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Ostholstein Leiche identifiziert: Asylbewerberin aus dem Iran
Lokales Ostholstein Leiche identifiziert: Asylbewerberin aus dem Iran
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18:40 18.02.2019
Leichenfund in der Gemeinde Gremersdorf: Hier zwischen Neuteschendorf und Heiligenhafen hatte ein Spaziergänger die tote Iranerin entdeckt und die Polizei alarmiert. Quelle: Gäbler
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Gremersdorf

Grausiger Fund in der Gemeinde Gremersdorf zwischen Neuteschendorf und Heiligenhafen: Auf einer der Stiftungswiesen, die an die Straße grenzen, ist die Leiche einer jungen Frau gefunden worden. Sie wurde nach Hinweisen aus der Bevölkerung inzwischen identifiziert: Es handelt sich um eine 28-jährige Iranerin, die seit 2016 in Deutschland gemeldet war und in Oldenburg wohnte. Ein Spaziergänger hatte den Leichnam am Sonnabend gegen Mittag gefunden und die Polizei alarmiert. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus. Anhaltspunkte für einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat sind derzeit nicht vorhanden.

Bekannte identifizieren die Frau

Am Sonntag bat die Polizei die Öffentlichkeit um Mithilfe, um die Identität der bis dahin noch unbekannten Frau zu klären. Dazu veröffentlichte sie mehrere Fotos des Leichnams, darunter auch Bilder von zwei auffälligen Tätowierungen. Bekannte der Iranerin hätten sich an die Polizei gewendet und mitgeteilt, um wen es sich bei der Gesuchten handele, teilte ein Polizeisprecher mit.

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Ein Spaziergänger hatte die Leiche der 28-Jährige in der Feldmark zwischen Heiligenhafen und Oldenburg entdeckt. Die Frau fiel einem Gewaltverbrechen zum Opfer.

Ermittlungen laufen „auf Hochtouren“

„Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Lübeck laufen auf Hochtouren“, sagte der Sprecher. „Zum Schutze der Ermittlungen können aktuell aber keinerlei weitere Auskünfte erteilt werden.“ Anhaltspunkte für einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat seien nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht vorhanden.

Die Polizei war am Sonnabend gegen 12.30 Uhr über den Leichenfund informiert worden. Die Frau war 1,48 Meter groß und schlank. Sie hatte schulterlanges, blond gefärbtes Haar. Die natürliche Haarfarbe dürfte, so hieß es in einer ersten Mitteilung der Polizei vom Wochenende, sehr dunkel bis schwarz sein. Sie war mit einem roten Jogginganzug bekleidet.

Obduktion in Lübecker Gerichtsmedizin

Am Sonntag wurde die Leiche in der Gerichtsmedizin Lübeck obduziert. Über das Ergebnis sagte die Staatsanwaltschaft am Montag nichts. Auch nicht zu der Frage, auf welche Art und Weise die 28-Jährige verstarb oder ob ein Sexualdelikt vorliegt. „Dies wäre Täterwissen, das wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mitteilen“, sagte Dr. Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

In den Ortsteilen Johannistal und Neuteschendorf herrschte zwei Tage nach dem Leichfund Entsetzen über die Tat. Man habe sich zwar über die Straßensperrung mit Flatterband nach Heiligenhafen gewundert, hieß es. Gesehen habe man aber nur die Polizeibeamten, die die Strecke absperrten. Neugierige Spaziergänger schauten sich am Montag die Stelle an. Patrick Beckert (31) aus Dazendorf, der hier immer mit seinen beiden Hunden spazieren geht, sagte, es sei furchtbar, dass sich so ein Verbrechen quasi vor der Haustür ereignet habe.

Auf einer der sogenannten Stiftungswiesen, wo das Land mit Biotop gestaltenden Maßnahmen Lebensräume in der Weidelandschaft für Amphibien und Reptilien vorhält, war der Leichnam von dem Täter oder den Tätern im Bereich eines Steinhaufens abgelegt worden. Ob der Fundort auch gleichzeitig der Tatort ist, wollte die Staatsanwaltschaft nicht kommentieren.

Oldenburgs Bürgermeister erschüttert

Entsetzt über die furchtbare Tat war auch Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos). Voigt sagte, er sei erschüttert gewesen, als er vom Tod der 28-jährigen Iranerin hörte. „Das ist eine ganz schreckliche Geschichte“, sagte Voigt. Die Frau habe in einer von der Stadt angemieteten Wohnung gelebt. Flüchtlingsbetreuer Jochen Picht, der Integrationsbeauftragte der Stadt Oldenburg, war gestern nicht erreichbar, er ist derzeit im Urlaub. Erschüttert war auch Voigts Amtskollege in Gremersdorf, Bürgermeister Henning Pries (CDU). Er hatte auf den veröffentlichten Fotos den Fundort – die Stiftungswiese – wiedererkannt.

Louis Gäbler

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