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Ostholstein Lamas als Therapeuten
Lokales Ostholstein Lamas als Therapeuten
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10:15 22.02.2015
Lama-Therapeutin Ines Schneider mit den Lamas Harry, Callie und Jamy: „Die Tiere spiegeln dem Gegenüber genau, was in ihm vorgeht.“ Quelle: Thomas Klatt
Schönwalde

Harry, Yoshi, Callie, Annie und Jamy haben einen verdammt verantwortungsvollen Job. Sie „arbeiten“ mit Menschen zusammen, die Hilfe brauchen, in ihrem Leben nicht mehr zurechtkommen oder neue Lösungswege für sich suchen. So ganz bewusst läuft dieser Vorgang natürlich nicht ab. Die fünf sind nämlich Lamas und werden von ihrer Besitzerin Ines Schneider für eine ganz besondere Therapieform eingesetzt: die Lama-Therapie.

In einem Bildungsurlaub war Ines Schneider damals auf eine Frau getroffen, die Lamas unterstützend in der Therapie einsetzte. „Ich war von diesen Tieren total fasziniert“, erinnert sich die Diplompädagogin mit therapeutischer Zusatzausbildung an die erste Begegnung. Alle Tiere, so sagt sie, können Patienten in der Therapie unterstützen. Lamas hätten jedoch besondere Qualitäten: „Lamas spiegeln genau, was in ihrem Gegenüber gerade passiert.“ Die Tiere werden dabei auf mehr oder weniger ausgedehnten Wanderungen am Halfter geführt.

Menschen mit Depressionen, Missbrauchserfahrung und Suchtkranke suchen die Lama-Therapeutin auf, aber auch Menschen, die einfach nur gestresst sind oder Entspannung suchen, gehören zu ihrer Klientel.

Manchmal sucht Ines Schneider ganz gezielt ein Lama für ihre Patienten aus. Denn jedes der Tier hat besondere charakterliche Merkmale. Harry, „Chef“ der Herde, ist eher etwas distanziert und verhalten. Yoshi hat seinen ganz eigenen Kopf. Will ein Draufgänger mit ihm losziehen, bleibt er auch einfach mal stehen. Callie, gilt als brav, aber auch als mutig. Annie ist sehr eigen, macht auch schon mal spontane Hüpfer und wird Menschen an die Hand gegeben, die sich schon etwas zutrauen. Jamy, der Neuzugang, ist zwar der Kleinste, dafür aber auch der Mutigste. Bis auf wenige Millimeter kommt er an die Nasenspitze seines Führers heran und schnuppert neugierig. „Die Lamas sind keine Kuscheltiere, sind es aber gewohnt, angefasst zu werden“, so Ines Schneider.

Manchmal überlässt sie auch den Tieren die Entscheidung: „Ich führe dann denjenigen in die Herde und gucke, welches Tier kommt.“ Die Lamas wirken in der Regel auf die Klienten sehr beruhigend. „Viele haben das Gefühl, angenommen und verstanden zu werden.“ In einem Vorgespräch werde geklärt, mit welcher Fragestellung der Klient komme.

Der Umgang mit den Tieren offenbare dann eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich diesem Thema zu nähern. „Die Tiere bekommen alles mit. Wenn ich mal konfus oder chaotisch bin, geht da gar nichts“, schildert sie ihre eigene Erfahrung und lacht. In der Regel veranlasse der Kontakt mit den Tieren ihre Klienten, sich zu öffnen und frei von sich zu erzählen. „So zum Beispiel ein Kind, das ein Tier beobachtet, das etwas abseits der Herde steht: ,Das kenne ich auch, das geht mir oft auch so, auf dem Schulhof, wenn keiner mit mir spielen will‘“, schildert Schneider ein Beispiel aus der Praxis.

Man könne schauen, was sich auf einer Wanderung mit den Tieren ergebe, sich aber auch mit einer gezielten Fragestellung auf den Weg machen. Viele ihrer Klienten entwickelten dabei im Umgang mit den Tieren Selbstvertrauen. Schneider: „Über die Lamas öffnet sich ein Zugang zu den eigenen Ressourcen. Die eigenen Fähigkeiten werden gestärkt.“

Harry, Callie und Jamy sind von einem Rundgang durch die hügelige Bungsberglandschaft zurückgekehrt. Einen Ballen Heu haben sich die drei nach getaner Arbeit jetzt redlich verdient.

Schönwalder Lamas werden Filmstars
Auch das Fernsehen hat die Schönwalder Lamas für sich entdeckt. Zwei der Lamas spielen in einer Jubiläumsfolge der „Film-AB!“-Produktion „Die Bonsai-Connection“ eine Rolle. In der Gemeinschaftsproduktion von „In Via Lübeck“ — einem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit — und dem Jobcenter Lübeck spielt auch der Schauspieler Hartmut Lange mit, der erst kürzlich mit dem Stück „Judas“ in der Schönwalder Kirche zu sehen war.
Lama-Therapeutin Ines Schneider: „Die beiden Lamas haben ihr schauspielerisches Talent sehr eindrucksvoll einbringen können. Durch nichts ließen sie sich aus der Ruhe bringen, fraßen den Rasen ab, düngten ihn und summten zufrieden vor sich hin.“
Die Filmpremiere ist am kommenden Mittwoch, 25.Februar, um 20 Uhr im Filmhaus in Lübeck zu sehen.

Thomas Klatt