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Ostholstein Kunst auf dem Apfelhof: Doris Runge liefert Vorlage für Garten
Lokales Ostholstein Kunst auf dem Apfelhof: Doris Runge liefert Vorlage für Garten
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14:27 05.06.2019
Joachim Mocka arbeitet an einem neuen Landkunststück auf dem Apfelhof Grimm in Cismar. Ein Gedicht von Doris Runge bildet die Grundlage für den Garten. Quelle: Markus Billhardt
Cismar

„Von Bienen und Blüten“ handelt ein Gedicht der Lyrikerin Doris Runge. Diese Worte hat der Künstler Joachim Mocka als Garten auf dem Apfelhof Grimm bei Cismar umgesetzt. Es handelt sich dabei um das mittlerweile dritte Landkunststück in diesem Jahr und insgesamt schon um das sechste, das zwischen Grube und Körnick (Grömitz) entstanden ist.

Das Gedicht von Doris Runge

von bienen und blüten:

von bienen und blüten

vom fliegen

mit flügeln wind gedanken

mit herzverstand

mit blick auf den alten

adam-und-eva-baum und

wie alles begann

sünde und süsse und wissen

um tod und glück und wunder

und wie weit es zurück liegt

das paradies

„es war einmal“

beginnen alle grimmschen märchen

und enden gut und

böse muss es nicht enden

wenn wir mit bienen

blüten lesen

und uns

„Es ist eine wunderbare Idee, das Projekt für etwas Flüchtiges wie das Wort zu öffnen“, sagt Doris Runge. Einerseits stehe ihr Gedicht im Mittelpunkt, auf der anderen Seite sei die Gestaltung von Joachim Mocka ein eigenes Kunstwerk. Es sei ein schönes Zusammenspiel von bildender Kunst und Lyrik. „Es gibt Gedichte, die liegen einem lange im Kopf herum“, erzählt die Schriftstellerin vom Weißen Haus aus Cismar. Es brauche nur einen Auslöser.

Pickel und Sparten für die Kunst

Als die Anfrage von Claudia Reshöft vom Verein Landkunststück an sie kam – und sie kenne den Grimm’schen Apfelhof schon lange – sei mit den Stichwörtern Bienen, Blüten und Apfelbäume das Gedicht schnell da gewesen, erzählt Doris Runge. Für Joachim Mocka hingegen ist es sein erster Garten. Das erste Mal hat er für die Kunst Pickel und Sparten in Hand genommen. „Ich habe schon mit vielen Materialien gearbeitet, aber in dieser Form noch nicht“, erläutert der Diplom-Designer.

Landkunst: Eisen-Installation mit Winter-Linde

Die Postfelder (bei Preetz) Künstlerin Margit Huch hat für das Projekt Landkunststück die Eiseninstallation mit Winter-Linde unter dem Titel „Baum-Mensch-Baum“ realisiert. Das Werk entstand zusammen mit dem Hof Axt in Bokhorst bei Kellenhusen und liegt am Dahmer Weg. Huch und der Hofeigner Kay Axt haben bei der technischen Umsetzung, wie den Schweißarbeiten an der Metallkonstruktion, wortwörtlich Hand in Hand gearbeitet.

Die Metallwürfel, die keine Veränderungen zulassen, stehen im Gegensatz zum natürlichen Wuchs des Baumes. So entstehe ein Spannungsverhältnis, das in die Zukunft weise und das Wachstum des Baumes als Gestaltungselemente mit einbeziehe. Das Kunstwerk werde sich langsam, aber stetig verändern, erklärt Huch. Der Baum werde aus der konstruierten Begrenzung herauswachsen und seinem Gefängnis damit eine Art Bedeutungslosigkeit zuweisen.

Die Arbeit soll aber auch als Symbol für die Koexistenz von Mensch und Natur gesehen werden: Je weiter der Abstand zwischen den Gitterstäben gedacht wird, desto mehr Raum wird frei für das Hindurchwachsen und die natürliche Entwicklung des Baumes. Genau das gehöre zu den Konzepten ökologischer Landwirtschaft: Raum zu lassen für Wildpflanzen und ihre tierischen Nutzer wie Insekten oder Vögel, sagt die Künstlerin.

Lange Zeit war Joachim Mocka Ausstellungsgestalter auf Schloss Gottorf. Ende der 1990er Jahre habe er sich auf Landart „versteift“. Jetzt besitze er eigentlich die ehrenvolle Aufgabe, als künstlerischer Leiter für die Landkunststücke die Künstler auszuwählen. Doch diesmal habe er selbst ran gemusst. Zahlreiche Blumen und Kräuter verpflanzte und mehr als 1000 Steine verbaute er in dem Garten. Vom Kiesschleppen habe er sich eine Zerrung geholt und er arbeitete in einem permanenten Apfelsaftrausch, sagt Mocka augenzwinkernd – insgesamt mit Konzeption und Gestaltung rund sechs Wochen lang.

Einstieg in die Welt der Poesie

Herzverstand“ ist dabei für den Künstler ein wesentlicher Begriff aus dem Gedicht. „Er steht im Zentrum des Gartens auf einer Tafel, umgeben von vielen blutroten Blüten“, erklärt er. Der Besucher wird dann am Ende des Weges zu einem Teich geführt, in dem das vollständige Gedicht zu lesen ist. Und dass der Garten von einem Zaun aus Kastanienholz umgeben sei, bedeute nicht, dass der Besucher eingesperrt werde. „Wer die Tür hinter sich zumacht, kommt in eine meditative Schutzzone und kann in die Welt der Poesie einsteigen“, betont Joachim Mocka.

Die neuen Landkunststücke 2019

„Es ist spannend, zu sehen, was sich hier entwickelt hat. Ich kann mich auch gut mit dem Gedicht von Doris Runge identifizieren“, sagt der Besitzer des Bio-Apfelhofs, Friedrich-Christian Grimm und seine Frau Caroline ergänzt: „Wir haben nicht nur einen schönen Garten bekommen. Ich freue mich auf die Gespräche mit den Menschen, die hoffentlich ebenso begeistert sein werden wie wir.“ Das Gemeinschaftswerk von Joachim Mocka und Doris Runge ist seit 2. Juni zur Besichtigung freigegeben.

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Markus Billhardt

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