Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Lehrer fehlen: Schule muss Klassen zusammenlegen
Lokales Ostholstein Lehrer fehlen: Schule muss Klassen zusammenlegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:47 08.02.2019
Die Oldenburger Grundschule am Wasserquell musste Klassen zusammenlegen, weil Lehrer fehlen.
Die Oldenburger Grundschule am Wasserquell musste Klassen zusammenlegen, weil Lehrer fehlen. Quelle: BINDER
Anzeige
Ostholstein

Lehrermangel in Ostholstein: Nicht alle Planstellen an den Schulen im Kreis sind besetzt, hinzu kommen krankheitsbedingte Ausfälle. Die Grundschule am Wasserquell in Oldenburg musste wegen fehlender Kapazitäten jetzt sogar eine vierte Klasse auflösen und die Schüler auf die übrigen drei aufteilen.

„Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, bilanziert Schulleiterin Gesine Böllnitz nach der ersten Woche in der neuen Konstellation. Die Belastung sei für die Lehrkräfte zu groß geworden; „wir mussten reagieren“. Seit September hat die Grundschule laut Rektorin mit mehreren langfristigen Ausfällen von Kollegen zu kämpfen. Da mittlerweile absehbar sei, dass sich die Situation bis auf Weiteres nicht verbessern werde, habe man in Absprache mit Schulamt und auch Eltern beschlossen, aus vier Klassen drei zu machen. Das entlaste nicht nur die Lehrer, sondern bringe auch wieder mehr Ruhe in den Alltag der Schüler, die sich bis dato auf ständig wechselnde Unterrichtspläne hätten einstellen müssen.

Suche nach Lehrern gestaltet sich schwierig

Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums versuche das Land, für jeden längerfristigen Ausfall eine Vertretung einzustellen. Um das zu finanzieren, gebe es einen eigenen Fonds. Allerdings sei die Suche nach Lehrern generell schwierig, auch für die Planstellen. „Wir stehen in Konkurrenz zu anderen Bundesländern“, sagt Ministeriumssprecher Thomas Schunck, das Angebot sei derzeit größer als die Nachfrage. Auch seien größere Städte generell für viele Bewerber attraktiver als der ländliche Raum.

Das bekommt auch Ostholstein zu spüren. Knapp 766 Planstellen gibt es im Kreis; 5,6 davon sind aktuell nicht besetzt. Laut Schulrat Thomas Panten mussten diverse reguläre Stellen zudem mit Kräften besetzt werden, die (noch) keine „fertigen“ Lehrer sind – sprich, kein zweites Staatsexamen haben. Auch bei Vertretungslehrern werde unter anderem auf Studenten zurückgegriffen, die noch vor dem Referendariat stehen, oder auf pädagogische Fachkräfte aus anderen Bereichen. In Ostholstein ist es mit 27 mehr als die Hälfte der insgesamt 51 Vertretungslehrer an Grundschulen. Insofern könnten die Betreffenden dauerhafte Ausfälle im Kollegium auch nur bis zu einem gewissen Grad kompensieren, sagt Panten. Doch „Lehrer fallen im Moment leider nicht vom Himmel“.

Neue Klassenkonstellation: Schule zieht positive Bilanz

Die Klassen-Zusammenlegung an der Oldenburger Grundschule unterstützt der Schulrat. Laut Ministerium fehlen dort durch die langfristigen Krankheitsfälle nach Wochenstunden berechnet 1,6 Planstellen. Von 19 – zum Teil in Teilzeit beschäftigten – Kollegen seien drei dauerhaft erkrankt. Hinzu kämen „jahreszeitbedingte“ Krankmeldungen. Vertretungslehrer zu finden, sei derweil gerade auf dem Land schwierig, teilt Gesine Böllnitz die Einschätzung aus Kiel. Den Unterricht vollständig abzudecken, sei für die verbliebenen Lehrer am Ende kaum noch möglich gewesen.

Mit maximal 29 Kindern sei die Klassengröße an der Schule derweil immer noch im Rahmen, erklärt Thomas Panten. Das bestätigt Schulleiterin Böllnitz – wenngleich sie sagt: „Eigentlich wollen wir für kleine Kinder kleine Klassen.“ Gerade mit Blick auf Inklusion und DaZ-Kinder (Deutsch als Zweitsprache) sei es wichtig, Zeit für die einzelnen Schüler zu haben. Insofern habe sich die jetzige Entscheidung niemand leicht gemacht, betont die Rektorin. Die Kinder hätten sich aber in ihren neuen Klassengemeinschaften schon gut eingefunden; viele hätten sich schon vorher von Klassenfahrten oder der Nachmittagsbetreuung gekannt. Böllnitz: „Die Stimmung an der Schule hat sich beruhigt. Das freut mich sehr.“

Jennifer Binder