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Ostholstein Tote Frau aus der Feldmark: Polizei nimmt Tatverdächtigen fest
Lokales Ostholstein Tote Frau aus der Feldmark: Polizei nimmt Tatverdächtigen fest
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06:54 20.02.2019
Der Tatverdächtige und das Opfer lebten beide in Oldenburg. Die Leiche der 28-Jährigen wurde in der Feldmark bei Gremersdorf gefunden. Quelle: Louis Gäbler
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Gremersdorf

Schneller Ermittlungserfolg: Drei Tage nach dem Fund einer Frauenleiche in der Gemeinde Gremersdorf meldeten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagvormittag die Festnahme eines Tatverdächtigen. Demnach hat das Amtsgericht Lübeck am Montag in den Abendstunden „antragsgemäß Untersuchungshaftbefehl“ gegen den Freund des Opfers erlassen. Der 22 Jahre alte Iraker befindet sich aktuell in der Lübecker Justizvollzugsanstalt. Ihm wird Totschlag vorgeworfen. „Die Obduktion lässt nur den Schluss zu, dass die Frau eines gewaltsamen Todes gestorben ist“, sagte Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst.

Warum genau die Beamten den jungen Mann festgenommen haben, wurde bislang nicht öffentlich. Hingst betonte, dass die Ermittlungen der Lübecker Mordkommission auf Hochtouren laufen würden und es aus diesem Grund keine detaillierten Informationen gebe. Somit bleibt unklar, warum der Freund der Iranerin als dringend tatverdächtig gilt. Bislang habe er sich zum Tatvorwurf weder gegenüber der Polizei noch gegenüber dem Richter geäußert. „Auch bezüglich seiner persönlichen Verhältnisse hat er von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Diese sind daher ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Hingst.

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Ein Spaziergänger hatte die Leiche der 28-Jährige in der Feldmark zwischen Heiligenhafen und Oldenburg entdeckt. Die Frau fiel einem Gewaltverbrechen zum Opfer.

Opfer und mutmaßlicher Täter lebten nicht zusammen

Fakt ist, dass der 22-Jährige und das Opfer nicht zusammen in einer Wohnung, aber beide in Oldenburg lebten. Jörg Saba von der Stadtverwaltung sagte, dass die Frau nicht alleine gewohnt habe, die Stadt aber bei der Unterbringung darauf achte, alleinstehende Männer und Frauen getrennt unterzubringen. Zudem gehe es darum, Asylbewerber dezentral zu verteilen und so die Integration zu erleichtern.

Die 28-Jährige kam laut Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst Anfang 2016 nach Deutschland. Höchstwahrscheinlich sei sie alleine eingereist, habe weder Familie noch Kinder hier. Welche Stationen nach ihrer Einreise folgten und ob sie eine Bleibeperspektive hatte, entziehe sich ihrer Kenntnis. Auch über den mutmaßlichen Täter ist wenig bekannt. Hingst sagte lediglich, dass er in Deutschland bislang nicht straffällig geworden sei.

Dann wird die Öffentlichkeit eingeschaltet

Die Identität eines Opfers sowie eines Täters gilt als einer der wichtigsten Ermittlungsansätze für Polizei und Staatsanwaltschaft. Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, darf die Öffentlichkeit eingeschaltet werden. Rechtliche Grundlage ist der Paragraf 131 b der Strafprozessordnung.

In diesem heißt es: „Die Veröffentlichung von Abbildungen eines Beschuldigten, der einer Straftat von erheblicher Bedeutung verdächtig ist, ist auch zulässig, wenn die Aufklärung einer Straftat, insbesondere die Feststellung der Identität eines unbekannten Täters auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert wäre.“ Zudem steht dort: „Die Veröffentlichung von Abbildungen eines Zeugen und Hinweise auf das der Veröffentlichung zugrunde liegende Strafverfahren sind auch zulässig, wenn die Aufklärung einer Straftat von erheblicher Bedeutung, insbesondere die Feststellung der Identität des Zeugen, auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre.“ Wichtig ist, dass die Veröffentlichung klar erkennen lässt, dass die abgebildete Person nicht Beschuldigter ist.

Polizei bat mit dem Bild des Opfers um Hinweise

Das Ermittlungsverfahren von Polizei und Staatsanwaltschaft war durchaus ungewöhnlich. Kaum 24 Stunden nachdem ein Spaziergänger den Leichnam in der Feldmark zwischen Neuteschendorf (Gemeinde Gremersdorf) und Heiligenhafen gefunden hatte, gingen die Beamten mit mehreren Fotos an die Öffentlichkeit. Auf diesen war unter anderem das Gesicht der 1,48 Meter großen Frau zu sehen. Blutergüsse wiesen auf Gewalteinwirkung hin. Zusätzlich gab es Aufnahmen von zwei Tätowierungen. Stunden später war die Identität aufgrund von Zeugenhinweisen geklärt.

Dr. Ulla Hingst sagte, dass die Öffentlichkeitsfahndung beim Amtsgericht Lübeck beantragt worden war, da alle anderen Ermittlungsansätze ausgeschöpft gewesen seien. Die Frau habe keinerlei Papiere noch andere Gegenstände bei sich gehabt, anhand derer die Kripo die Identität hätte feststellen können. Doch eben diese sei Ausgangspunkt aller weiteren Ermittlungen.

Sebastian Rosenkötter

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