettet – vorerst für 2018 – den Kitesurf World Cup am Burger Südstrand. *FOTOS: OLAF MALZAHN
Fehmarn

Damit bahnt sich plötzlich eine längerfristige Zukunft für das Sportspektakel an. Das sah vor wenigen Wochen noch ganz anders aus. Im Rückblick liest sich die vorläufige Rettung der Veranstaltung wie ein Krimi mit Überraschungseffekten. Denn nach einem „interfraktionellen Abstimmungsgespräch“ zum Wirtschaftsplan 2018 des Tourismus-Service Fehmarn (TSF) Mitte November schien der Cup, der vor zwei Jahren von St. Peter-Ording mit großen Hoffnungen von der Nord- an die Ostsee gewechselt war, bereits mausetot.

Mit einem Kraftakt ist Fehmarns Mega-Ereignis vorerst gerettet. 2018 soll der Kitesurf World Cup, der etwa 100 000 Besucher auf die Insel lockt, wieder stattfinden. Bis zuletzt stand hinter der lukrativen Veranstaltung ein Fragezeichen. Jetzt will die Stadt die ehemalige Spielwiese als Festivalfläche zurückkaufen.

Millionenspiel

3,85 Millionen Euro hat die Stadt Fehmarn vor zehn Jahren von den holländischen Hotel-Investoren durch den Verkauf der Spielwiese erhalten.

Das Geld wurde dringend benötigt, um den städtischen Anteil am rund 8,8 Millionen Euro teure Erlebnisbad „FehMare“ zu finanzieren.

Das Problem, das hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, ist nicht ganz neu. Kiten in dieser Größenordnung mitten in der Hauptsaison, wenn die Sonneninsel ohnehin schon rappelvoll ist, war touristischen Partnern – wie den Campingwirten, Hotelbetreibern und Privatvermietern – zunehmend ein Dorn im Auge und nicht mehr vermittelbar.

Doch dann kam Matthias Neumann, Geschäftsführer der Hamburger Agentur „Act Agency“, die das Großereignis ausrichtet, eigens auf die Insel. „Bei uns ist eine kleine Bombe eingeschlagen“, kommentierte er die Absage. Doch im öffentlich tagenden Tourismus-Ausschuss kämpfte er hartnäckig um seinen „Rohdiamanten“. Nach seinen Angaben sorgte er 2017 für 623 Millionen Medienkontakte – darunter allein 53 größtenteils bundesweit ausgestrahlte TV-Berichte. 2016 waren es bei der Fehmarn-Premiere „nur“ 387 Millionen gewesen.

Das sind Größenordnungen, die das Team um Tourismusdirektor Oliver Behncke und Veranstaltungsleiterin Dr. Andrea Opielka schwindelig werden lassen. Im Klartext: Der TSF müsste sehr viel Geld in die Hand nehmen, um vergleichbare überregionale PR-Effekte zu erzielen.

Die entscheidende Kehrtwende brachte eine Terminverschiebung. Die Veranstaltung soll jetzt nicht vom 3. bis 12. August mitten in der Hauptsaison stattfinden, sondern vom 24. August bis 2. September – quasi als optimale Saisonverlängerung auf der Insel. Das beruhigte die Gemüter. „Dieser Kompromiss soll für ein Jahr gelten“, erklärte hinterher der Ausschuss-Vorsitzende Gert Jacobsen (FWV).

Die erforderlichen Einsparungen, um die Veranstaltung zu wuppen, fielen dem Ausschuss relativ leicht. Gestrichen wurde ein Beachvolleyball-Masters als Alternativ-Großveranstaltung (70000 Euro) und die Beseitigung der Betonplatte auf dem früheren Sportpark-Gelände (75000 Euro). Und auch das Gutachten für die alternative Festivalfläche im Ort Gold für rund 60000 Euro wird erst einmal gespart. Das letzte Wort hat jetzt die Stadtvertretung Fehmarn am 14. Dezember.

Doch es gibt weitere Möglichkeiten mit noch ungewissem Ausgang. Eventuell kann das Thema Gold sogar ganz gestrichen werden. Denn entweder zahlt sich der Kitesurf World Cup zum späten Termin nicht aus, dann ist nach 2018 Schluss. Sollte dies passieren, würden Veranstaltungen wie das Bulli-Festival oder ein eventuelles neues Hendrix-Revival die immensen Kosten für Gold nicht rechtfertigen, sagte Jacobsen.

Oder es bahnt sich eine ganz andere Wendung an. Die Stadt Fehmarn hat dem holländischen Hotelinvestor van Herk angeboten, die Spielwiese in Burgtiefe zurückzukaufen. Die Idee ist nicht neu, blieb aber jahrelang eine bloße Utopie. Doch über den Fördertopf „Städtebaulicher Denkmalschutz“ für die „Arne-Jacobsen- Siedlung“ stehen plötzlich Gelder von 3,59 Millionen Euro zur Verfügung. Das könnte der Stadt entscheidend helfen, ihren Anteil von einem Drittel einer möglichen Kaufsumme zu stemmen. „Eine Antwort aus Rotterdam gibt es aber noch nicht“, sagte Bürgermeister Jörg Weber (SPD).

 Gerd-J. Schwennsen

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