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Ostholstein Kritik am Anrufbus-Nachfolger
Lokales Ostholstein Kritik am Anrufbus-Nachfolger
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18:42 25.06.2018
Protestieren gegen das Ende des Anrufbusses: Diese Ostholsteiner kritisieren die künftig „zu weiten Wege zur Haltestelle“.
Protestieren gegen das Ende des Anrufbusses: Diese Ostholsteiner kritisieren die künftig „zu weiten Wege zur Haltestelle“. Quelle: Foto: Rosenkötter
Oldenburg/Neukirchen

Der Grund für die Umstellung ist laut Kreis, dass der Anrufbus von zu wenigen Fahrgästen genutzt wurde. Konnten die Busse bisher zu einer beliebigen Zeit an einen beliebigen Ort bestellt werden, sind beim ALFA-Modell nun Routen und Fahrzeiten festgelegt. Dennoch müssen die Busse weiterhin telefonisch bestellt werden, sonst fahren sie nicht. Der Kreis hofft durch das neue Konzept – wie es im Südkreis zum Teil schon umgesetzt wird – auf eine stärkere Bündelung von Fahrgästen.

In den betroffenen Kommunen wird das neue Modell derweil häufig als „Verschlechterung“ gewertet. Wangels etwa hatte einer finanziellen Beteiligung nur zähneknirschend zugestimmt – unter der Voraussetzung, dass die Fahrpläne noch angepasst und einzelne Dörfer besser angebunden werden könnten. Auch in Oldenburg gab es kritische Stimmen, Großenbrode und Göhl sind mit Blick auf den – wenn überhaupt – geringen Nutzen für die jeweiligen Einwohner ganz aus dem Verbund ausgestiegen (die LN berichteten).

Zum 1. Juli wird im Norden Ostholsteins vom bisherigen Anrufbus auf sogenannte Anruf-Linien-Fahrten (ALFA) umgestellt. Die Fahrpläne sind mittlerweile veröffentlicht. Jetzt regt sich Kritik am Nachfolgekonzept; einzelne Dörfer fühlen sich abgeschnitten.

So geht’s

Die neuen ALFA-Busse fahren am Juli. Sie können ab sofort bestellt werden, spätestens aber 60 Minuten vor der Fahrt. Telefon: 04561/511111 (Montag bis Freitag 8 bis 16.45 Uhr) oder www.bahn.de/autokraft. Dort gibt es auch die Fahrpläne.

Nutzer des bisherigen Anrufbusses bemängeln ebenfalls das neue Konzept. Der größte Kritikpunkt: zum Teil weite Wege zur nächsten Haltestelle. „Das sind mindestens zwei Kilometer“, schimpft etwa Benno Poschadel, der wochentags künftig vom Campingplatz in Sütel in den Ort laufen müsste. In Strandnähe halten die Busse nur noch am Wochenende. „Hier gibt es viele Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind – für die ist das viel zu weit“, pflichtet Ursula Apel bei. Und Rainer Baumert warnt: „Der ländliche Raum wird immer mehr ausgedünnt. Im schlimmsten Fall müssen einige Leute umziehen.“

Adolf Bollmann vom Stranddorf Augustenhof, macht sich vor allem Sorgen um die Urlauber: Nicht nur seien einige Orte in Zukunft kaum noch zu erreichen, auch seien „die Fahrzeiten der Busse überhaupt nicht mit denen der Bahn abgestimmt“, wirft er den Organisatoren vor. Feriengäste könnten mit öffentlichen Verkehrsmitteln häufig nicht rechtzeitig am Oldenburger Bahnhof sein, um ihren Zug zu erwischen, oder müssten bei ihrer Ankunft lange darauf warten, zum eigentlichen Urlaubsziel weiterfahren zu können. Darüber hinaus „brauchen wir ein System, in dem jeder Mensch in jedem Ort die nächste Haltestelle zu Fuß erreichen kann“, fordert er. Mit dem jetzigen Konzept sei das ALFA-Projekt „genauso zum Scheitern verurteilt wie der Anrufbus“, prognostiziert der Ferienhaus-Anbieter.

Horst Weppler, Fachdienstleiter Regionale Planung bei der Kreisverwaltung, appelliert an die Ostholsteiner, dem neuen System eine Chance zu geben. Die bisherige „Individualbeförderung“ sei schlicht nicht mehr zu leisten: „Es ist völlig unwirtschaftlich, Einzelpersonen wie mit einem Taxi durch den halben Kreis zu fahren.“ Bei nur zwei Bussen hätte anderen Fahrgästen dabei häufig abgesagt werden müssen, weil die Fahrzeuge besetzt waren.

Die jetzigen Fahrpläne seien mit den Kommunen abgestimmt. Zusätzlich gebe es zwei Linien für Urlauber am Wochenende. Ein Anschluss an die Bahn sei dabei sehr wohl berücksichtigt worden. Nach sechs bis zwölf Monaten solle ausgewertet werden, wie die ALFA-Busse angenommen würden; gegebenenfalls könne dann noch einmal nachjustiert werden. Werde das Projekt ein Erfolg, könne man auch darüber nachdenken, die Linien noch zu erweitern.

Jennifer Binder