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Ostholstein Landrat Reinhard Sager: „Ostholstein auf einem guten Weg“
Lokales Ostholstein Landrat Reinhard Sager: „Ostholstein auf einem guten Weg“
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16:41 28.12.2018
Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (59) nimmt im LN-Interview Stellung zu den Themen, die 2019 anstehen. Quelle: GÄBLER
Ostholstein

Reinhard Sager (59) ist seit 17 Jahren Landrat in Ostholstein. Er stammt aus Suxdorf (Gemeinde Grömitz). Von 1982 bis 1988 saß er für die CDU in der Grömitzer Gemeindevertretung. 1990 bis 1995 war er Kreistagsabgeordneter, 1992 bis 2001 Mitglied des Landtages. 2001 machten die Ostholsteiner ihn zu ihrem ersten direkt gewählten Landrat. Seitdem wurde er zwei Mal im Amt bestätigt. Seit 2014 vertritt Sager als Präsident des Landkreistages auch bundesweit die Interessen der Kreise. Im LN-Interview blickt er zurück auf 2018 und auf das neue Jahr. Seine Botschaft: „Ostholstein ist auf einem guten Weg“.

LN: Was hat Sie 2018 besonders gefreut?

Reinhard Sager: Wir haben ein deutliches Plus im Kreis-Haushalt und somit endlich wieder finanzielle Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem konnten wir in der Kreisverwaltung viele neue Kolleginnen und Kollegen begrüßen, die die anstehenden Aufgaben mit anpacken.

Was hat Sie 2018 geärgert?

Die aggressive Sprache in den sozialen Medien, wenn völlig unsachlich über die Kreisverwaltung hergezogen wird. Das Schlimme ist die Verrohung in der Sprache. Es ist nicht zu akzeptieren, wenn meine Mitarbeiter oder ich mehrfach im Monat verbal beschimpft werden.

Mit dem Silvestertag endet der Konsolidierungsvertrag mit dem Land. Was bedeutet das für Ostholstein?

Viel Gutes! Unsere Haushaltssituation hat sich deutlich verbessert. Bei 306 Millionen Euro Ausgaben erwarten wir 2019 einen Überschuss von zehn Millionen Euro. Ostholstein hat wieder Gestaltungsmöglichkeiten. Wir können Schulden abbauen und konkrete Unterstützung leisten. Allein 46 investive Maßnahmen in den Sportvereinen förderte der Kreis 2018. Außerdem konnte die Übungsleiterpauschale auf 6,90 Euro angehoben werden. Und wir können Radwege und Kreisstraßen sanieren, 2019 kommt die Straße von Pönitz nach Eutin dran.

Mehr zum Thema: EU-Gericht: Staatsbeihilfen für Belttunnel überprüfen

Stichwort „Beltquerung“, das Luxemburger EU-Gericht hat die EU-Kommission gerügt wegen der öffentlichen Subventionierung für den geplanten Belttunnel. Glauben Sie, dass er eines Tages tatsächlich kommt?

Daran glaube ich ganz fest. Das war ein Warnschuss für die EU-Kommission. Der dänische Staat hält jedoch an der Planung fest. Die haben große Erfahrungen mit solchen Projekten. Und kreisseitig bereiten wir uns auf die Verbindung vor. Die Nachfrage nach neuen Gewerbegebieten ist riesig. Wir brauchen immer noch 110 bis 130 Hektar, um Firmenansiedlungen zu ermöglichen.

Was hat Ostholstein von einem Belttunnel?

Wenn die Hinterlandanbindung kommt, wollen wir auch davon partizipieren und nicht nur den Zügen nachschauen. Meine Maxime, die ich in der Kreisverwaltung ausgegeben habe, lautet: Risiken minimieren, Chancen maximieren. Eine einmalige Chance ist jetzt, dass der Bund bereit ist, zusätzlich eine halbe Milliarde Euro nach Ostholstein zu geben – für übergesetzlichen Lärmschutz an der Bahnstrecke.

Mehr zum Thema: 380-kV-Trasse: Kreis will das Erdkabel

Nächstes Thema: die 380-kV-Starkstromtrasse. Tennet will Masten bauen, der Kreis aber die Erdkabel-Variante. Ist das überhaupt realistisch?

Ja, absolut. Eine Verkabelung bedeutet einen schonenden Umgang mit der Natur und weniger Landschaftsverbrauch als bei den Strommasten, die so hoch wie Fernsehtürme sind. Ich hoffe, dass sich Kiel doch noch einsichtig zeigen wird.

Bleiben wir beim Naturschutz, wie steht es um die Planung des Landschaftsschutzgebietes (LSG) für die Bungsberg-Region?

Mitte November endete die Frist für Widersprüche. Es gab 25 Eingaben von Privatpersonen. In einem Fall, das war die Gemeinde Wangels, sprach man sich sogar für ein noch größeres Landschaftsschutzgebiet aus. Das LSG wird 2019 kommen – und zwar mit einer sicheren Zukunft für landwirtschaftliche Betriebe darin und Entwicklungsmöglichkeiten für die Gemeinden. Diese einmalige Landschaft muss für die nächsten Generationen bewahrt werden. Deshalb brauchen wir die Verordnung.

Ende Oktober wurde bekannt, dass Sana die Kliniken an Ameos verkauft. Haben Sie Kontakt zur Ameos-Unternehmensleitung und trauen Sie den Zusagen?

Vorstandsmitglied Michael Dieckmann war vor einigen Wochen zum Antrittsbesuch hier. Er hat uns versichert, dass Ameos alle Arbeitnehmer und die Tarifverträge übernehmen wird. Und zwar für alle fünf Standorte: Eutin, Middelburg, Lensahn, Oldenburg und Fehmarn. Am 12. Februar 2019 wird sich Herr Dieckmann im Hauptausschuss vorstellen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, dem neuen Träger schon vorab mit Misstrauen zu begegnen.

Was wird Sie im kommenden Jahr noch beschäftigen?

Der Bau des neuen Frauenhauses Ostholstein hier in Eutin. Die Wohnungsbaugesellschaft des Kreises hat da richtig gut vorgearbeitet. Der Kreis gibt 125.000 Euro für den Neubau dazu.

Sie sind als Landrat viel unterwegs – allerdings mit einem großen BMW und Chauffeur. Wann fährt Ostholsteins Verwaltungschef elektrisch?

Das könnte ich mir durchaus vorstellen, aber noch scheitert es an der Reichweite. Der 5er-BMW ist ein Diesel, der immer für zwölf Monate geleast wird. Hybrid-Modelle haben wir aus wirtschaftlichen Gründen verworfen. Das alles wird jährlich neu durchgerechnet und überprüft.

Wo verbringen Sie das Silvesterfest?

Bei uns zu Hause. Wir stoßen traditionell mit einem Glas Sekt an und bestaunen das Feuerwerk in Haffkrug und Scharbeutz von unserem Balkon aus. Böller gibt’s bei uns nicht – dat mut nich sien!

Louis Gäbler

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