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Ostholstein Schaurig-schönes Schauspiel: Gespinstmotte sorgt für Geisterbüsche
Lokales Ostholstein Schaurig-schönes Schauspiel: Gespinstmotte sorgt für Geisterbüsche
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19:33 06.06.2019
An der L 184 zwischen Ahrensbök und Eutin sind Büsche abgestorben und mit einem dichten Gespinst überzogen. Quelle: Susanne Peyronnet
Eutin/Ahrensbök

Es sieht gruselig aus: Mitten zwischen frischem Grün stehen weiß überzogene Büsche. Die Äste sind komplett kahl gefressen. An den Zweigen klettern gelblich-weiße Raupen mit schwarzen Punkten entlang. In Astgabeln haben sie ihre Netze besonders dicht gesponnen, es sind die Nester, in denen sich die Raupen verpuppen.

Doch was so schlimm aussieht, ist völlig harmlos: Nicht der gefährliche Eichenprozessionsspinner ist dort am Werk, sondern die harmlose Gespinstmotte. Das bestätigt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV), nachdem Mitarbeiter der Straßenmeisterei Scharbeutz die versponnenen Büsche angeschaut haben. „Nach Rücksprache mit unseren Experten handelt es sich nicht um den Eichenprozessionsspinner“, teilt LBV-Sprecherin Dagmar Barkmann mit. Dieselbe Einschätzung gaben anhand von Fotos auch die Fachleute vom Kreis Ostholstein ab.

Ab und zu kommt es zur Massenvermehrung

Karl-Heinz Jelinek ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen (Schmetterlingskundler) und im Landesfachausschuss Entomologie (Insektenkunde) des Naturschutzbundes (Nabu). Als solcher ist er ein Experte für Gespinstmotten. Die sind, erläutert er, auf eine bestimmte Strauch- oder Baumart spezialisiert. Jelinek vermutet, dass es sich bei den Motten an der L 184 um Pfaffenhütchen-Gespinstmotten handelt.

Die seien normalerweise relativ unauffällig. Ab und zu aber komme es zu einer Massenvermehrung, die sich in solchen Geisterbüschen äußert. Die sind über und über eingesponnnen, weshalb die Gespinstmotten den Beinamen „Die Christos unter den Insekten“ erhalten haben. Sogenannte Hungerraupen haben nicht mehr genug Nahrung abbekommen, nachdem die anderen alles kahl gefressen hatten. Sie sind kleiner und müder, leisten aber einen wichtigen Dienst, in dem sie die Netze spinnen. „Sie opfern sich und spinnen noch ein Schutznetz“, sagt Jelinek.

Etliche Büsche sind kahl gefressen und weiß eingesponnen - Bald werden sie wieder austreiben.

Diese Netze schützen die stärkeren Raupen und ermöglichen ihnen, sich zu verpuppen. Laut Jelinek haben Gespinstmotten als Fressfeinde nur Schlupfwespen und Raubwanzen. Vögel mögen die Mottenraupen nicht, vermutlich, weil das Gespinst ihnen den Schnabel verklebt.

Die Büsche schlagen wieder aus

Dem Baum schadet der Befall nicht, sagt der Experte. „Die treiben in Kürze wieder aus.“ Sogar das ziemlich genaue Datum lässt sich vorhersagen: um den 21. bis 23. Juni. Letzterer ist der Johannestag, deshalb heißt das erneute Austreiben der Büsche Johannestrieb. Außerdem ist das massenhafte Auftreten der Gespinste zeitlich begrenzt. „Der Spuk ist meistens ein Jahr später wieder vorbei“, erläutert Jelinek.

Mit dem gefürchteten Eichenprozessionsspinner, dessen Brennhaare eine giftige Reaktion auslösen und auf menschlicher Haut Quaddeln oder Pusteln hinterlassen, haben die Gespinste der Motten nichts zu tun. Fälle von Eichenprozessionsspinnern sind nach Angaben des LBV, der für die Fernstraßen zuständig ist, in Ostholstein noch nie festgestellt worden. Kreissprecherin Carina Leonhardt weist darauf hin, dass ein möglicher Befall mit Eichenprozessionsspinnern an die örtlichen Ordnungsbehörden gemeldet werden sollte, die dann die erforderlichen Maßnahmen ergreift. Eine Broschüre des Landes gibt nähere Informationen dazu.

Gefahr nur an Eichen

Jelinek verweist darauf, dass der Eichenprozessionsspinner ausschließlich auf Eichen vorkommt. Ihre Gespinste fielen kaum auf, anders als die der Gespinstmotte. Die Raupen tragen eine dunkle Rückenlinie und Warzen mit langen Haaren. Die Seiten sind grau-blau. Ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner ist in Schleswig-Holstein sehr selten. Einzelne Fälle gab es vor einigen Jahren im Kreis Herzogtum Lauenburg und im Stadtgebiet von Bad Schwartau.

Im Kreis Segeberg hatte die Gespinstmotte vor einigen Wochen für Aufregung gesorgt. Mehr dazu lesen sie hier.

Susanne Peyronnet

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