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Ostholstein Krankenkasse verweigert der kleinen Lisa den Rollstuhl
Lokales Ostholstein Krankenkasse verweigert der kleinen Lisa den Rollstuhl
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20:10 25.01.2018
Lisa wohnt mit ihren Eltern Jasmin und Nils Robien in Quals.
Lisa wohnt mit ihren Eltern Jasmin und Nils Robien in Quals.
Quals

Die Voraussetzungen seien „nicht erfüllt, weil eine selbstständige Nutzung des Leichtgewichtsrollstuhls für Lisa Sophie nicht möglich ist“, heißt es in der schriftlichen Begründung der AOK Nordwest.

Obwohl die Eltern seitdem sogar Videos von ihrer Tochter beim Rollstuhlfahren eingeschickt haben, bleibt es auch ein halbes Jahr nach dem ersten Antrag bei der Ablehnung. Zuletzt wurde der Familie Anfang des Jahres mitgeteilt, dass „die medizinischen Voraussetzungen zur Leistungsgewährung weiterhin nicht erfüllt“ seien. Die Schreiben liegen den LN vor.

„Ein Stück Freiheit“ wünschen sich Jasmin und Nils Robien für ihre Tochter Lisa (3). Sie hat eine Muskelschwäche, kann weder laufen noch krabbeln. Mit einem Rollstuhl aber kann sich das Mädchen alleine fortbewegen – doch die Krankenkasse weigert sich, die Kosten zu übernehmen.

„Der Rollstuhl ist Freiheit. Damit kann Lisa selbst bestimmen, wohin sie fährt.Jasmin Robien

Mutter

Video

Die Eltern haben Lisas erste Versuche gefilmt: LN-Online.de/Video

Die Entscheidung mache sie „wütend, aber vor allem traurig“, sagt Mutter Jasmin Robien. Ihre Tochter kann nicht ohne Hilfe sitzen, schafft es aus eigener Kraft gerade mal, sich vom Rücken auf die Seite zu drehen. Der Rollstuhl – dank eines Anschnallgurtes kann Lisa darin aufrecht sitzen – ist für das Mädchen eine Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wo es hinfahren möchte. „Die einzige Möglichkeit“, betont ihre Mama, „wie kann man ihr die verwehren?“

Mit einem Leih-Rollstuhl bewegt sich Lisa durchs Haus

Dem Schreiben der Krankenkasse zufolge ist für Lisa die Rehakarre – eine Art spezieller Kinderwagen – zurzeit „ausreichend und zweckmäßig“. „Darin können wir sie aber nur schieben“, sagt Vater Nils Robien. Es gehe ja genau darum, dass sich Lisa im Rollstuhl selbstständig fortbewegen könne. Wohin sie möchte.

Das jetzige Gefährt ist eine Leihgabe vom Kinder-Sanitätshaus „4ma 3ma“ mit Hauptsitz in Dortmund. Seit Herbst darf Lisa mit dem Rollstuhl üben und kann sich damit zu Hause mittlerweile problemlos von einem Raum zum anderen bewegen. Im neu gebauten, behindertengerechten Bungalow in Quals (Gemeinde Göhl) kann sie jetzt selbst entscheiden, ob sie im Wohnzimmer oder in der Küche sein will, aus dem Fenster schauen oder gucken möchte, was die beiden Katzen der Familie gerade machen.

Etwa 8000 Euro würde der Rollstuhl kosten

„Das ist ein Stück Selbstbestimmung und für die Entwicklung eines Kindes total wichtig“, sagt David Lebuser von der Hamburger Zweigstelle der Firma. Den Leih-Rollstuhl dürfe das Mädchen bis auf Weiteres behalten, verspricht er. Allerdings könne es nicht richtig sein, dass die Familie von der Kulanz des Sanitätshauses abhängig sei. Auch sei das derzeitige Modell nicht optimal für Lisa, erklärt der Fachmann, der selbst auch im Rollstuhl sitzt. Das Mädchen brauche eigentlich ein Gefährt, das speziell für sie angefertigt werde. Die Kosten dafür lägen bei etwa 8000 Euro.

Krankenkasse will den Fall erneut prüfen

Bei der AOK Nordwest verweist man derweil auf den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Letzterer sei die maßgebliche Instanz bei der Bewertung solcher Fälle, erklärt Sprecher Jens Kuschel.

Die Krankenkasse habe den MDK nun aber beauftragt, die Familie einmal zu Hause zu besuchen, um sich ein aktuelles Bild zu machen, sagt Kuschel. Zuletzt war der Fall offenbar „nach Aktenlage“

beurteilt worden. Einen Vor-Ort-Termin soll es jetzt voraussichtlich in der kommenden Woche geben. Dann soll die Situation neu bewertet werden.

 Jennifer Binder