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Ostholstein Unter den Kandidaten sind junge Talente und alte Haudegen
Lokales Ostholstein Unter den Kandidaten sind junge Talente und alte Haudegen
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11:29 12.04.2018
Ahrensbök/Bosau/Scharbeutz

Wer über die Kandidatenlisten guckt, könnte den Eindruck gewinnen, dass vor allem die älteren Herren an ihren Stühlen in Gemeindevertretungen und Kreistag kleben. Aber der Eindruck täuscht. Es gibt ein paar ganz junge Leute auf den Listen. Der wahrscheinlich jüngste in ganz Ostholstein ist Johannes Scholz. Der 18-jährige Schüler tritt für die Ahrensböker CDU im Wahlkreis 1 (Gillhalle und Cura-Seniorenheim) an – gemeinsam mit Hans-Joachim Dockweiler (68), dem ältesten CDU-Kandidaten in Ahrensbök.

„Ich habe mir gedacht, es gibt vieles, was einen betrifft, was man auch anders machen könnte“, begründet Scholz seine Kandidatur. „Ich mag es nicht, auf die Zukunft zu warten. Ich möchte mitmachen.“

Scholz will sich für besseres Internet, besseren Mobilfunk einsetzen, aber auch dafür, dass Ahrensböker im Alter noch in ihrer Gemeinde wohnen bleiben können und dass junge Menschen nicht wegziehen müssen. Als CDU-Fraktionschef Klaus-Dieter Gruber (67) im Ortsverband gefragt habe, wer kandidieren möchte, habe er sich gemeldet, sagt Scholz. Die Reaktionen seien „super“ gewesen.

Dass nicht mehr junge Leute kandidieren, hängt möglicherweise damit zusammen, dass sie gar nicht da sind. „Die jungen Leute verlassen den Kreis“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat für den Kreistag Burkhard Klinke über die Schwierigkeit, junge Leute in die Politik zu locken. Die SPD ist stolz darauf, dass zehn ihrer Kandidaten jünger als 35 Jahre sind, davon vier auf den ersten zehn Listenplätzen. Eine davon ist die stellvertretende Kreisvorsitzende Anastassia Brack (31) vom SPD-Ortsverein Scharbeutz.

Sie sitzt dort als bürgerliches Mitglied im Umweltausschuss. Jetzt soll es in den Kreistag gehen. „Ich finde, dass man auf kommunalpolitischer Ebene viel erleben kann und als junger Mensch einen schnellen Zugang zur Politik bekommt“, begründet sie ihr Engagement. Ebenso schnell könne man Ergebnisse sehen.

57,88 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der SPD-Direktkandidaten in der Gemeinde Bosau. Jüngste Kandidatin ist Claudia Gudewer (42, Jahre, Listenplatz 6), ältester Jürgen Storm (70, Platz 2). Bei der CDU Bosau sieht es nicht viel anders aus, dort kandidieren zwei Männer, die zuvor angekündigt hatten, nicht mehr dabei sein zu wollen: Bürgervorsteher Alfred Jeske (73) und Eberhard Rauch (75), den seine Partei ab 2019 für das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters vorgesehen hat. „Man hat mich gebeten, es noch einmal zu machen“, begründet Jeske seinen Rückzug vom Rückzug. Es gibt noch einen anderen Grund. „In Hutzfeld gibt es nur ein CDU-Mitglied, und das bin ich. Deshalb trete ich noch einmal an.“ Auch Rauch konnte sich offenbar dem Bitten seiner Partei nicht entziehen. „Ich habe mich überzeugen lassen, man ist mehrfach in mich gedrungen.“

Johannes Scholz hängt sich richtig rein in die Politik und den Wahlkampf. Seit neuestem ist er zweiter stellvertretender Ortsverbandsvorsitzender und Mitglied der Wahlkommission. Er macht mit bei Flyern, Fotos, dem Auslegen des Wahlprogramms und beim Sammeln von Ideen. Sollte er gewählt werden, will er sich für Jugend, Soziales und Bildung engagieren. „Da habe ich noch die praktische Erfahrung“, sagt der Abiturient.

 Von Susanne Peyronnet