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Ostholstein Land soll Haltepunkte zahlen — Politiker fordern Anbindungen
Lokales Ostholstein Land soll Haltepunkte zahlen — Politiker fordern Anbindungen
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23:03 10.05.2014
Wie lange am Sierksdorfer Bahnhof noch Züge halten und Menschen aussteigen, ist ungewiss. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Ostholstein

Das Land hat sich für eine Bahntrasse für die Hinterlandanbindung der festen Beltquerung ausgesprochen. Orte wie Lensahn, Oldenburg und Großenbrode sollen umfahren werden. Die Folge: Neue Haltepunkte müssten entstehen. In Sierksdorf könnte der Stopp der Züge sogar komplett wegfallen. In Zukunft müssten Reisende dann in Neustadt einsteigen.

Alle Informationen zur Hinterlandanbindung und der Beltquerung bekommen Sie unter www.ln-online.de/beltquerung

Denn auch Haffkrug könnte komplett wegfallen. Die LN haben bei der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) nachgefragt. Die sind für den Schienennahverkehr zuständig.

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Besonders betroffen könnte Oldenburg sein. Dort sollen die Züge künftig am Rande des Oldenburger Bruchs halten — mitten auf grünen und sumpfigen Wiesen. Das könnte für die Stadt teuer werden.„Das trifft uns bei der Haushaltslage schwer. Eigentlich wollten wir Schulden abbauen“, sagt Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos). Es sei noch nicht abschätzbar, ob die Straße ertüchtigt oder neu gebaut werden muss — und wer alles bezahlt.

Ein Hoffnungsschimmer kommt aus Kiel. Den Großteil der Kosten würde das Land tragen, sagt LVS-Sprecher Dennis Fiedel. Sowohl der Erwerb einer Fläche, als auch der Bau eines Haltepunktes mit Sitzbänken und Unterständen würden dazuzählen. Allerdings rechnet die LVS an vielen Haltepunkten mit weniger Fahrgästen als bislang.

Etwas anders sieht es bei Parkplätzen aus. „Die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes ist Aufgabe der Kommune. Das Land zahlte aber einen Zuschuss in Höhe von bis zu 75 Prozent der Kosten für Baumaßnahmen“, teilt Fiedel den LN mit. Bei öffentlichen Toiletten „wäre es grundsätzlich möglich, dass das Land die Kosten für den Bau übernähme“, so der Sprecher weiter. Die Betriebskosten hätten jedoch die DB als Stationsbetreiber oder die Gemeinde zu tragen.

Unklar bleibt dennoch, wie die Menschen in Zukunft zu den Zügen gelangen sollen. „Wir brauchen eine ÖPNV-Anbindung. Der Bahnhof muss von einer Bushaltestelle aus gut erreichbar sein“, betont Lensahns Bürgermeister Klaus Winter (CDU). Sein Kollege Volker Weidemann (CDU) aus Sierksdorf fragt sich, wie der Kreis den Nahverkehr bezahlen soll. „Schon jetzt kann der ÖPNV für Schüler kaum finanziert werden“, sagt Weidemann. Auch wisse er nicht, wie die Besucher des Hansa-Parks in Zukunft anreisen sollen. Geschäftsführer Andreas Leicht schlägt eine Shuttleverbindung vor — ob nach Haffkrug oder Neustadt sei gleichgültig. „Wir würden das bezahlen. Dann beginnt das Park-Erlebnis eben schon früher“, sagt Leicht. Fehmarns Kommunalpolitiker hingegen verfolgen die Schienen-Planspiele relativ entspannt. Ihr Regionalhalt in Burg bleibt wohl unangetastet, während für Puttgarden mit dem Belttunnel ohnehin das Aus droht.

Ganz anders sieht es Bürgermeister Jens Reise (CDU) für Großenbrode. Er hofft auf die Verlegung des Bahnhaltes direkt an die Ausweichgleise nahe der B 207. Dann würde er auch für die Heiligenhafener, die bislang nach Oldenburg fahren, interessant werden. „Und mit der 75-Prozent- Lösung des Landes für das Bahnhofsumfeld kann ich als Bürgermeister leben, wenn gleichzeitig der bisherige Halt zurückgebaut wird. Er ist nämlich ein Schandfleck am Ortseingang.“

Wenig ändern würde sich für die Nachbargemeinden. Für Göhl rücke die Bahn laut Bürgermeister Thomas Bauer (BGG) dichter heran, wenn die Züge künftig in Oldenburgs Osten halten sollten. Bürgermeister Bernd Bruhn (CDU) setzt für Neukirchen — unabhängig vom Bahnhalt-Standort — weiter auf den Anrufbus — „so lange er finanzierbar bleibt“. Ähnlich sieht es Amtskollege Gerd Heino (CDU) für Heringsdorf:

„Verstärkt sollte man den Anrufbus noch viel besser ausbauen. Ich sehe kein Sinnhaftigkeit, oft leere Gelenkbusse durch die Dörfer fahren zu lassen.“

Sebastian Rosenkötter und Gerd-J. Schwennsen