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Ostholstein Leben auf großem Fuß: 68-Jährige betrog zahlreiche Ostholsteiner
Lokales Ostholstein Leben auf großem Fuß: 68-Jährige betrog zahlreiche Ostholsteiner
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12:47 14.08.2019
Eingang zum Schöffengericht in Lübeck, wo sich eine 68-Jährige wegen zahlreicher Betrugsfälle in Ostholstein verantworten muss. Quelle: Sabine Latzel
Ostholstein

Es dauerte eine Weile, bis der Staatsanwalt vor dem Lübecker Schöffengericht die Anklage vollständig verlesen hatte. Denn im Prozess gegen Heidrun K. (Name geändert) kommt einiges zusammen: 13 Fälle des gewerbsmäßigen Betruges, begangen in Ostholstein, werden der 68-Jährigen vorgeworfen. Vermieter von Ferienwohnungen und Hoteliers, Autohändler und Möbelhäuser, ein Makler und ein Dachdecker-Betrieb blieben ihretwegen auf ihren Rechnungen sitzen.

Die Angeklagte will alle Schuld auf sich nehmen

„Es hat sich alles so ergeben“: Dergestalt erläutert Heidrun K. vor Gericht, warum sie so oft und in beachtlichen Dimensionen betrogen hat. Sie ist geständig, möchte alle Schuld auf sich nehmen und weder ihren Mann, der die Scheidung eingereicht hat, noch einen zeitweiligen Lebensgefährten belasten. „Ich habe den Mist gebaut“, betont die Angeklagte mehrfach. Auf den ersten Blick wirkt sie unauffällig und nicht unbedingt solvent – doch Heidrun K. kann offenbar Charme und Überzeugungskraft entwickeln.

Anders scheint es nicht erklärbar, warum ihr diverse Vermieter und Geschäftsleute aus dem Kreis Ostholstein vertraut haben. Heidrun K. und ihr Ex-Mann haben im vergangenen Jahr mehrfach Ferienwohnungen angemietet, in Scharbeutz und Grömitz, mal für vier Wochen, mal für zwei Monate, ohne zu zahlen. Schaden für die Vermieter: mehr als 4300 Euro. Sie verbrachten mehrere Wochen in Vier-Sterne-Hotels in Neustadt und Grömitz. Höhe der nicht beglichenen Rechnungen: ebenfalls um die 4300 Euro.

„Kauf“ eines Hauses in Grömitz für 390 000 Euro

Sie habe die Unterkünfte vor allem für ihren damaligen Mann angemietet, sagt Heidrun K. – auch, weil sie wegen „Stress und Streit“ zeitweise getrennt lebten. Kennengelernt hätte sich das Paar, nachdem die einschlägig vorbestrafte Norddeutsche 2016 aus der Haft entlassen worden war. Die 68-Jährige habe sich nicht zwingend selbst bereichern wollen, deutet ihr Rechtsanwalt an, sondern wolle möglicherweise aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus in einer Beziehung dem Partner „etwas bieten“.

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Beispielsweise ein geräumiges Zuhause: 2018 schloss Heidrun K. einen Kaufvertrag für ein 390 000 Euro teures Einfamilienhaus in Grömitz ab. Sie zog dort auch ein, allerdings ohne jemals den Kaufpreis oder die Maklergebühren in Höhe von 25 000 Euro zu überweisen. Bei Möbelhäusern bestellte sie ein Boxspringbett für 1100 Euro und einen Schwebetüren-Schrank für 2000 Euro und versuchte, diese mit Überweisungsträgern zu zahlen, die sie sich bei einem namhaften Bankhaus besorgt hatte. Einen Dachdecker-Betrieb beauftragte sie damit, die Terrasse des Hauses zu überdachen – (nicht beglichene) Kosten: knapp 8900 Euro.

Nachlässig gefälschter Banken-Stempel fiel auf

Heidrun K. fälschte auch einen Stempel mit dem Schriftzug der Bank, allerdings etwas nachlässig: Zwei Buchstaben erschienen stets seitenverkehrt auf dem Papier, was anscheinend das Misstrauen eines Autohändlers aus Neustadt weckte. Bei ihm orderte die Angeklagte einen gebrauchten Audi Q3 für 16 000 Euro – dieses Geschäft kam aber wegen der Zweifel des Geschäftsmannes nicht zustande.

Umso überraschter muss er gewesen sein, als Heidrun K. einige Zeit später in einem BMW X3 an ihm vorbeifuhr. Diesen SUV hatte sie von einem Oldenburger Autohaus erhalten, wo sie von einem Unfallschaden und ausstehenden Zahlungen einer „Hanseatischen Kfz-Versicherung“ berichtet hatte – die es nicht gibt. Der Neustädter Autohändler informierte seinen Kollegen in Oldenburg über seine Vorbehalte gegen Heidrun K., woraufhin dieser das Fahrzeug mithilfe der Polizei bei der Angeklagten in Grömitz wieder abholte.

Auch die Werkstatt blieb auf der Rechnung sitzen

Heidrun K. besaß allerdings noch einen älteren Skoda Fabia, den sie für 1400 Euro in einer Oldenburger Werkstatt reparieren ließ. Auch diese Rechnung ist bis heute offen. Später bestellte sie an ihrem ehemaligen Wohnort im niedersächsischen Ammerland bei einem weiteren Autohaus einen Mercedes der B-Klasse im Wert von 26 000 Euro.

Zumindest bei einigen dieser Betrügereien wurde die Angeklagte von ihrem Ex-Mann beziehungsweise ihrem Lebensgefährten begleitet. Diese seien wohl davon ausgegangen, dass sie vermögend sei, merkt sie vor Gericht etwas vage an. Dass ihr damaliger Freund als angeblicher Versicherungsmitarbeiter geholfen haben soll, einen der Autohändler zu täuschen, habe sie nicht mitbekommen, „das könnte ich bei meinen Enkelkindern beschwören“, sagt sie. Auf Schwüre der Angeklagten lege er „keinen gesteigerten Wert“, kommentierte dieses der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Die Verhandlung nimmt die Angeklagte sichtlich mit, doch sie will offenbar reinen Tisch machen. Sie sitzt seit Februar dieses Jahres in Untersuchungshaft. Dort habe sie auch die Scheidungsunterlagen erhalten, berichtet sie traurig. Der Prozess wird am Dienstag, 27. August, fortgesetzt.

Von Sabine Latzel

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