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Ostholstein Landesverteidigung in der Praxis
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21:10 29.04.2018
Der Spähtrupp von Hauptfeldwebel Maik Themer hat unter Tarnnetzen und hinter Bäumen sein Lager aufgeschlagen.
Der Spähtrupp von Hauptfeldwebel Maik Themer hat unter Tarnnetzen und hinter Bäumen sein Lager aufgeschlagen. Quelle: Fotos: Peyronnet
Eutin/Bad Segeberg

Aust ist seit Anfang April neuer Kommandeur des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ mit Sitz in der Eutiner Rettbergkaserne.

Das Aufklärungsbataillons 6 "Holstein" hat im Segeberger Forst trainiert. "Rote Lanze" lautete der Titel der Übung - alle Fotos in unserer Bildergalerie.

Eine Einheit, die in den vergangenen 20 Jahren 18 Auslandseinsätze leistete. Einsätze, die eine umfangreiche und vielschichtige Vorbereitung nötig machten. Da blieb für anderes wenig Zeit. „Wir müssen wieder das Klassische üben, die Verteidigung des Landes“, gibt Aust deshalb als Parole aus. „Die Möglichkeit eines klassischen Kriegs kann nicht vorhergesagt werden“, stellt der Kommandeur fest, aber auch, dass diese Möglichkeit seit der Entwicklung in der Ukraine nicht ganz so fern erscheint wie zuvor.

Es ist ein bisschen so wie früher: Die Soldaten üben wieder in der Region und sie bereiten sich auf einen Krieg vor, wie er einst üblich war. Oder wie es Oberstleutnant Tobias Aust ausdrückt: „Wir üben die Landesverteidigung, unsere Kernaufgabe.“

Einsätze

Die symmetrische Kriegsführung, auch klassische Kriegsführung, ist die zwischen ebenbürtigen Gegnern, meistens Staaten.

Die asymmetrische Bedrohung oder Kriegsführung gilt bei Auslandseinsätzen. Sie ist gekennzeichnet durch Anschläge oder Hinterhalte, etwa der Taliban in Afghanistan.

Als freilaufende Übung werden Übungen außerhalb von Truppenübungsplätzen bezeichnet.

Die Landesverteidigung übten die Soldaten des Aufklärungsbataillons jetzt in der sogenannten freilaufenden Übung „Rote Lanze“. Konkret heißt das: Vier Tage im Wald verbringen, Tag und Nacht, sehen und nicht gesehen werden. Oder wie es es Major Stefan Zimmermann, der Planer des Bataillons, ausdrückt: „Die Spähtrupps sitzen in Verstecken, um zu spähen und aufzuklären.“ Dabei sollen sie keineswegs vom Feind entdeckt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es sehr viel zu bedenken. Eines der Übungsgebiete liegt im Segeberger Forst, abseits der Wege. Selbst wer weiß, dass dort Soldaten im Wald sind, findet sie nicht.

Eher stolpert ein unwissender Spaziergänger über die Späher, als dass er sie entdecken kann. Vor allem, wenn sie wie der Oberstabsgefreite Christian Kunick von der 1. Kompanie des Panzerpionierbataillons 803 aus Havelberg (Sachsen-Anhalt) flach auf dem Boden liegen und von Astwerk verdeckt sind.

Jeweils drei Stunden müssen die Späher in dieser Lage aushalten und dabei die nahe Straße im Auge behalten. Ihr waches Auge richtet auch eine Kamera auf die Straße. Das Gerät sitzt normalerweise oben auf einem Spähwagen „Fennek“. Auf ein Stativ montiert und mittels Kabel mit dem Beobachtungsstand im „Fennek“ verbunden, liefert die Kamera ihre Bilder. Das Kabel ist natürlich mit Moos verdeckt, und die drei Fahrzeuge stehen so zueinander, dass sie sofort in drei Richtungen davonfahren könnten, würde der Spähtrupp vom Feind entdeckt. Die zu ihrer Tarnung aufgestellten Bäumchen könnten die gepanzerten Spähwagen einfach plattwalzen.

Aber so weit soll es gar nicht kommen. Darauf achten die Schiedsrichter, die Hauptfeldwebel Tom Wolski und Günter Schwarz von der 2. Kompanie. Wenn Spähtruppführer Hauptfeldwebel Maik Themer und seine Soldaten patzen, werden sie von den Schiedsrichtern zurückgepfiffen und müssen noch einmal von vorne anfangen. Meistens aber können sich Wolski und Schwarz aufs Beobachten beschränken. Themers Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass alles glatt läuft. „Die Lage zu leben ist nicht das Einfachste für die Jungs. Wichtig ist, die Motivation aufrechtzuerhalten an der Sicherungslinie des Feindes.“

Nach vier Tagen im Wald endet die Übung. Das Feindesland wird verlassen. Das fällt aber niemandem auf. Das Verstecken hat perfekt funktioniert.

 Susanne Peyronnet