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Ostholstein Kritik an Baumarbeiten auf Ehrenfriedhof
Lokales Ostholstein Kritik an Baumarbeiten auf Ehrenfriedhof
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17:42 17.11.2018
Helmut Kurth vom Arbeitskreis 27. Januar kritisiert die Baumfällarbeiten auf dem Ehrenfriedhof der Cap-Arcona- und Thielbek-Katastrophe in Haffkrug. Quelle: Peyronnet
Haffkrug

Von stillem Gedenken kann keine Rede sein. Auf dem Ehrenfried in Haffkrug ist unablässig Verkehrslärm zu hören. Seit einiger Zeit ist er noch lauter als sonst und der Blick auf die nahe A 1 ein bisschen freier. Etliche Bäume, die den Friedhof akustisch ein wenig abschirmten, sind verschwunden.

Es sind Stämme von beachtlichem Durchmesser, die zum Teil noch kreuz und quer auf dem Gelände des Ehrenfriedhofs der Cap-Arcona- und Thielbek-Katastrophe in Haffkrug liegen. Dort, wo 1200 KZ-Häftlinge ihre letzte Ruhestätte fanden.

Das Fäällen der Bäume kritisieren Helmut Kurth und Lutz Tamchina vom Arbeitskreis 27. Januar in Eutin. Kurth moniert: „Hat man bei dieser Aktion eine Sekunde an die Beachtung der Totenruhe gedacht?“ Der Cap-Arcona-Ehrenfriedhof in Haffkrug sei sowieso schon eingekesselt von Straßen, die einen extremen Lärm verursachen. Die Bäume besonders direkt hinter dem hohen Holzkreuz hätten noch einen gewissen Lärmschutz zur angrenzenden lauten Autobahn 1 geboten. „Nun sind viele und weitere hohe Bäume, die das Kreuz an den Seiten umgeben, gefällt worden. Diese Arbeiten scheinen keineswegs beendet zu sein“, fürchtet Kurth.

Er erinnert daran, dass der Friedhof 1950 gerade wegen der alten Buchen an dieser Stelle angelegt wurde. Damals standen etliche Häuser in der Sichtachse des Friedhofs noch nicht, gab es von dort einen freien Blick auf die Ostsee, in der die auf der „Cap Arcona“ und der „Thielbek“ eingepferchten Häftlinge bei deren Beschuss den Tod fanden. Auch die A 1 existierte damals noch nicht.

Mittlerweile liegt der Ehrenfriedhof nicht nur direkt neben der Autobahn. Er ist zudem eingerahmt vom „Ohr“ der Anschlussstelle Eutin und damit von vier Seiten beinahe unmittelbar von Straßen umgeben. Unablässig ist der Straßenlärm zu hören. Das sei im Sommer, in der Hauptreisezeit noch viel schlimmer, berichtet Kurth. Und es könnte noch heftiger kommen: Auf dem schmalen Streifen zwischen Autobahn und Friedhof wird nach jetzigen Planungen die neue Eisenbahntrasse der Hinterlandanbindung für den Fehmarnbelttunnel verlaufen.

Der Arbeitskreis 27. Januar ist eine Vereinigung von Eutiner Bürgern, die sich bemühen, die Erinnerung an die Schrecken der Nationalsozialisten wach zu halten und der zahlreichen Opfer zu gedenken. Den Anstoß dazu gab die Ausrufung des 27. Januar zum nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus im Jahr 1996. Seit 2005 ist der 27. Januar der Holocaust-Gedenktag der Vereinten Nationen.

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und die beiden anderen zu Auschwitz gehörenden Konzentrationslager.

Die Baumfällarbeiten waren bereits Thema im Umweltausschuss der Gemeinde Scharbeutz, zu der Haffkrug gehört. Nach Angaben des Scharbeutzer Bürgermeisters Volker Owerien (parteilos) sind 27 Bäume auf dem Friedhofsgelände gefällt worden. Eine Pappel mit Kernfäule in der Krone müsse noch fallen. Laut Owerien waren Sturmschäden der Grund für die Fällarbeiten. Weil vor 15 bis 20 Jahren Kronen gekappt worden seien, seien die Bäume nicht mehr standfest gewesen.

Eigentümer von Wald und Gedenkstätten-Gelände sind die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Die Fällungen aber hat Markus Wiegand, der Baumkontrolleur der Gemeinde Scharbeutz veranlasst. Anlass sei allein die Gefahr gewesen, die von brüchigen Bäumen ausgehe, betont er. Dabei komme es nicht nur auf den Radius direkt unter den Bäumen an, sondern auf den sogenannten Fallbereich. Bei den Arbeiten sei zudem alles Totholz entfernt, bei einigen Bäumen auch die Krone stabilisiert worden. Wiegand weiter: „Mein Auftrag ist es, Bäume so lange wie möglich zu erhalten, aber manchmal muss man zur Säge greifen.“

„Eine Kontrolle hat dort noch nie stattgefunden“, erläutert Wiegand weiter. Dabei müssten Bäume jährlich auf ihre Standfestigkeit untersucht werden. Mit der jetzt erfolgten Ersterfassung seien die Bäume auf dem Ehrenfriedhof nun ins Baumkataster aufgenommen worden. Dazu gehört auch die Markierung der Bäume. Irgendwann wird sie durch ein anderes Verfahren ersetzt. Dass Bäume mit Nummern versehen seien, bedeute keinesfalls, dass sie ebenfalls gefällt werden sollen. Die Arbeiten seien weitgehend abgeschlossen.

Susanne Peyronnet und Luisa Jacobsen

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