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Ostholstein Kinder dürfen nicht zum zweiten Mal zu Opfern werden
Lokales Ostholstein Kinder dürfen nicht zum zweiten Mal zu Opfern werden
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11:13 28.08.2019
Die Mutter, die sich ihre Kinder in den Rollstuhl gezwungen haben soll, lebt mit ihrer Familie in Lensahn. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Lensahn

Ein Eigenheim in einem kleinen, ländlichen Gebiet, eine auf den ersten Blick intakte Familie mit Mutter und Vater. Beide haben Arbeit. Mehrere Geschwister, die miteinander spielen und in guten Verhältnissen gemeinsam aufwachsen können. Hunde und Katzen. Es könnte also alles gut sein, ideal für Kinder. Doch was ist, wenn die Gefahr im eigenen Zuhause lauert?

Darüber wird vor dem Lübecker Landgericht verhandelt. Angeklagt ist eine 49-jährige Mutter aus Lensahn im Kreis Ostholstein, die vier ihrer fünf Kinder in den Rollstuhl gezwungen und ihnen schwere Krankheiten angedichtet haben soll. Mögliche Motive: Aufmerksamkeit bekommen als Supermutter und gleichzeitig Geld von Kranken- und Pflegekassen einheimsen.

Die Mechanismen haben gegriffen

Lange hat niemand etwas bemerkt. Der Vorwurf ist zu monströs, als dass ihn sich irgendjemand, der guten Willens ist, vorstellen konnte. Und doch haben schließlich die Mechanismen gegriffen, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr in der Gesellschaft herausgeschält haben. Mehr Aufmerksamkeit für das Schicksal von Kindern, eine höhere Bereitschaft, genauer hinzuschauen, im Zweifelsfall die Behörden einzuschalten. Da haben die vielen Schlagzeilen über schreckliche Missbrauchs- und Misshandlungsfälle der Vergangenheit etwas Gutes gehabt. Die fortlaufende Berichterstattung über Hilfsangebote und Beratungsstellen hat gefruchtet.

Im Lensahner Fall ist irgendwann mehrgleisig gehandelt worden. Die Schule ist aufmerksam geworden. Das ist ihre Aufgabe, aber es geschieht eben nicht immer. Die Nachbarn haben aufgemerkt und dazu noch den Schneid besessen, ihren Verdacht nicht für sich zu behalten. Sogar eines der Kinder hat gewusst, dass es beim Jugendamt Hilfe bekommen kann, und sich dorthin gewendet. Nur so haben die Behörden versuchen können, dem Treiben der Mutter ein Ende zu setzen.

Es hat zu lange gedauert

Dass dennoch nicht alles gut ist zeigt die Tatsache, dass es bis dahin immer noch viel zu lange gedauert hat. Dass Jahre ins Land gehen mussten, bis der Fall aufflog, der jetzt so viele fassungslos macht. Dass offenbar immer noch die Instrumente fehlen, um die Kinder endgültig dem schädlichen Einfluss ihrer Mutter zu entziehen. Der Anfang dafür ist zumindest gemacht. Die juristische Aufarbeitung läuft. Sollte die Mutter wie angesichts der Anklage zu erwarten im Falle eines Schuldspruchs ins Gefängnis müssen, ist noch einmal die ganze Anstrengung von Therapeuten und Behörden gefordert, um die Familie nicht ins Bodenlose fallen zu lassen.

Was bleibt, sind Kinder, die nicht nur an den körperlichen und seelischen Folgen der Taten ihrer Mutter leiden. In ihrem Wohnort, ihrer Schule, weiß jeder, wer sie sind und was sie durchmachen mussten. Hoffentlich haben die, die so aufmerksam waren und registrierten, dass dort etwas nicht stimmt, jetzt die Größe, den Opfern beizustehen, für sie den Rücken gerade zu machen und sie vor Mobbing und gedankenlosen Äußerungen zu schützen. Damit die Kinder nicht zum zweiten Mal zu Opfern werden.

Berichte über den Prozess und einen ähnlichen Fall

Der Prozess um die Ostholsteiner Mutter, die ihre Kinder in den Rollstuhl gezwungen haben soll, ist seit einer Woche Dauerthema. Hier gibt es einen Überblick:

Der Prozessbeginn:
So lief der erste Tag vor dem Lübecker Landgericht.

Für Aufregung sorgte die Nachricht, dass einige der Kinder noch bei der Mutter leben. Warum das Jugendamt dies nicht verhindern konnte, steht hier.

Lehrkräfte und Schulbegleiter haben ausgesagt:
Die Mutter geriet bereits 2014 ins Visier der Ermittlungsbehörden.

Alles, was bisher bekannt ist, ist hier zusammengefasst.

Ein ähnlicher Fall wurde 2015 vor dem Hamburger Landgericht verhandelt. Eine Mutter hatte ihrem dreijährigen Kind monatelang Fäkalien, Speichel und Blumenwasser gespritzt.

Von Susanne Peyronnet

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