Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Die Küstenwache der Superlative: Die wichtigsten Fakten zum neuen Schiff „Potsdam“
Lokales Ostholstein Die Küstenwache der Superlative: Die wichtigsten Fakten zum neuen Schiff „Potsdam“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:52 22.07.2019
Kommandant Helge Pingel an Bord der neuen „Potsdam". Vom Heimathafen Neustadt geht es am 23. Juli zum Standorthafen Cuxhaven.
Kommandant Helge Pingel an Bord der neuen „Potsdam". Vom Heimathafen Neustadt geht es am 23. Juli zum Standorthafen Cuxhaven. Quelle: 54° / Felix König
Anzeige
Neustadt

Die Bundespolizei See ist ab sofort noch besser gerüstet für die Arbeit auf hoher See. Montagvormittag wurde in Neustadt das erste von drei Neubauten in Dienst gestellt. 300 geladene Gäste verfolgten den Festakt an Bord der „Potsdam“. Unter anderem sprach Bodo Kaping, Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, über „das größte und schönste Schiff“. Ebenfalls anwesend waren Vertreter aus Politik, von der Stadt Neustadt sowie zahlreiche Mitarbeiter der Bundespolizei. Feierlicher Höhepunkt war das Hissen der deutschen Flagge, während die Nationalhymne gesungen wurde. Zum Einsatz kommen soll die „Potsdam“ zunächst vor allem auf der Nordsee. Die LN beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Super-Schiff der Küstenwache:

Wie groß ist die „Potsdam“?

Das Schiff mit sechs Decks hat eine Gesamtlänge von 86,20 Meter. Die Breite beträgt 13,40 Meter. Damit ist es deutlich größer als die ausgemusterten „Bad Düben“, „Neustrelitz“ und „Bredstedt“. Diese kamen auf eine Länge von 48,9 Meter.

Wie schnell ist das neue Schiff?

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 21 Knoten. Das entspricht etwa 39 km/h. Die Schiffe können bei langsameren Kontrollfahrten von Diesel- auf Elektroantrieb umschalten.

Im Hafen von Neustadt wurde Montagvormittag das erste von drei neuen Schiffen der Bundespolizei in Dienst gestellt. Hunderte geladene Gäste waren dabei.

Stimmt es, dass ein Hubschrauber auf der „Potsdam“ landen kann?

Ja. Es gibt ein Landedeck auf dem ein Super Puma Platz finden würde. Dieser ist mehr als 16 Meter lang und wiegt über 4500 Kilogramm (ohne Ladung und Personal). Eine dauerhafte Unterbringung eines Hubschraubers an Bord ist nicht vorgesehen, da es keinen Hangar gibt.

Wird man auf so einem Schiff seekrank?

Ein 17 000 Liter fassender Wassertank soll das Schwanken des Schiffes auf hoher See minimieren. Dies hat mehrere Vorteile: Die Crew wird seltener seekrank. Zudem könnten Hubschrauber eher bei starkem Wellengang landen.

Lesen Sie auch:
Ein multimediales Extra über den Neubau der Schiffe.

Gibt es Waffen an Bord?

Im Gegensatz zu den Vorgängern wird auf den Schiffen jeweils eine Kanone installiert. Es gibt einen Gewahrsamsraum.

Wie viele Besatzungsmitglieder werden auf den Schiffen eingesetzt?

Jeweils 19 Frauen und Männer bilden eine Crew. Jeder Bundespolizist hat ein eigenes Zimmer mit TV. An Bord Platz finden würden sogar bis zu 48 Personen.

Wie heißen die anderen beiden Schiffe und was hat es mit den Namen auf sich?

Der Name „Potsdam“ ist auf den Sitz der Bundespolizei in der brandenburgischen Landeshauptstadt zurückzuführen. Die beiden weiteren heißen „Bamberg“ (Standort des größten Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei) und „Bad Düben“ (traditioneller Standort der Bundesbereitschaftspolizei).

In welchem Hafen wird die „Potsdam“ in Zukunft liegen?

Alle Schiffe der Bundespolizei See haben ihren Heimathafen in Neustadt in Holstein. Das hat jedoch wenig zu bedeuten, da die Standorthäfen entscheidend sind. Die „Potsdam“ kommt nach Cuxhaven.

Was kostet so ein Schiff?

Pro Schiff werden 60 Millionen Euro fällig. Bereits im November 2015 hat der Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen, 165 Millionen Euro bereitzustellen und diese Summe ein Jahr später um 15 Millionen Euro aufgestockt. Die ostholsteinische Bundestagsabgeordnete und Taufpatin Bettina Hagedorn (SPD) betonte anlässlich der Indienststellung, dass die Schiffe pünktlich fertig und die Kosten wie geplant ausfallen würden.

Werftbesuch, Taufe und weitere Hintergründe

Die Bundespolizei See ist seit Jahrzehnten eng mit Neustadt verknüpft. Immer wieder berichten die Lübecker Nachrichten über die Küstenwache. Hier gibt es weitere Artikel und Bilder:

Ein Werftbesuch: Im niedersächsischen Berne wurden und werden die drei Stahlkolosse größtenteils gebaut. Wie es dort zugeht, steht hier.

Der erste Neubau wurde im vergangenen Winter getauft. Die Taufpatin kommt aus Ostholstein und darf ihr Leben lang an Bord.

Ausgemustert: Bereits im Frühsommer 2017 wurden die langjährigen Einsatzschiffe „Bad Düben“ und „Neustrelitz“ ausgemustert. Die Schiffe waren seit 1993 im Dienst der Küstenwache.

Die beiden Schiffe wurde anschließend versteigert und in Dänemark verschrottet. Welche Rolle das Kriegswaffenkontrollgesetz spielte, steht hier.

1964 feierte die Bundespolizei See ihr 50-jähriges Bestehen in Neustadt – natürlich mit einem großen Fest.

Die Küstenwache ist weit mehr als die Bundespolizei. Auch eine TV-Serie und ein großes Fest spielen in Neustadt eine Rolle. Fast alle LN-Artikel zum Thema Küstenwache gibt es hier.

Zum Beispiel diesen hier: 2014 wurde bekannt, dass das ZDF die Serie „Küstenwache“ einstellt. Sie hatte stets Millionen Zuschauer und war ein wichtiger Werbefaktor für die Stadt Neustadt.

Welche Annehmlichkeiten gibt es an Bord?

Die Besatzung ist in erster Linie zum Arbeiten an Bord. Jedoch gibt es einen Fitnessraum mit Stepper, Boxsack und anderen Geräten. Zudem soll die technische Ausstattung so sein, dass Familie und Freunde leichter als bisher per Computer und Handy erreicht werden können.

Wo werden die neuen Schiffe der Bundespolizei See eingesetzt.

Die „Potsdam“ wird zunächst auf der Nordsee unterwegs sein. Hauptaufgabe der Crew ist der Grenzschutz in Nord- und Ostsee sowie der europäischen Außengrenzen im Schengenraum.

Die Bundespolizei See bekommt in diesem Jahr drei neue Schiffe. Die Lübecker Nachrichten haben sich die Arbeiten in der Fassmer-Werft in Berne im August 2018 angesehen. Hier gibt es die Bilder:

Geht der Neubau mit neuen Aufgaben für die Besatzung einher?

Ja. Bodo Kaping, Präsident der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, erläuterte, dass Spezialeinheiten des Bundes und der Länder zu Einsätzen gebracht werden könnten. Hinzu komme die Versorgung und der Schutz dieser Kräfte.

Wo wurde die „Potsdam“ gebaut?

Das Schiff wurde in der Fassmer-Werft in Berne gebaut. Für das Unternehmen sind es die bislang längsten Schiffe, die dort gefertigt wurden. Die reine Bauzeit betrug nicht einmal zwei Jahre. Zu beachten ist, dass die beiden anderen Schiffe teilweise im litauischen Klaipeda zusammengesetzt wurden – aus Kapazitätsgründen. Anschließend wurden sie nach Niedersachsen in die Weser geschleppt.

Dann verlässt die „Potsdam“ Neustadt

Die „Potsdam“ kann noch bis zum 23. Juli um 8 Uhr in Neustadt betrachtet und fotografiert werden. Das Hafengelände rund um das Schiff der Küstenwache ist abgesperrt und wird von Polizisten bewacht. Kommandant Helge Pingel sagte, dass es als Nächstes in den Standorthafen gehe – dieser befindet sich in Cuxhaven.

Wann werden die „Bad Düben“ und die „Bamberg“ in Dienst gestellt?

Noch in diesem Jahr. Dann werden insgesamt zwölf Besatzungen abwechselnd auf den Schiffen arbeiten. Geschult wurden diese bislang vor allem in einem Simulator der Hochschule Bremen.

Sebastian Rosenkötter